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23.08.1991 - 

Perspektiven für IBMs36-Anwender, Teil 1

Big Blue lockt - aber es muß nicht immer eine AS/400 sein

Bei seinen Midrange-Kunden hatte Big Blue lange Zeit einen großen Stein im Brett. Trotzdem gelingt es dem Hersteller kaum, sie von den Vorzügen der /3x-Nachfolgemaschine AS/400 zu überzeugen. Im ersten Teil seines Beitrags zeigt Erich Müller*, daß die Anwender guten Grund haben, sich den Umstieg auf diesen Rechner zurückzuhalten. Im zweiten Teil widmet er sich dann den Alternativen zu dem von der IBM empfohlenen Migrationspfad.

Nichts ist leichter als der Umstieg von der /3x-Welt auf die AS/400. Das versprechen die Hochglanzprospekte der IBM, die nur noch von den Überredungskünsten der VBs und Vertriebspartner an Brillanz übertroffen werden. Hat der Anwender sich dann zur Anschaffung des Systems entschlossen, gibt es keinen Weg zurück. Die Anschaffung ist getätigt, und der Betrieb muß weiterlaufen.

"Fahren Sie die AS/400 zunächst im /36-Modus" und stellen Sie dann innerhalb eines Jahres schrittweise in den Native-Modus um. So oder ähnlich lauten die Empfehlungen der IBM-VBs, und die gesprächsweise Ausschmückung dieses Kernsatzes läßt keinen Zweifel daran, daß der "native mode" das erklärtes Ziel des Umstiegs zu sein hat. Nur im native mode, so IBM-O-Ton, ist das System AS/400 optimal zu nutzen.

Die AS/400 ist zweifellos eine hervorragende /38. Der Weg zur /38 stand den /36-Anwendern von jeher offen - wenn auch um den Preis der Umstellung auf ein völlig anderes Betriebssystem in einer Datenbankarchitektur. Beschritten wurde dieser Weg daher nur von Anwendern, denen die Kapazität der 136 absolut nicht mehr ausreichte.

Drei Gründe für den Umstieg?

Warum soll der Anwender auf seine VBs hören und aus "strategischen" Gründen auf eine /38 umsteigen, nur weil dieser Rechner gerade mit /36-Emulation angeboten wird, die Leistung der /36 aber eigentlich ausreicht? Warum soll er sich eine komplexe Datenbankmaschine anschaffen, wenn er doch die Dateien auf der /36 so herrlich im Griff hat; warum die dreifache Plattenkapazität strapazieren, nur weil das gefräßige Betriebssystem es verlangt? Folgende Gründe sprechen für eine Umstellung:

1. Das Firmenwachstum erfordert eine erhöhte DV-Kapazität, die erstmals nach einer Datenbank verlangt.

2. Das Unternehmen baut auf Innovation und ordert daher stets die aktuellsten Produkte.

3. Die DV-Entscheider orientieren sich an den IBM-Vorgaben.

Hat der Anwender nun - aus welchen Gründen auch immer - eine AS/400 angeschafft, ahnt er rasch, warum zwar die Werbeaussagen für den Rechner, nicht aber jene für die /36-Umgebung, die darauf laufen soll, auf Hochglanzpapier gedruckt wurden. Die AS/400 ist eine Datenbankmaschine, die /36 dagegen ein System mit festen Dateigrößen und Satzlängen - zwei Rechnerarchitekturen, die so verschieden sind wie ein Busbahnhof und ein Großflughafen.

Noch vor wenigen Jahren galten die Welten /36 und /38 als völlig inkompatibel. Wenn es den IBM-Systemprogrammierern gelungen ist, /36-Anwendungen auf einer /38 laufen zu lassen, ist das bestimmt eine bemerkenswerte Leistung. Sie hat allerdings den Charakter einer Vergewaltigung. Hier wird eine Datenbankarchitektur in den Dateimodus gezwungen. Diese Methode mag zeitgemäß erscheinen, sicher aber ist es teurer und umständlicher. Um annähernd die gewohnte Leistung zu bekommen, muß der Anwender mindestens dreimal mehr Geld ausgeben, wie beim Kauf seiner /36.

Ein Beispiel für den Performance-Verlust beim Umstieg sind RPG-Programme mit Matching-Record-Verarbeitung (MR) - eine Kodiertechnik, die der /34- und /36-Rechenkonzeption sehr entgegenkommt und daher auch weit verbreitet ist. Auf der AS/400 sind die verwickeltsten Techniken nötig, um die MR zu simulieren; man braucht dabei so lange, daß der frisch gebackene AS/400- Operator zunächst an Bedienerfehler denkt.

Auf IBM-Veranstaltungen heißt es zu diesem Thema: "Sie müssen doch zugeben, daß es schon längst an der Zeit war, Ihre alten Programme durch neue ersetzen." Wer hat da schon den Mut aufzustehen und zu erwidern: "Was ist an einem Programm schlecht, das seit zehn Jahren mehrmals täglich läuft und nach unseren Vorausplanungen auch in den nächsten Jahren so bleiben kann?"

DFU- und WSU-Programme sind als "nichtkonvertierbar" zu betrachten und müssen daher neu geschrieben werden. Dafür stehen aber für 20 000 bis 60 000 Mark auf der AS/400 leistungsfähige Programmgeneratoren zur Verfügung, die eine völlige Neukonzeption der Software ermöglichen. Fragt sich allerdings, ob die Umstellung Oberhaupt oder zu diesem Zeitpunkt nötig ist.

Solche Fragen kümmern die IBM wenig. Doch zumindest in den USA geht die Rechnung mit den /36-Umsteigern nicht auf, was sich deutlich in den schlechten AS/400-Absätzen widerspiegelt. Daß die Situation in Deutschland sich anders darstellt, liegt mit Sicherheit an der momentanen wirtschaftlichen Situation, die im Gegensatz zur Weltökonomie ausgesprochen gut aussieht.

Wer im Vertrauen auf seine /36-Erfahrung auf eine Schulung verzichtet, wird sehr schnell feststellen, daß so einfache Befehle wie RESTLIBR nicht funktionieren. Das komfortable Arbeiten mit Pop muß man sich auch abschminken. Es fehlt weltweit nicht an Versuchen, AS/POP nachzuempfinden, aber was angeboten wird, stellt keinen /36-Anwender zufrieden.

Gewöhnungsbedürftig ist auch, daß Bibliotheken Objekte heißen und Quellen irgendwo im AS-Dschungel abgelegt sind. Weiter Problemfelder liegen beim Disketten-Handling und bei Spool-Operationen.

Der mittlere /36-Anwender (fünf bis 20 Bildschirme) hat meines Erachtens von der Umstellung auf die AS/400 keinen Vorteil. Dort, wo bisher der Buchhalter oder der Junior-Chef auf der /36 das Operating so nebenbei miterledigte, muß jetzt ein Operator eingestellt werden. Kurz: Die AS/400 ist für viele /36-Anwender die falsche Maschine, weil sie mehr Leistung bringt, als die meisten brauchen, und dadurch in der Handhabung zu umständlich und in der Anschaffung zu teuer wird.

Der Umstieg von einem System /36 auf die AS/400 ist der Schritt in eine Rechnerwelt mit einem anderen Betriebssystem. Die Möglichkeit, die bisherigen Anwendungen 1 zu 1 auch auf dem neuen Rechner laufen zu lassen, stellt zwar eine Hilfestellung dar; wer seine DV jedoch wirtschaftlich betreiben möchte, für den kommt nur der native mode der AS/400 in Frage.

In diesem Falle muß sich der Systemoperator beziehungsweise der Programmierer mit einem völlig neuen Betriebssystem vertraut machen. So gesehen liegt der Zeit. und Kostenaufwand für den AS/400-Einstieg letzten Endes genauso hoch, wie wenn man sich neben das System /36 den Midrange-Rechner eines anderen Herstellers stellt.

Trotzdem empfiehlt sich der Umstieg auf den IBM-Rechner für all jene, die nicht mehr warten können, weil die /36 ihre Kapazitätsgrenze überschritten hat und die Datenspeicher überlaufen. Liegt der Bedarf an Plattenspeicher jedoch weit unter einem GB und liefert das System mit einer Hauptspeicherkapazität von drei MB ausreichende Antwort- und Durchsatzzeiten, so gibt es keinen Grund, sich mit einer kostspieligen Datenbankmaschine abzugeben.

Angesichts der hohen Verkaufszahlen drängt sich die Frage auf, warum IBM nicht statt der /38 und AS/400 einfach ein größeres und leistungsfähigeres System /36 auf den Markt gebracht hat. Die Antwort darauf hat unlängst ein amerikanischer Fachjournalist gegeben. Der Kernsatz lautet: "Dem System /36-SSP geht die Luft aus."

Mit dieser Aussage spielt der Autor darauf an, daß das System auf einem 8-Bit-Betriebssystem basiert. Die logische Grenze für die Hauptspeicherverwaltung des Systems /36 liegt bei acht MB, wobei es unergründlich bleibt, warum IBM vorsichtshalber nur sieben MB zur Verfügung stellt. Auch kann das Betriebssystem nur 1,4 GB Plattenkapazität verwalten.

Den Betriebssystem-Programmierern der IBM gilt unsere uneingeschränkte Bewunderung, weil es ihnen gelungen ist, auf einer derartigen Grundlage ein so komfortables System zur Verfügung zu stellen. Aber an eine Erweiterung der /36 ist leider in keinem Falle zu denken. Doch gibt es für die /36-Anwender eine Reihe von Alternativen fernab der IBM.