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29.01.1993 - 

Auch die IBM Deutschland schreibt rot

Big Blue faehrt 1992 den groessten Verlust in seiner Geschichte ein

"Unser finanzielles Ergebnis ist weder fuer uns noch fuer unsere Aktionaere akzeptabel", betonte IBM-Chef John Akers selbstkritisch bei der Bekanntgabe der Zahlen fuer 1992. Bei einem gegenueber 1991 mit 0,4 Prozent nur leicht ruecklaeufigen Gesamtumsatz von 64,52 Milliarden Dollar erzielte Big Blue ohne Einbeziehung der Aufwendungen fuer Personal- und Kapazitaetsabbau ein positives Nettoergebnis von 1,42 Milliarden Dollar. Die ausserordentlichen Belastungen schraubten allerdings den Betriebsverlust auf eine Hoehe von 8,24 Milliarden Doller (1991: plus 939 Millionen). Nur durch die geringere Steuerlast und Änderungen in den Bilanzierungsrichtlinien konnte schliesslich ein Nettoverlust von 4,96 (1991: 2,86) Milliarden Dollar ausgewiesen werden.

Verluste bei den Toechtern in Europa

Die IBM-Niederlassungen ausserhalb der USA konnten 1992 nicht zur Ergebnisverbesserung beitragen. Im Gegenteil: Sie verbuchten einen Nettoverlust von 560 Millionen Dollar (1991: plus 1,79 Milliarden). Der Umsatz der Dependancen sank von 40,34 auf 39,89 Milliarden Dollar.

Auch die IBM Deutschland schliesst eigenen Angaben zufolge aufgrund von Kapazitaetsanpassungen und Vorsorgemassnahmen das vergangene Jahr mit Verlust ab. Über die genaue Hoehe des Fehlbetrages wurden allerdings keine Angaben gemacht. Der Umsatz ging 1992 auf 13,8 Milliarden Mark zurueck. Dabei sanken die Inlandseinnahmen um 7,8 Prozent auf 9,5 Milliarden Mark, und die Exporte fielen um 4,8 Prozent auf 4,3 Milliarden Mark. Die Umsaetze mit den Schwestergesellschaften seinen wegen ruecklaeufiger Nachfrage aus dem Ausland, aber auch wegen der Produktivitaetsverbesserungen in den Werken gesunken, hiess es aus Stuttgart.

Ihren Jahresfehlbetrag verfuenffacht hat die IBM England. Sie bilanzierte fuer 1992 bei einem um sechs Prozent niedrigeren Umsatz von 3,75 Milliarden britischen Pfund einen Verlust von 616 Millionen Pfund (1991: 124). Auch die franzoesische Niederlassung von Big Blue geht harten Zeiten entgegen. Der Praesident des Vorstandes, Claude Andreuza, kuendigte "vwd" zufolge fuer das gerade zu Ende gegangene Geschaeftsjahr den ersten Verlust in der Firmengeschichte der IBM France an. Beim Umsatz buessten die Franzosen sieben Prozent ein, sie kamen 1992 auf Einnahmen von 37 Milliarden Franc.

Besorgniserregend fuer die IBM Corp. duerfte neben den Schreckensnachrichten aus Europa vor allem sein, dass der im letzten Jahr um 5,8 Prozent auf 11,1 Milliarden Dollar gesteigene Software-Umsatz und die um 31,7 Prozent auf 7,35 Milliarden Dollar gekletterten Einnahmen aus dem Servicegeschaeft die geringeren Einnahmen aus dem Hardwareverkauf nur knapp wettmachen konnten. In diesem Bereich verloren die Armonker bei einem Umsatz von 33,75 Milliarden Dollar neun Prozent. Eigenen Angaben zufolge erzielte die IBM 48 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit Produkten, die nicht dem Hardwaresektor angehoeren.

Noch unguenstiger als das miserable Abschneiden der IBM im gesamten vergangenen Jahr bewerten Beobachter die Zukunftsaussichten, die aus den Ergebnissen des vierten Quartals herauszulesen sind. Neben dem Nettoverlust von 5,46 Milliarden Dollar (1991: 1,46) sticht der gegenueber dem Vorjahresquartal um elf Prozent geringere Umsatz von 19,56 Milliarden Dollar ins Auge. Die Hardwareverkaeufe gingen dabei um 20,1 Prozent auf 10,97 Milliarden Dollar am staerksten zurueck.

Der englische Branchendienst "Computergram" berichtete, dass nicht nur der Verkauf von Mainframes ruecklaeufig sei, sondern auch die Einnahmen aus dem AS/400-Bereich um mehr als zehn Prozent gesunken seien.

Nur bei den RISC-Rechnern verzeichnete die IBM Umsatzzuwachs. Obwohl der Absatz von PCs im letzten Quartal 1992 um 50 Prozent zugenommen hatte, sanken in diesem Bereich die Einnahmen ebenfalls.

Aber auch im Softwaregeschaeft, auf das die IBMer grosse Hoffnungen setzen, verringerte sich der Umsatz um zwei Prozent auf 3,19 Milliarden Dollar. Dagegen wuchs der Servicebereich um 17 Prozent auf 2,3 Millarden Dollar.

Waehrend das Leasinggeschaeft mit sieben Prozent ebenfalls ein ermutigendes Plus aufwies, stagnierten die Einnahmen aus dem Maintenance-Bereich im vierten Quartal 1992 bei 1,9 Milliarden Dollar.

Über die Aussichten fuer 1993 verlautete derzeit wenig aus der IBM-Zentrale in Armonk. "Schwierige Probleme habe Big Blue noch zu loesen, zitiert das "Wall Street Journal" ein Statement von Akers, der auf die inzwischen bekannten Schwierigkeiten seines Unternehmens angesichts des sich rapide veraendernden Computermarktes und die weltweit schlechte oekonomische Lage verwies.