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27.10.2006

Bildqualität bleibt Trumpf

Mit dem Argument der besseren Bildqualität, HD-Auflösung und durch Ausweichen auf Größen ab 50 Zoll versuchen die Hersteller von Plasmafernsehern, sich der zunehmenden Angriffe der Konkurrenz aus dem LCD-Lager zu erwehren.

Von Klaus Hauptfleisch

Einbrenneffekte, hoher Stromverbrauch, Lüftergeräusche, niedrige Auflösung - so der immer wiederkehrende Refrain, mit dem die LCD-Industrie den Plasma-Displays (kurz PDP genannt) seit Jahren das Totenlied singt. Doch Plasma ist nicht totzukriegen und macht mit dem Einzug von HDTV bis hin zu voller HD-Auflösung wieder deutlich Boden gut.

Die eingangs genannten Gegenargumente wurden durch technologische Neuerungen mittlerweile weitgehend entkräftet. So bieten moderne Plasmafernseher heute eine Lebensdauer von 60.000 Stunden, vergleichbar mit Röhrenfernsehern. Wenn Lüfter vorhanden sind, dann sind diese kaum noch hörbar.

Vergleichstests haben zudem ergeben, dass Plasmafernseher flächenbereinigt je nach Bildinhalt teilweise weniger Strom verbrauchen als ihre LCD-Vettern. Denn die mit dem Edelgas Xenon gefüllte Plasmazelle verbraucht nur Strom, wenn Bildinhalte dargestellt werden - je heller, desto mehr. Sonst bleibt die Zelle schwarz, daher auch die guten Kontrastwerte. Die Hintergrundbeleuchtung von LCDs leuchtet dagegen immer, je nach Bildinhalte werden die Pixel wie mit einer Jalousie verdunkelt. Aber 100-prozentiges Schwarz ist mit LCDs nicht hinzubekommen. Wichtigstes Argument der Befürworter von Plasma bleibt aber die bessere Bildqualität.

Traumhafter Kontrast

Hohe Kontrastraten von 4.000:1 bis 10.000:1, ein vergleichsweise tiefer Schwarz-Wert und ein weiter Farbraum ergeben zumindest subjektiv ein natürlicheres und schöneres Bild, als die meisten LCD-Fernseher bieten können. Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage unter britischen Verbrauchern. Demnach würden sich 70 Prozent der Befragten nach einem Bildvergleich eher für einen Plasma- als für einen LCD-Fernseher entscheiden. Damit ging Mitte Oktober auf der Flat-Panel-Display-Messe FPD International 2006 in Japan auch Ken Morita, Vice President von Panasonic AVC Networks, hausieren.

Morita zufolge soll sich der weltweite Absatz von Plasmafernsehern zwischen 2006 und 2010 von zehn auf 30 Millionen verkaufte Geräte verdreifachen. Für LCD-TVs geht Panasonic für diesen Zeitraum nur von einer Zunahme von 38 auf 100 Millionen Stück aus; Sharp hingegen hat seine Prognosen für den Absatz von LCD-Fernsehern in vier Jahren gerade von 120 auf 150 Millionen Stück erhöht.

Vorhersagen kann man natürlich treffen, so viel man will, aber die neuen Prognosen von Sharp zu LCD-TVs scheinen genauso geschönt zu sein wie die von Panasonic zu Plasmafernsehern. Denn während die Marktzahlen für LCD-TV je nach Definition auch ganz kleine Größen einschließen, fangen Plasmafernseher in der Regel erst ab Bilddiagonalen von 37 Zoll (94 cm) im Format 16:9 an. Das von Röhrenfernsehern her gewohnte Standardmaß liegt jedoch bei 32 Zoll im Format 4:3. Viele vor allem ältere Deutsche hätten ihre Wohnzimmereinrichtung danach auslegt und würden auch bei einem Neukauf noch immer nach Röhrengeräten fragen - allein schon, um auf die 20 Jahre alte Fernsehtruhe nicht verzichten zu müssen, so die Erfahrungen von EP-Aufsichtsrat Johann Bauer, der drei Shops im Münchener Raum betreibt (siehe Round- table ab Seite 18).

Auf den Sitzabstand kommt es an ...

Ein entscheidendes Kaufkriterium für die Größe eines Fernsehers kann aber auch der Sitzabstand sein. Und da der in vielen deutschen Wohnzimmern nicht mehr als drei oder vier Meter beträgt, ist die Nachfrage nach Flachbildriesen mit 40 oder gar 50 Zoll Bilddiagonale lange nicht so hoch wie in den USA, wo Größe offenbar mehr zählt als Qualität. In keiner Region der Welt wurden so viele milchig-trübe Funzeln von Rückprojektions-Riesen auf CRT-Basis verkauft. Ihre DLP-Brüder können mit LCD- und Plasmafernsehern zwar oft schon mithalten, konnten sich wegen ihrer Übergröße in Europa aber auch lange nicht so gut verkaufen wie jenseits des Atlantiks.

Mit HD- oder Full-HD-Auflösungen von 720 oder bei neueren Modellen gar 1.080 progressiven Zeilen spielt die Raumgröße oder der Sitzabstand aber keine so große Rolle mehr. Und damit wächst auch in Europa die Nachfrage nach größeren Bilddiagonalen. Bis vor zwei Jahren hatten die meisten Plasmafernseher nur eine einfache ED- oder Enhanced-Auflösung von 480p aufzuweisen. PAL-optimierte Geräte sollten mindestens 576 Zeilen verlustfrei darstellen. Für diese Auflösung galt, dass der Sitzabstand bei einem 42-Zöller zwischen 3,21 und 4,28 Meter betragen sollte, bei einem 50-Zöller sollten es sogar 5,0 bis 6,35 Meter sein. Davon sind die meisten Wohnzimmer in Deutschland weit entfernt.

Auch wenn, abgesehen von Premiere über Satellit, noch kaum HDTV-Signale übertragen werden, sollten Händler ihren Kunden der Zukunftssicherheit wegen zu HD-Auflösungen von mindestens 720p raten. Denn je größer die Auflösung, desto weniger deutlich werden Pixelstrukturen, die den Betrachter mitunter so nervös machen können, dass ihm übel wird.

Damit der Plasma-Riese nicht das ganze Wohnzimmer für sich beansprucht, bieten Firmen wie Ergotron Wandmontagelösungen an, die Fachhändlern samt Installation zu zusätzlichen Verdienstmöglichkeiten verhelfen können.

Kampf um die Großformate

Bei Großformaten ab 40 Zoll haben Plasmafernseher immer noch die Nase vorn, aber mit Kampfpreisen drängen auch die Hersteller von LCD-Fernsehern zunehmend in das Segment. Die Anbieter von Plasmafernsehern sind folglich gezwungen, auf Bilddiagonalen ab 50 Zoll auszuweichen. Aber auch dort sind sie nicht vor den Angriffen aus dem LCD-Lager gefeit. Sharp hat schon ein LCD-Panel-Werk der achten Generation in Betrieb, Samsung und Sony wollen Mitte 2007 folgen und sich vornehmlich auf das 50-Zoll-Format konzentrieren. NEC Display Solutions hat für November 2006 schon ein auf LCD-Technik basierendes Public Display mit 57-Zoll-Bilddiagonale angekündigt.

LCD-TVs werden aufholen

Samsung, in beiden Technologien einer der Marktführer, geht davon aus, dass 2006 im Segment ab 40 Zoll rund zehn Millionen Plasma-, aber nur 4,8 Millionen LCD-Fernseher ausgeliefert werden. Ein Jahr später soll sich das Verhältnis mit 14,3 Millionen Plasma- zu zehn Millionen weltweit verkauften LCD-Fernsehern schon deutlich annähern. Aber für Plasmafernseher spricht mittlerweile, dass sie um einiges günstiger sind als ihre LCD-Konkurrenten. Anfang 2006 haben Plasmas je nach Größe im Schnitt noch mehr erzielt als LCD-TVs.

Panasonic baut seine Produktionskapazitäten derzeit kräftig aus. Nach Fertigstellung des vierten Werks Mitte 2007 soll der monatliche Ausstoß auf 630.000 Stück anwachsen. LG Electronics, vorübergehend auf Platz eins, will sich die Krone wieder zurückholen. Geplant ist, die monatlichen Kapazitäten bis nächstes Jahr von 430.000 auf 550.000 zu erweitern. Während Samsung und Sony sich hauptsächlich auf LCD-TVs konzentrieren, ist das koreanische Unternehmen mit Produktionsstätten in aller Welt recht erfolgreich im Plasma-TV-Markt. Panasonic hatte laut Displaysearch im ersten Halbjahr 2006 einen Marktanteil von 25,4 Prozent, LG von 17,3 Prozent, Samsung nur noch von 13,8 Prozent.