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07.06.1996 - 

Alle OS/2-Anwendungen künftig auch unter Windows und NT

Big Blue beugt sich der Dominanz von Microsoft

Die IBM legt allerdings großen Wert auf den Hinweis, daß die Hinwendung zu den Microsoft-Plattformen keineswegs eine sinkende strategische Bedeutung von OS/2 signalisiere. Dennoch sei die Umarmung von Microsoft keinesfalls halbherzig. "Sie umfaßt das gesamte Software-Angebot unseres Unternehmens", so Sprecher der IBM Corp. Ab sofort gehöre das seit der Trennung der Ex-Partner Microsoft und IBM bestehende Schisma zwischen OS/2 und Windows der Vergangenheit an.

"Ein ernsthaftes Engagement von Herstellerseite ermöglicht es den Firmen, die IBM-Stärke bei unternehmensweiten und -kritischen Lösungen mit der Desktop-orientierten Windows-Welt zu kombinieren", faßt David Kelly, Director Applications Strategy beim Bostoner Marktforschungsunternehmen Hurwitz Group Inc., die Vorteile zusammen und fügt hinzu: "Auch wenn es unwahrscheinlich ist, aber eine wiederbelebte Partnerschaft von IBM und Microsoft wäre die nahezu ideale Lösung für alle Anwender."

Joel Diamond, technischer Chef der amerikanischen Windows User Group Wugnet, bestätigt, daß der neue Kurs von Big Blue vor allem für die Benutzer in Unternehmen wichtig sei. Er freut sich: "Endlich können die Anwender frei wählen."

Damit trifft Diamond ziemlich genau die Absichten der IBM, wonach der Microsoft-Weg beschritten werde, damit sich die Kunden beim Kauf keine Gedanken mehr machen müßten, ob ihre Software auch vom verwendeten Betriebssystem unterstützt werde. Hinzu kommt die Hoffnung, mit Windows-Programmen weit mehr Kunden gewinnen zu können als mit OS/2-Software.

Kritik kommt aus dem Kreis der IBM-Kunden. "Im OS/2-Umfeld ist es möglich, den Erfolg von Projekten sicherzustellen, mit Windows nicht", so die Einschätzung von Dan Vermeire, Senior Technical Specialist, von Huntington Services, einem in Columbus, Ohio, beheimateten DV-Dienstleister für Finanzinstitute. Es gebe einige OS/2-Tools, auf die er keinesfalls verzichten wolle. Hinzu kommt, daß sich NT zwar ähnlich robust gestalten lasse wie OS/2, dabei aber weit mehr Kosten verursache. Bei Tausenden von Desktop-Systemen sei das ein ausschlaggebendes Kriterium.

Hinter diesen Kritikpunkten steckt die Furcht, daß künftig, trotz aller Bekenntnisse, Windows und Windows NT die ersten Geigen bei der IBM spielen könnten. Für eine solche Entwicklung sieht Jon Oltsik, Analyst bei der Forrester Research Inc., durchaus konkrete Anzeichen. So habe IBM zwar die Unterstützung von NT auf Großrechnern, nicht aber von OS/2 angekündigt. Auch auf der RS/6000 läuft neben AIX Windows NT und nicht der OS/2 Warp Server. Selbst im System-Management-Bereich hat die IBM-Tochter Tivoli bislang keine OS/2-Pläne vorgelegt.

"Großartige Neuigkeiten" lautet daher die Reaktion Jonathan Roberts, Microsofts Produkt-Manager für Windows 95 and Windows NT Workstation.