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11.04.1986 - 

US-Börse: General Motors übernimmt wieder die Förderungsrolle:

Big Blue hat seine Trendsetterrolle eingebüßt

Der bekannteste US-Aktiendurchschnitt (Dow Jones Industrials) kletterte seit Ende September '85 von 1283 Punkten auf über 1800 Punkte. Dies entspricht einem Anstieg von 40 Prozent in einem halben Jahr. Wie lange kann diese Hausse noch weitergehen? Bedeuten die Rückschläge der dritten Märzwoche (viertstärkster Kursrückschlag während eines Tages in der Geschichte der Wall Street) den Anfang vom Ende, oder zeichnet sich lediglich der Beginn einer Korrekturphase nach den Übertreibungen im Kursanstieg ab?

Sonderfaktoren haben diesen scharfen Einbruch begünstigt. So fiel das Auslaufen von Optionsgeschäften auf Aktien, die Fälligkeit von Terminaktienindexgeschäften und Optionen auf diese Indices zusammen. Der Markt war technisch besonders anfällig und reagierte auf Gerüchte (steigender Ölpreis, Rücktritt des Notenbankpräsidenten in den USA) besonders hektisch. Diese unausrechenbaren kurzfristigen Schwankungen zeigen, daß die Wall Street-Hausse in einem reifen Stadium ist.

Die vergangene Woche brachte dann sofort wieder neue Indexrekorde. Dies könnte jedoch ebenfalls auf Sonderfaktoren zurückzuführen sein, da mit dem bevorstehenden Quartalsultimo die Neigung der institutionellen Anleger (Fonds), Kurse bewußt zu pflegen, um beim gesetzlich vorgeschriebenen Fonds-Bestandsausweis zum Quartalsende mit guten Zahlen glänzen zu können, eine wichtige Rolle gespielt haben könnte. Die Kursentwicklung der nächsten Tage wird hierüber Aufschluß geben.

Markt kurzfristig überreizt

Die technische Verfassung des Marktes ist - wenn auch kurzfristig etwas überreizt - insgesamt in Ordnung. Hieraus muß geschlossen werden, daß sich die Hausse in Wall Street fortsetzen wird, auch wenn eine Verschnaufpause immer notwendiger erscheint. Endgültig zu Ende ist die Aufwärtsbewegung erst, wenn sich deutliche Überhitzungserscheinungen auf breiter Front bemerkbar machen. Anzeichen hierfür wären etwa: Mehrfach Tagesumsätze über 200 Millionen Aktien an der New York Stock Exchange, Aufgelder im Terminaktienindex (Standard + Poor's Juni 86) von fünf Punkten oder mehr, sehr hohe Leerverkäufe der Mitglieder (über 85 Prozent), niedrige Leerverkäufe der Börsenlaien (unter ein Prozent) oder überwiegend optimistisch gestimmte Trader für den Terminaktienindex (mehr als 80 Prozent). Eine solche Konstellation würde ein zu großes Maß an Optimismus widerspiegeln. Folge davon wäre, daß potentielle Aktienkäufer weitestgehend investiert sind und neue für Käufe ausfallen, die Kurse könnten nicht mehr steigen.

Einige Indikatoren haben sich zwar verschlechtert (nur noch gut zehn Prozent der Börsenbriefe sind pessimistisch gestimmt), insgesamt spiegelt die Markttechnik aber noch genügend Pessimismus und Vorsicht wider, so daß man davon ausgehen darf, daß die Wall Street-Hausse weitergehen kann. Das immer wieder empfohlene Engagement im US-Aktienindex (Standard & Poor's 500) deshalb aufrecht erhalten. Auf diese Möglichkeit, sich ein Paket US-Aktien zu kaufen, wurde an dieser Stelle immer wieder hingewiesen. Vor allem vor dem Hintergrund der Dollarschwäche war dies monatelang die wirksamste Methode, in Wall Street Geld zu verdienen. Bei einem Kapitaleinsatz von lediglich 6000 Dollar konnte im Oktober der Standard & Poor's-Index Termin Juni 1986 zu Kursen unter 190 Punkten (S & P 500) erworben werden. Dies entsprach einer Eventualverbindlichkeit von 95 000 Dollar in US-Aktien.

Wegen des hohen Hebels am Eigenkapital ist bei diesen Geschäften größte Disziplin und ein knappes Stop Loss erforderlich. Heute steht der Standard & Poor's 500 bei 240 Punkten, ein Anstieg von 50 Zählern gleich 25 000 Dollar Kursgewinn auf ein eingesetztes Kapital von 6000 Dollar. Anleger, die ein geringeres Risiko wünschen, können Kaufoptionen auf den Aktienindex erwerben. Hier sollten allerdings die Optionen auf den Standard & Poor's 100 wegen des besseren Umsatzes vorgezogen werden. Nachteil: Diese Geschäfte können nur mit Hilfe einer US-Wertpapierbank (Broker) gemacht werden.

Ein Engagement lohnt sich noch immer. Auch die fundamentalen Faktoren sprechen für eine Fortsetzung der weltweiten Hausse. Der kräftige Zinssenkungstrend hat für ausreichend Liquidität gesorgt. Auch wenn sich die Zinsen langfristiger Anleihen in den USA in den vergangenen Monaten um fast vier Prozent zurückgebildet haben, ist ein weiteres Absinken des Zinsniveaus mittelfristig wahrscheinlich. Andere Märkte (Frankreich, Großbritannien, Australien) haben jedoch noch mehr Rückenwind als Wall Street.

Positiv sollte sich auch das Verbleiben von US-Notenbankpräsident Paul Volcker im Amt auswirken. Volcker ist der Mann, dem es gelang, die Inflation der 70er Jahre in den Griff zu bekommen. Seine Politik konsequenter Geldmengensteuerung wurde zwar wegen der unbefriedigenden Konjunkturentwicklung in den vergangenen Monaten lockerer gehandhabt, dennoch konnte sich Volcker mit seiner Forderung nach einem Mittelweg zwischen ausreichender Geldversorgung der Märkte und genügender Disziplin bei der Geldmengenvermehrung durchsetzen. Erst in jüngster Zeit wurde seine Position durch das Vorpreschen des Vize Preston Martin geschwächt. Dessen Rücktritt hat Volckers Position erheblich gestärkt. Mit Volcker an der Spitze sollte ein Fortschreiten auf dem schmalen Pfad zwischen notwendiger Geldmengenversorgung (notwendig wegen der schlechten Entwicklung der Konjunktur und der schwelenden Bankenkrise) und ausreichender Geldwertstabilität möglich sein.

Dollar-Rückgang ist noch nicht beendet

Wesentlicher fundamentaler Beeinflussungsfaktor für die US-Börsen war neben dem Zins die Entwicklung des US-Dollars. Trotz der jüngsten Dollarerholung bleiben wir dabei: Der Dollarrückgang ist noch nicht beendet. Zwar wird sich die US-Währung mittelfristig über zwei DM halten können. Eine kurzfristige Übertreibungsphase nach unten, ähnlich dem scharfen Anstieg von 2,80 DM auf knapp 3,50 DM 1984/85 steht jedoch noch bevor. Der eigentliche Dollarausverkauf hat noch nicht begonnen, die Bereitschaft, an den Dollar zu glauben und an seinen Dollarengagements festzuhalten, ist bei den Anlegern immer noch sehr hoch. Während es für die US-Notenbank leicht machbar war, den Dollaranstieg durch Dollarverkäufe zu bremsen (eine unbegrenzte Menge Dollars steht zur Verfügung), dürfte es sehr viel schwieriger sein, einen weiteren scharfen Dollarkursverfall durch Käufe von Yen, DM, Schweizer Franken und Pfund aufzufangen. Von diesen Währungen hat die US-Notenbank nur beschränkte Mengen zur Verfügung.

Die negativen Folgen des Ölpreisrückgangs für den US-Dollar werden von den meisten Marktbeobachtern noch nicht zur Kenntnis genommen. Ein weiterer Rückgang des Ölpreises nach der technischen Reaktion ist wahrscheinlich. Ein Einpendeln um die zwölf Dollar auf Dauer sollte möglich sein. Direkt leidet die US-Währung in zweifacher Hinsicht: Erstens bindet der niedrige, in Dollar berechnete Ölpreis weniger Währungseinheiten für die gleiche Menge gehandelten Öls. Dollars werden zum Verkauf frei. Zweitens sind die ölproduzierenden Länder gezwungen, in Zeiten guter Erträge häufig in Dollar oder dollarnotierenden Anlageinstrumenten gebildete Reserven anzugreifen. Dies bedeutet Dollarverkauf.

Die Handelsbilanzen der wichtigsten US-Handelspartner werden durch den Ölpreisrückgang deutlich stärker entlastet. Die USA fördern 70 Prozent ihres Ölbedarfs im eigenen Lande, ein Anteil, der von keinem der Partner auch nur annähernd erreicht wird. Lediglich die verbleibenden 30 Prozent importierten Öls entlasten die US-Handelsbilanz relativ, und die Entlastung für die Partner ist ungleich höher. Zumindest unter diesem Gesichtspunkt wird sich die US-Handelsbilanz weiter schlechter entwickeln als die der europäischen Partner und die Japans. Ein weiterer Belastungsfaktor für den Dollar. Fazit:

Kurzfristig keine Gefahr für den Dollar. Die Stabilisierung zwischen 2,20 und 2,40 Mark kann noch anhalten. Mittelfristig steht noch ein weiterer deutlicher Dollarrückgang bevor. Dollarbestände deshalb in die Erholung hinein abbauen. Bei Engagements am US-Aktienmarkt entweder auf den Aktienindex oder das Hebelinstrument Kaufoptionen setzen. Bei direktem Engagement in US-Aktien Dollarbestände absichern.

IBM blieb hinter dem Index

Nachdem IBM monatelang Vorreiter des Kursaufschwungs unter den Standardwerten gewesen ist, blieb Big Blue während der letzten Wochen hinter dem Index zurück. Statt dessen übernahm der traditionelle Trendsetter General Motors wieder die Führungsrolle unter den Standardwerten. Die Rücknahme der Gewinnschätzungen 1986 durch die US-Brokerhäuser für IBM auf zum Teil unter zwölf Dollar pro Aktie ist eine Ursache für die relative Schwäche des DV-Marktführers. Ausgelöst wurde die Korrektur der Gewinnschätzung durch Preissenkungen. Darin muß jedoch auch eine altbewährte IBM-Marktstrategie gesehen werden. Unter Hinnahme kurzfristiger Ertragseinbußen hat IBM in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Konkurrenten durch Preisdruck in Schwierigkeiten zu bringen versucht.

Zusätzlich verunsichert haben Kooperationsbestrebungen der Konkurrenten. Die Vernetzungsmöglichkeiten gehen heute weit über örtlich zusammenhängende Organisationseinheiten hinaus. Die Kombination von Telekommunikationstechnik und Datenverarbeitung wird einer der zentralen Schlüssel zum Markterfolg sein. Hier haben Konkurrenten von IBM zum Gegenangriff angesetzt. Die besondere Wertung, die unter diesem Gesichtspunkt der Zusammenarbeit von GTE und Siemens zu widmen ist, wurde im Börsenspot vor vier Wochen erläutert

IBM ist jedoch gut gerüstet. Das IBM-Netzwerk SNA hat sich dank der beherrschenden Marktstellung bei den Mainframes eine Position erobert, die Versuche, eigenständige, nichtkompatible Gegengewichte zu installieren, schwierig macht. Deshalb gilt einmal mehr: An IBM führt kein Weg vorbei, oder, wie es das Manager-Magazin in seiner neuesten Titelstory benennt: Wer die Netze beherrscht, wird Sieger. IBM ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf (bei 12,5 Dollar Gewinnschätzung pro Aktie) preiswert. Als Daueranlage weiterhin interessant, Kursrückschläge sollten zum Einstieg benutzt werden. Bestehende Positionen laufenlassen. Dollarabsicherung nicht vergessen.

IBM Vs Japan, ein Buch von Robert Sobel, Verlag Stein and Day, 18,95 Dollar, wird im Barron's (wichtigstes US-Investor-Magazin) vom 24. 3. als interessante Lektüre besprochen. Die Herausforderung der japanischen Konkurrenz behandelt am Erfolg IBMs in Japan, der trotz erheblichem Protektionismus andauert, ist Thema dieses Buches.

Während IBM seit Anfang Januar dem Markt hinterherhinkt, konnte sich Digital Equipment in der gleichen Zeit um in der Spitze beinahe 30 Prozent verbessern. Bei einem geschätzten Gewinn von gut acht Dollar pro Aktie für 1986 und einen Kurs von 156 Dollar (nach 172 Dollar in der Spitze) ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 20. Hier wird deutlich, wieviel Optimismus für die zukünftige Gewinnentwicklung bei den Käufern der Aktie herrscht.

DEC-Aktieneinführung steht bevor

Bei knapp 140 Dollar überwand die Notiz einen charttechnischen Widerstand aus dem Jahre 1983 und konnte sich danach sprunghaft verbessern. Die zur Zeit anstehende Korrektur sollte diese Marke als Unterstützungszone nicht durchbrechen. Bei DEC steht ein Aktiensplit im Verhältnis 2:1 an. Die neuen Aktien werden am 9. Mai 1986 mit Börsenstichtag 18. April 1986 zugewiesen. Die Einführung der DEC-Aktie in den amtlichen Handel in Frankfurt, München und Berlin steht bevor. Argumente für DEC liefert das für alle Maschinen gleichartige Betriebssystem, das auf dem Ethernet-Netzwerk als Standard fungiert.

Die Notwendigkeit problemloser Systemverbindungen durch Netzwerke wächst mit dem zunehmenden Wunsch nach Dezentralisierung und dem Einsatz des Personal Computers. Mit knapp 160 Dollar scheint die Optimismusprämie für DEC kurzfristig allerdings zu hoch. Mit Käufen kann bei Kursen von 150 Dollar vorsichtig begonnen werden.

Empfehlung: United Technologies (53 Dollar) kletterte auf 53 Dollar. United Technologies dürfte weiterhin eine der interessantesten US-Technologiewerte bleiben. Das Unternehmen ging aus United Aircraft hervor. Die bekanntesten Produkte des Konglomerats sind heute Pratt und Whitney Triebwerke, Otis Aufzüge, Carrier Airconditioning, Sikorsky Hubschrauber und seit der neuesten Übernahme zusammen mit Fiat Westland Helicopter (GB). Der Halbleiterhersteller Mostek wurde zusammen mit Telekommunikationsbeteiligungen an die Thomson-Gruppe in Frankreich verkauft. Zusätzliche Mittel kamen durch den Verkauf von Inmont, dem weltgrößten Hersteller von Farben und Lacken, an BASF in die Kasse. Neue Investition richtet sich auf die Raumfahrtausrüstung. Hier bietet UTX bisher Raumfahrtanzüge und Nachzünder an.

Insbesondere im Triebwerksbereich (Pratt und Whitney) sollen neue Märkte erschlossen werden. Potente Konkurrenz bewirbt sich hier in Form von General Electric und Rockwell. United Technologies können weiter gehalten werden. Neuengagements jetzt bei Rückschlägen unter 50 Dollar eingehen.

Unter den Halbleiterherstellern weiter besonders aussichtsreich bleibt Motorola (44,5 Dollar). Sollte der charttechnische Widerstand bei knapp 46 Dollar durchbrochen werden, sind Käufe empfehlenswert. Umsatz und Umsatzrentabilität konnten gesteigert werden. Motorola konnte sich in diesen Kennzahlen und auch im Aktienkurs besser als der Branchendurchschnitt entwickeln. US-Broker Dean Witter Reynolds hat die Gewinnschätzung pro Aktie für 1986 auf 1,40 Dollar erhöht. Nach der überdeutlichen Korrektur bei den Halbleiteraktien (Motorola hat sich seit 1983 beinahe halbiert) kann damit gerechnet werden, daß während der bevorstehenden Periode verbesserter fundamentaler Daten (moderates Wirtschaftswachstum ausgelöst durch Ölpreisrückgang) die Aktien der Halbleiterhersteller entsprechend aggresiv gekauft werden. Innerhalb der Gruppe erscheinen neben japanischen Herstellern (die allerdings durch den Yen-Anstieg beziehungsweise den Dollarrückgang zur Zeit tendenziell benachteiligt sind) vor allem Motorola, Avnet und Perkin-Elmer aussichtsreich.

Bei Cullinet noch warten

Cullinet Software hat sein Management umgekrempelt. David Chapman, der 22 Jahre für IBM und danach für Data General tätig war, hat als Softwaremanager die Stelle von Bob Goldman übernommen. Mittelfristig sollte dieser Tausch eines Finanzexperten gegen einen Softwarefachmann positive Wirkung haben. Inwieweit die Börse bereit ist, schon heute Hoffnungspreise zu bezahlen, ist schwer einzuschätzen. Für ein Engagement scheint es jedoch noch zu früh. Die Aktie hat nach mehr als Kurshalbierung (in der Spitze gut 31 Dollar, jetzt im Tief gut zwölf Dollar) noch keinen Boden gefunden. Mit Käufen warten.

Communications Satellite vermeldet für 1985 einen Nettoverlust von 41,5 Millionen Dollar. Der Kurs fiel daraufhin von knapp 40 und 35 Dollar zurück. Hier hat die Aktie eine charttechnische Unterstützungslinie, die nicht durchbrochen werden darf. Nach 51,2 Millionen Dollar Gewinn im Vorjahr waren Sonderrückstellungen und die Aufgabe von Geschäftsbereichen, die das Ergebnis im vierten Quartal auf 36,2 Millionen Dollar Nettoverlust (gegenüber 14,3 Millionen Dollar Gewinn im vierten Quartal 1984) drückten, ausschlaggebend. Die stärkste Anfechtung für Consat in den vergangenen Jahren war die Aufgliederung des Kolosses AT&T.

Ruf der Bell Laboratorien ist angekratzt

Erhöhter Konkurrenzdruck der traditionellen Telefonnetze untereinander (The Bell Companies) hat die von Comsat angebotene Alternative der Telekommunikation via Satellit, die sogar von führenden DV-Unternehmen wie IBM für die innerbetriebliche Kommunikation in Anspruch genommen worden war, weniger attraktiv gemacht. Dennoch bleiben die Aussichten für Comsat positiv. Die nachhaltige Beschneidung der Aktivitäten im Bereich TVRO (Television Receive Only) und die Konzentration auf Intelsat und Inmarsat sollte das Ergebnis in Zukunft verbessern helfen.

AT&T (American Telephone and Telegraph) blieb hinter der Marktentwicklung zurück (22 Dollar). Für das laufende Geschäftsjahr wird nur noch ein Gewinn von 1,5 Dollar pro Aktie geschätzt. Ob 1987 die von vielen Analysten erwarteten zwei Dollar pro Aktie verdient werden können, ist zweifelhaft. Enttäuschend verlief vor allem die Entwicklung im Laborbereich, der gute alte Ruf der Bell Laboratories ist jetzt angekratzt. Der Vertrag mit Communications Workers of America wurde vorzeitig zum 31. Mai gekündigt. Die Computer Division von AT&T rutschte in die roten Zahlen. Die Aktie hält sich dennoch wegen der guten Dividendenrendite von 5,3 Prozent. Daran wird sich zunächst kaum etwas ändern.

Wie wird sich Control Data weiterentwickeln? Das Unternehmen war im 4. Quartal 1985 dem Zusammenbruch nahe. Ende 1986 sind wiederum kurzfristige Verbindlichkeiten in Höhe von 83 Millionen Dollar fällig. Ob die Atempause durch die Prolongation der Schulden bis Ende des Jahres, die CD gegeben wird, ausreicht, bleibt abzuwarten. Auch für das erste Quartal 86 kann davon ausgegangen werden, daß ein Verlust von 0,6 bis 0,8 Dollar pro Aktie erwirtschaftet wird. Selbst unter optimistischsten Einschätzungen kann kaum von einem Gewinn für das Gesamtjahr ausgegangen werden. Selbst Schätzungen von 50 Cents Gewinn scheinen zu optimistisch; Annahmen von einem Dollar Gewinn pro Aktie für das laufende Geschäftsjahr, wie das Brokerhaus E. F. Hutton mögliche Gewinnerwartungen benennt, sind unrealistisch. Control Data ist Zukunft.

Die Hausse in Frankreich setzt sich fort

Die Hausse in Frankreich setzt sich fort. Machines Bull weist erstmals seit 1980 wieder einen - wenn auch kleinen - Gewinn aus. 1982 stand das Unternehmen am Rande des finanziellen Zusammenbruchs. Die Ertragslage konnte durch eine deutliche Zunahme der Produktivität bei gleichzeitigem Abbau der Finanzkosten erheblich verbessert werden. Nach IBM belegte Bull 1985 in der Umsatzrangliste für Kleincomputer in Frankreich den zweiten Platz. Der Staat, der 90 Prozent des Aktienkapitals besitzt, führte in den vergangenen drei Jahren 2,7 Milliarden Franc-Mittel in den Betrieb ein. Hieraus erklärt sich der Abbau der Finanzierungskosten trotz der Verluste von insgesamt 2,4 Milliarden Mark in den vergangenen drei Jahren.

Siemens: 85er Ausschüttung mehr als mager

1986 sind Kapitalzuschüsse von einer Milliarde Franc vorgesehen. Das Investitionsvolumen soll 1,5 Milliarden Franc betragen. Der Auslandsanteil soll erhöht werden. Dazu wird die Kompatibilität der eigenen Geräte mit fremden DV-Systemen verbessert werden. Bull erscheint besonders unter dem Gesichtspunkt der bevorstehenden Teilreprivatisierung interessant.

An den anderen empfohlenen Werten der französischen Werte sollte festgehalten werden. Dies gilt sowohl für CSF Thomson als auch für Peugeot und die empfohlenen Konsumtitel.

Besonderes Interesse verdient der japanische Aktienmarkt. Die Skepsis gegenüber japanischen High-Technologiewerten erreichte Anfang März einen Höhepunkt. Gründe für die Zurückhaltung lagen und liegen in der vorhandenen Protektionismusgefahr im Welthandel. Die Stärke des Yen tat ein übriges. Die Dollarstabilisierung eröffnet jedoch kurzfristig neue Chancen. Matsushita Electric, die einen Exportanteil von knapp 70 Prozent besitzt, Pioneer, Sharp und Toshiba sind kurzfristig aussichtsreiche Tradingchancen.

Der deutsche Aktienmarkt bietet weiterhin kein einheitliches Bild. Insbesondere im Bereich der Technologiewerte ist es zur Zeit schwierig, Neuempfehlungen auszusprechen. Neuemission Vogt Electronic kann - sofern Zuteilung erfolgte - gehalten werden. Bei Siemens scheint die Enttäuschung über den rückläufigen KWU-Geschäftsgang und die aufgezeigte Möglichkeit einer Dividendensenkung 1987 noch nicht ganz verdaut zu sein. Die Möglichkeit einer Dividendenkürzung sollte jedoch nicht allzu ernst genommen werden. Die Ausschüttung für das Geschäftsjahr 1985 ist, gemessen am erwirtschafteten Ertrag, mehr als mager. KWU darf als Rechtfertigung denkbare Ertragsminderung keine Rolle spielen. Nicht nur Insidern war frühzeitig bekannt, daß das 85er Ergebnis der Kernkrafttochter durch Abrechnungsmodalitäten positiv verzerrt sein würde. Sollte es bei Ertragsrückgängen zu einer Dividendenkürzung kommen, müßte dies bei einem Unternehmen, das 20 (!) Milliarden Mark Liquidität besitzt, zu erheblichen Protesten führen. So sinnvoll ist es, während Zeiten guter Gewinne Reserven zu bilden, so töricht ist es, auf Dauer die Kapitalgeber zu vergrätzen. Wer glaubt, trotz überreicher Reserven die Aktionäre stiefmütterlich behandeln zu können, muß sich als Unternehmen auf eine zumindest lästige, wenn nicht heftige Opposition auf der Hauptversammlung gefaßt machen.

Nixdorf: Bei Rückschlag unter 580 Mark verkaufen

Nixdorf probt den Ausbruch über die charttechnisch wichtige 600-DM-Marke. Übernahmegerüchte trieben den Kurs auf in der Spitze 640 Mark hoch. Investitionsratschläge bezüglich der Nixdorf-Aktie zu geben, ist wegen der heftigen Schwankungen nach dem Tod des Unternehmensgründers schwierig. Nachdem die Aktie über die charttechnische Widerstandslinie von 600 Mark ausgebrochen ist und sich zunächst darüber gehalten hat, kann auf diesem Niveau gekauft werden. Unbedingt beachtet werden sollte jedoch der gleitende 200-Tages-Durchschnitt bei 580 Mark. Ein Rückschlag unterhalb dieser Unterstützung ist ein Verkaufssignal. Nixdorf ist wegen der hohen fundamentalen Bewertung (Kurs-Gewinn-Verhältnis über 25) eine reine Übernahmespekulation und nur in kleinem Depotanteil kaufenswert.