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07.01.1994

Big Blue und DAG einigen sich auf Haustarif, aber IG Metall ist dagegen Mehr Leistung der Mitarbeiter soll IBM aus der Krise fuehren

STUTTGART (CW) - Die IBM Deutschland Informationssysteme GmbH und die Deutsche Angestellten Gewerkschaft (DAG) haben sich nach mehrmonatigen Verhandlungen auf einen Haustarifvertrag geeinigt. Dieser sieht erweiterte Arbeitszeitregelungen und ein staerker leistungsorientiertes Bezahlungssystem vor. Die IG Metall hat bereits angekuendigt, den Vertrag nicht anzuerkennen.

Der neue Haustarif soll schon vom 1. Januar dieses Jahres an gelten und bedeutet fuer die IBM-Mitarbeiter zwei Stunden mehr Arbeit, also eine 38-Stunden-Woche fuer das bisherige Gehalt. Ein erweitertes Gleitzeitmodell gibt den Mitarbeitern mehr "Zeitsouveraenitaet" fuer den Auf- und Abbau von Gleitmehrzeiten, wie IBM-Personalgeschaeftsfuehrer Hans-Werner Richter vor der Presse erlaeuterte.

Die Gleitmehrzeit koenne kuenftig fuer zwei Schulungstage pro Jahr zur beruflichen Weiterbildung verwendet werden. Bereits jetzt drueckt laut Richter jeder IBMer im Durchschnitt zehn Tage pro Jahr die Schulbank, um sich weiterzubilden. Fuer Projektphasen besteht nach Absprache mit dem Betriebsrat die Moeglichkeit, die Arbeitszeit auszudehnen.

Die Tarifgehaelter wurden laut IBM im Zusammenhang mit der 38- Stunden-Woche neu festgelegt, die effektiven monatlichen Grundgehaelter blieben hingegen unveraendert. Statt pauschaler Sonderzahlungen gewaehrt das Unternehmen kuenftig drei erfolgs- und leistungsorientierte Praemien im Jahr.

Der Haustarif unterscheidet nicht mehr zwischen Angestellten und Arbeitern und gilt fuer etwa 80 Prozent aller Beschaeftigten der Informationssysteme GmbH. Ein uebertarifliches Entgeltsystem solle auf betrieblicher Ebene geregelt werden.

Das gesamte Vertragswerk besteht aus einer Rahmenvereinbarung und fuenf Tarifvertraegen, die die Bereiche "Arbeitszeit und Mehrarbeit", "Entgeltrahmen", "Gehaltsabkommen", "Betriebliche Sonderzahlungen" und "Schlichtungsregelungen" betreffen. Beide Seiten wollen noch ueber weitere Vertraege wie "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" verhandeln. Die Unterzeichnung des Vertrages soll nach Ablauf der Erklaerungsfrist am 21. Januar 1994 erfolgen.

Unterdessen hat die IG Metall angekuendigt, dass sie den neuen Tarifvertrag nicht anerkennen werde. Der Verhandlungsfuehrer der Metaller, Peter Hlawaty, vertritt die Ansicht, dass der fruehere, zwischen der IBM-Geschaeftsfuehrung und der IG Metall abgeschlossene Tarifvertrag nachwirke, "bis die IG Metall einen eigenen Haustarif abgeschlossen hat". Nach Auffassung der IG Metall gilt der zwischen DAG und IBM ausgehandelte Vertrag nur fuer DAG-Mitglieder. Deshalb, so Hlawaty in einem dpa-Gespraech, werde seine Gewerkschaft diese Auseinandersetzung auch juristisch fuehren.

Richter hatte vor der Presse erklaert, dass er den Tarifvertrag auf alle Beschaeftigten seines Betriebes uebertragen wolle und sich damit juristisch auf der sicheren Seite fuehle.

Wie IG Metall und IBM-Geschaeftsfuehrung mitteilten, werden sie ihre Gespraeche Ende Januar fortsetzen, wobei beide Seiten bereits jetzt ihre Standpunkte klar praesentierten. Einerseits Richter: "Der Vertrag mit der DAG ist die Messlatte", und andererseits die Metaller: "Fuer uns stehen beschaeftigungssichernde Massnahmen im Vordergrund."

Dazu habe man, wie Siegfrid Balduin, beim IG-Metall-Vorstand verantworlich fuer den Bereich Angestellte, erklaert, einen umfassenden Forderungskatalog erarbeitet, der unter anderem folgende Punkte beinhalte:

- Kuendigungs- und Abgruppierungsschutz bei einer Beschaeftigungsdauer von mindestens zehn Jahren und Alter ueber 45,

- befristete Einfuehrung von neuen Arbeitszeitmodellen sowie

- Durchfuehrung umfangreicher Qualifizierungsmassnahmen, um das betriebliche Know-how zu erhalten.

Darueber hinaus schlagen die Metaller die Gruendung einer sogenannten Innovationsgesellschaft vor, die "zur Einfuehrung und Beschleunigung eines wirksamen Vorschlags- und Verbesserungswesens beitragen" soll.

Fuer DAG und IBM spielen das Thema Beschaeftigungssicherung keine grosse Rolle, da sie auf dem Standpunkt stehen, dass die Krise der DV nur eine voruebergehende sei.

Kategorisch lehnt die Gewerkschaft eine vom Geschaeftsverlauf abhaengige Erfolgsbeteiligung ab, wie sie die IBM-Geschaeftsfuehrung jetzt mit der DAG ausgehandelt hat. "Die Beschaeftigten koennen doch nicht das Unternehmerrisiko tragen", zeigt sich Balduin erbost.

Auch der Duesseldorfer IBM-Betriebsratsvorsitzende Wilfried Glissmann ist nicht gluecklich ueber die DAG-Verhandlungen. Monatelang habe die Angestellten-Gewerkschaft "im Interesse der Mitarbeiter", verhandelt, nur die Betroffenen haetten nie etwas vom Stand der Dinge erfahren. Auf den letzten Betriebsversammlungen sei es deshalb bereits zu Unmutsaeusserungen gekommen.

Vom neuen Stil der Tarifverhandlungen, den DAG-Vorstandsmitglied Uwe Gudowius gegenueber den Journalisten pries, haelt Glissmann rein gar nichts: "Dies war eine Entmuendigungsveranstaltung", empoert sich Glissmann.