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07.10.1994

BIK '94: Mit einem neuen Konzept den Markt angehen

Ende August hatte die saechsische Messemetropole wieder zur jaehrlichen "BIK" eingeladen. Das vom Veranstalter erneut geaenderte Konzept brachte zwar insgesamt weniger Aussteller und Besucher als im letzten Jahr in die Hallen unter dem Voelkerschlachtdenkmal. Dafuer konnte die Messe AG aber mehr Interessenten fuer die zahlreichen Seminare und Workshops verbuchen.

L eicht hat es die groesste ostdeutsche Messe fuer DV-Anwendungen und Telekommunikation (BIK) nicht. Seit die Veranstaltung vor zwei Jahren zum ersten Mal ihre Tore oeffnete, sucht sie nach einem Platz im Markt. Der Erfolg scheint sich nur langsam einzustellen: Rund 10 400 Besucher (1993: 10 800) interessierten sich in diesem Jahr fuer das Angebot.

Fuer die Messeleitung kein Grund zur Panik. Laut Projektchef Victor Kommerell entwickelt sich der Anwendertreff "weiterhin zu einer Buehne fuer Neuheiten, die den wirtschaftlichen Aufschwung in den ostdeutschen Laendern massgeblich mitbestimmt". Also ist man optimstisch und feilt an Konzepten.

Fuer die "BIK'94" hatten die Leipziger das Programm erneut umgebaut und den Bereich Bueromoebel aus dem Angebot gestrichen, sowie die bisher parallel veranstaltete "Computer Graphics" zu Sondershows wie Mul-timedia und geografische Informationssysteme umgebastelt. Schliesslich muesse man sich dem Markt anpassen, hiess es.

In zwei Ausstellungshallen, die sich auf dem grossen und ansonsten leeren Messeparcours recht spaerlich ausnahmen, waren vom 31. August bis 3. September - ein Tag weniger als im vergangenen Jahr - 170 Aussteller angereist (1993 waren es noch 230).

Unter ihnen auch die PC-Ware Leipzig GmbH aus Boehlitz-Ehrenberg. Das ostdeutsche Unternehmen - drittgroesster Aussteller auf der BIK - hat sich nicht nur auf Produkte aus dem Hause von Bill Gates spezialisiert, sondern bietet eigene Loesungen wie ein Archivierungssystem auf Client-Server-Architektur und Mail-Basis (unter Windows fuer Wordgroups oder NT) an.

Grosse Sorgen hat Hauptgeschaeftsfuehrer Knut Loeschke kaum. Mit Microsoft im Ruecken und einem Umsatz von 10 Millionen Mark im vergangenen Jahr - fuer 1994 peilt man die 15-Millionen-Grenze an - gehoert der saechsische DV-Anbieter inzwischen zum "Aufschwung Ost".

Keine so hohen Umsaetze, aber dennoch schwarze Zahlen hat die ebenfalls in Leipzig ansaessige Ixos Anwendungs-Software GmbH zu verbuchen. Fuer Matthias Kunisch, Geschaeftsfuehrer des 11koepfigen Teams, ist die Messe eher ein Heimspiel und hat damit so manchen Vorteil, den die Anwender in der Region zu schaetzen wissen. Dieses Jahr habe man "ein neues Kundenverhalten" beobachten koennen, so der Leipziger. Die Besucher seien selbstbewusster und fachlich besser informiert gewesen. Sie wuerden sich nun fuer "kleine und feine Anbieter" interessieren.

Diese haetten DV-Systeme, die noch in zehn Jahren brauchbar seien. Solche Erfahrungen scheinen auch die Marktfuehrer der DV-Szene gemacht zu haben. So sehen IBM und Siemens-Nixdorf ihr Engagement im Osten nicht als ein profitables Durchhaltetraining. Trotz der hohen Kosten "setzen wir auf Leipzig und werden unsere Praesenz hier nicht aufgeben", waren sich beide Firmen einig.

Ueberrascht waren die Besucher ueber die eher "vornehme Ruhe bei den IBMlern": weder grosses Geschrei um OS/2 noch grelle Videos. Die blauen Mannen setzten mehr auf Seminare sowie Workshops - und waren mit einem neuen Produkt nach Sachsen gekommen: dem PC-Server 8640. Das Geraet, lieferbar als 486DX2 oder Pentium, wird mit einer Festplattenkapazitaet von 728 MB (IDE) oder 1 GB (SCSI) angeboten. Als Einstiegsmodell soll es vor allem fuer die Vernetzung in kleinen Unternehmen geeignet sein. In der Grundvariante mit 728 MB Festplatte und 8 MB RAM wird der Rechner etwa 5226 Mark kosten. Fuer das 1-GB-Modell mit 16 MB RAM muss der Kunde 6746 Mark auf den Tisch legen.

Fuer Spannung auf dem DV-Treff sorgte Softwareprimus Microsoft. Neben der Ankuendigung und Demonstration einer neuen Windows- Version, die im naechsten Jahr die 3.1-Variante abloesen soll, gab man den veraenderten Namen fuer das Produkt bekannt: Aus dem bisherigen "Chicago" wurde "Windows 95". Laut Martin Witt von der Microsoft GmbH, Muenchen, kann sich der Anwender nun auf eine Produktbezeichnung konzentrieren und braucht sich nicht durch zahlreiche Programmversionen zu quaelen. Allerdings war der von Microsoft auf der BIK lauthals verkuendete Name erst einmal top- secret. Per Unterschrift musste sich das anwesende Publikum zur Geheimhaltung bis zum endgueltigen Okay des amerikanischen Softwerkers verpflichten.

Eine eher sinnlose Taktik, wie so mancher meinte. Immerhin seien Messen fuer die Oeffentlichkeit gemacht und somit kein passender Ort fuer kindische Geheimniskraemereien.

Unter dem Motto "Treffpunkt fuer den Mittelstand" hatte SNI nach Leipzig eingeladen. Natuerlich habe man "kein Riesengeschaeft erwartet", erklaert Promotion-Chef Heinz Krick. Doch sei man "angenehm ueberrascht" von der guten Stimmung der Messegaeste gewesen.

Um das Ganze noch zu beleben, hatte der Konzern nicht nur die am Abend veranstaltete "Techno-BIK-Party" gesponsert, zu der rund 1000 Jugendliche kamen, sondern gleichzeitig zwei Oeko-PCs aus eigener und ein Motorrad der Marke MZ aus ostdeutscher Produktion verlost.

Anziehungspunkt fuer die Messebesucher waren jedoch die Workshops und Seminare. Laut Organisatoren nutzten an drei Tagen rund 1600 Interessenten dieses Angebot. Neben Themen wie "mobile Kommunikation" und "Innovationsfoerderung" ging es auch um die "Datenautobahn" - den sogenannten "Data-Information-Highway" und den Prototyp, das Internet. Paul Saffo vom Institut for the Future aus San Franzisko forderte, dass die Deutschen ihre modernen und schnellen Netzstrukturen besser nutzen sollten. Das "Netz der Netze" - in Europa realisiert der Eunet-Verbund die kommerziellen Kopplungen - wachse mit einer jaehrlichen Rate von 200 Prozent, behauptet der Wissenschaftler. Weltweit nutzten es bereits 25 Millionen Anwender. In den USA, so der Wissenschaftler, wuerde die Erweiterung des groessten Computernetzes und der Einsatz neuer Techniken wie Kommunikationslaser von der Clinton-Regierung stark unterstuetzt. Fuer Hans-Georg Junginger, Vizepraesident fuer Forschung und Entwicklung bei Sony, muss die "Revolution in der Telekommunikation" von einem breiten Anwenderkreis bezahlt werden koennen - erst dann habe sie Erfolg.

Den Videodisput der beiden Experten hielten einige Messeteilnehmer eher fuer Zukunftsmusik. Im deutschen Lande scheine der Dialog "face to face" derzeit noch besser zu klappen, meinten sie. Was den "Einkaeufertag" auf der BIK betraf - organisiert von der Leipziger Messe AG, dem Unternehmensverband Informationssystem (UVI) e.V. und dem Wirtschafts-Initiativen fuer Deutschland e.V. (Wir.) -, war der persoenliche Kontakt angebrachter. Mit etwa 300 Gespraechen soll das Treffen "sehr erfolgreich gewesen" sein, so die Initiatoren. Rund 24 westdeutsche Firmen aller Branchen haetten ihre Einkaeufer nach Leipzig geschickt, um im Rahmen der "Einkaufsinitiative neue Bundeslaender" mit den ostdeutschen Anbietern ins Geschaeft zu kommen.

Obwohl der Messeplatz Leipzig langsam zu erwachen scheint, braucht die BIK wohl noch etwas Zeit, um an Attraktivitaet zu gewinnen. In zwei Jahren sollte sie aber ein gutsitzendes Konzept gefunden haben.