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Gründer treten zurück

Bilanzskandal bedroht L&H in seiner Existenz

17.11.2000
MÜNCHEN (CW) - Häppchenweise kommt beim belgischen Spracherkennungsspezialisten Lernout & Hauspie (L&H) die Wahrheit ans Licht. Erstmals bestätigte das Unternehmen, dass die Bilanzen der letzten drei Jahre nicht korrekt sind. Jo Lernout und Paul Hauspie legten derweil ihre Ämter als Co-Chairmen und Managing Directors nieder.

Der Bilanzskandal im Hause L&H eskaliert. Seit rund vier Monaten muss sich der Hersteller den Vorwurf gefallen lassen, er habe seine Bilanzen durch vorgetäuschte Umsätze in Südkorea nach oben manipuliert. Zudem untersuchen die mittlerweile eingeschalteten Börsenaufsichten in den USA und Europa, ob L&H tatsächlich, wie behauptet, im letzten Jahr 25 Prozent und 1998 zehn Prozent seiner Umsätze durch Lizenzverkäufe an 30 in Belgien und Singapur registrierte Startup-Unternehmen erwirtschaftet hat. Kontrollen durch die belgische Zentralbank bei vier der betroffenen Unternehmen deckten in der Heimat des Herstellers bereits unsaubere Lizenzpraktiken auf. Danach hatte jedes der Startups im Jahre 1998 nicht wie von L&H gemeldet drei Millionen Dollar, sondern nur rund 2,2 Millionen Dollar ausgegeben.

L&H seinerseits hatte bisher wenig zur Entkräftung der Vorwürfe beigetragen. Erst jetzt räumte das Softwarehaus ein, dass die Zahlen für 1998, 1999 sowie das erste Halbjahr 2000 vermutlich revidiert werden müssen, da bei der laufenden Wirtschaftsprüfung "gewisse Fehler und Unregelmäßigkeiten" festgestellt wurden. Damit erhalten Vermutungen neue Nahrung, dass die Bilanzierungsfehler auch auf das Konto der belgischen KPMG-Tochter gehen könnten.

Umsatzprognosen nach unten revidiertDiese hatte bei L&H die Wirtschaftsprüfung verantwortet und war im August beauftragt worden, die Vorwürfe zu entkräften - eine offizielle Erklärung steht aber bis heute aus. Weiter meldete der Hersteller, dass der Umsatz im dritten Quartal 2000 vermutlich um rund 40 Millionen Dollar niedriger ausfalle als die bislang prognostizierten 165 bis 185 Millionen Dollar. Damit nicht genug, gab L&H zugleich bekannt, dass es die für Mitte November angesetzte Pflichtveröffentlichung für das dritte Quartal nicht rechtzeitig bei der US-Börsenaufsicht einreichen könne, woraufhin vergangene Woche die Aktie an der Nasdaq und Easdaq bei einem Kurs von 3,5 Dollar ausgesetzt wurde. Noch im März war das Papier 70 Dollar wert gewesen.

Mit der finanziellen Talfahrt beginnt sich auch das Personalkarussell immer schneller zu drehen. So musste jetzt Finanzchef Carl Dammekens sein Amt aufgeben. Er soll dem Unternehmen jedoch in einer nicht näher bestimmten Position erhalten bleiben. Wenige Tage zuvor hatten die Firmengründer Jo Lernout und Paul Hauspie ihre Ämter als Co-Chairmen und Managing Directors niedergelegt. Lernout bleibt lediglich Vice Chairman, Hauspie zieht sich "aus gesundheitlichen Gründen" ganz aus der Chefetage zurück. L&H will so "einen Schritt zur Beilegung der gegenwärtigen Kontroversen tun und sicherstellen, dass das Unternehmen seine führende Position im Markt für Sprachtechnik aufrechterhält". Alleiniger Managing Director ist nun der im August zum CEO ernannte John Duerden. Neuer Chairman wird der frühere Tandem-Chef Roel Pieper.