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30.08.1991 - 

Perspektiven für IBMs36-Anwender, Teil 2

Big Blue lockt - aber es muß nicht immer eine AS/400 sein

Bei seinen Midrange-Kunden hatte Big Blue lange Zeit einen großen Stein im Brett. Trotzdem gelingt es dem Hersteller kaum, mittlere Anwender von den Vorzügen der /3x-Nachfolgemaschine AS/400 zu überzeugen. Im ersten Teil hat Erich Müller* gezeigt, daß die Anwender guten Grund haben, sich beim Umstieg auf diesen Rechner zurückzuhalten. Nun widmet er sich den Alternativen zu dem von der IBM empfohlenen Migrationspfad.

Anwender, denen die Leistung ihres /36-Rechners nicht mehr ausreicht, sind keineswegs gezwungen, den von der IBM empfohlenen Weg zur AS/400 zu beschreiten. Ebensowenig brauchen sie auf die vertraute Umgebung zu verzichten, deren Vorzüge sie kennen.

Die legendäre Hardwarequalität der IBM-Rechner gilt in besonderem Maße für das System/36. Für Anwender, die eine Gebrauchtmaschine nicht als Image-schädigend empfinden, ist die Aufrüstung mit Platten und Hauptspeichereinschüben vom Gebrauchtwarenmarkt daher eine preiswerte und einfache Lösung.

Eine weitere Möglichkeit bieten IBM-Werkzeuge wie APPC. Mit ihrer Hilfe lassen sich zwei oder mehrere Systeme/36 miteinander verbinden. Eine Aufrüstung oder ein zusätzliches System/36 bringt Sie mit Sicherheit ohne größere Investitionen über die nächsten fünf Jahre.

Will man die komfortablen Funktionen der eleganten Bedieneroberfläche des Systems/36 beibehalten und hardwaremäßig wachsen, ohne sich eine AS/400 ins Haus zu holen, dann bleiben zwei Möglichkeiten:

- eine kombinierte Anwendung von System/36 und PC-Netzwerk

- ein reines PC-Netzwerk unter "Baby/36".

Die Technik der sogenannten Gateway-Rechner macht es möglich, neben dem IBM-Token-Ring ein gängiges PC-Netz an die /36 anzuschließen. Dabei können die Dateien des Midrange-Rechners auch im Netzwerk benutzt werden. Wahlweise sind die angeschlossenen PCs auch als reine Bildschirmstationen zu benutzen. Dieses Konzept sieht vor, daß bei rechnerintensiven Vorgängen der jeweilige Benutzer im Einzelfall oder auch Prozedur-gesteuert, Dateien von der /36 ins PC-Netzwerk transferiert, seine Jobs auf dem PC beziehungsweise im Netz ablaufen läßt und das Ergebnis an das System/36 zurückschickt.

Textverarbeitung und Tabellenkalkulation sind typische Anwendungen für eine derartige Konstellation. Sie entlastet das System/36 und eröffnet zudem die Möglichkeit, eine große Anzahl von Benutzern zusätzlich einzubinden. Allerdings erfordert dieses Verfahren organisatorischen Aufwand bei der Konfiguration, schont aber das Budget der Firma, weil nur gerade soviel PCs gekauft werden müssen, wie augenblicklich notwendig sind.

Eine weitere Möglichkeit zum Ausbau der bisherigen DV-Umgebung eröffnet die "Baby/36"-Software von California Software. Anstelle des MDT-Rechners wird ein PC-Netzwerk aufgebaut, wobei das Softwarepaket so ausgelegt ist, daß es das /36-Betriebssystem auf dem PC-Netzwerk emuliert.

PC-Netze bei korrekter Installation sehr robust

PC-Netzwerke sind in den letzten Jahren wesentlich sicherer geworden und stehen bei korrekter Installation der Robustheit des Systems/36 in nichts nach. Außerdem bedeutet die Entscheidung für PCs einen Schritt in Richtung offenes System, weil der Anwender alle dort angebotenen Standardanwendungen nutzen kann.

Hinzu kommt, daß der Umgang mit dem MS-DOS-Betriebssystem immer mehr zum Allgemeinwissen gehört, das nicht mehr extra durch Kurse vermittelt werden muß. Im übrigen räumt die Fachwelt für die Zukunft dezentralen Lösungen mit der Erbringung der Rechnerleistung vor Ort gegenüber zentralen Systemen die weitaus größeren Chancen ein. Es lohnt sich also, sich mit einer Netzwerklösung zu befassen.

Einige Anbieter haben das Marktpotential der über mehr als 250 000 /36-Anwender erkannt und bieten all jenen unter ihnen, die nicht bereit sind, auf den AS/400-Zug aufzuspringen, diverse Alternativen an. Als erstes möchten wir die kombinierte Hard- und Softwarelösung "Vista/36" von Datapoint Deutschland, Frankfurt, nennen. Dieses Konzept läßt sich als eine Mischung aus einer zentralen und dezentralen Lösung ansehen. Es emuliert das /36-Betriebssystem auf RMS-Rechnern unter Zuhilfenahme des altbewährten Netzwerkkonzeptes "Datalan". RPG-II-Programme, Sorts und OCL werden übernommen.

Datalan gilt nach wie vor als Geheimtip und spielt in seiner neuesten Version mit einer Transferrate von 25 Mbit/s eine bedeutende Rolle. Die Rechner der Vista/36-Familie sind mit 486er Intel-Prozessoren bestückt. Außerdem ist es in der ersten Ausbaustufe ohne weiteres möglich, 256 Bildschirmstationen an einem Zentralrechner zu betreiben. Die Antwortzeiten im Dialog sind besser, als die auf einem mäßig belasteten System/36.

Der Einstieg in die Unix-Welt bietet sich an

Das Betriebssystem RMS ermöglicht die gemeinsame Verwaltung mehrerer verschiedener Platten unter einem gemeinsamen Adreßraum. Ferner ist es möglich, den Hauptspeicher der Zentraleinheit (16 MB) für Batchjobs einzusetzen. So kann man unter Vista/36 die Belastung zwischen Netzwerk-Workstation und Zentraleinheit nochmals aufteilen. Darüber hinaus können die Anwender über ein DOS-Fenster auf PC-Software zugreifen.

Anwendern, die auf Wachstum setzen und die Bereitschaft mitbringen, das Betriebssystem zu wechseln, bietet sich der Einstieg in die Unix-Welt an. Wie beim Umstieg auf die AS/400 muß zwar ein neues Betriebssystem erlernt werden, doch mit einigen Hilfsmitteln lassen sich beim Hardware-Erwerb enorme Summen einsparen. Entsprechende Produkte sind "Sipra" von Siemens-Nixdorf, "Ramp" von Unisys sowie "System/36 VAX-Ination" von Digital Equipment.

Kaum ein Anwender ohne einen Platten-Crash

Alle drei Hersteller haben die Situation der /36-Anwender erkannt und bieten das an, wovor die IBM sich drückt: /36-Komfort auf moderner Hardware im Dateimodus. Der Plattenbedarf gegenüber der /36 bleibt bei allen drei Systemen ähnlich aufwendig wie bei der AS/400. Dafür sind allerdings die Plattensysteme wesentlich kostengünstiger.

Plattenlaufwerke haben relativ viele mechanische und damit ausfallträchtige Teile. Gerüchten zufolge soll es auch kaum einen AS/400-Anwender geben, der nicht schon einen Platten-Crash erlebt hat. Glücklich kann sich also der Anwender schätzen, der sich nicht mit unnötigen Plattenkapazitäten plagen muß.

Sipra ist das bewährteste Produkt, das in Deutschland angeboten wird. Die Anlaufschwierigkeiten sind überwunden, und nach 100 erfolgreichen Installationen kann es inzwischen auch über Vertriebspartner vermarktet werden. Ein beträchtlicher Teil der Kunden kommt laut Siemens-Nixdorf aus den neuen Bundesländern, wo besonders genau auf den Preis geachtet werde. Auf der Hardwareseite müssen sie für eine 16-MB-CPU mit einer 760-MB-Festplatte etwa 60 000 Mark aufwenden.

Etwas jüngeren Datums ist das Produkt Ramp von Unisys. Der Name deutete darauf hin, daß die /36-Anwendungen über eine Art Rampe auf einen Unisys-Rechner gebracht werden. Ein Vorteil dieser Lösung ist, daß Bildschirmstationen beibehalten werden können, da die Unisys-Maschinen mit einem Twinax-Workstation-Controller ausgerüstet sind. In den USA kann Unisys bereits eine respektable Anzahl an /36-Kunden vorweisen. Die Ankündigung des Produkts für den deutschen Markt steht dem Vernehmen nach kurz bevor.

Noch nicht ganz so weit ist die Digital Equipment Deutschland GmbH mit "System/36-VAX-Ination", das in den USA als Senkrechtstarter gilt. Meiner Einschätzung nach dürfte die Möglichkeit, die /36-Oberfläche mit den Leistungsmerkmalen eine VAX zu verbinden, die deutschen DV-Leiter begeistern. Bleibt jedoch abzuwarten, ob die /36-Emulation so problemlos funktioniert, wie es die US-Werbung verspricht.

Wie von Digital Equipment aus Unterföhring bei München zu erfahren ist, steht für die Migration ein eigenes Team zur Verfügung, das das betriebsbereite System übergibt. Vorgeführt werden bereits erste Installationen in Europa - fürs erste bei einem italienischen Automobilkonzern sowie auch bei einem deutschen Halbleiter-Hersteller.

Allen drei Systemen ist gemein, daß der Anwender durch den Einsatz der /36-Anwendungen gehindert wird, das gesamte Leistungsspektrum der neuen Hardware in Anspruch zu nehmen. Dem Wachstum innerhalb der jeweiligen Herstellerwelt steht nichts im mehr Wege. Das gilt auch für den Umstieg von der Dateiverwaltung auf ein Datenbanksystem. Insgesamt läßt sich also sagen, daß sich für /36-Anwender - abseits der IBM-Systeme - eine glänzende Zukunft eröffnet.

*Erich Müller ist Geschäftsführer des gleichnamigen Ingenieurbüros in Wendelstein.