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06.01.1995

Bildschirme koennen nicht einfach und billig auf dem Muell landen DV-Recycling - Die Kosten duerfen nicht entscheidend sein

DV-Recycling ist ein sehr aktuelles Thema. Kurze Produktzyklen, Downsizing, Client-Server-Strategien, Outsourcing etc. bedingen eine Veraenderung der vorhandenen EDV-Ausruestungen. Was ist zu tun, wenn das Alter der Geraete eine Wiedervermarktung unmoeglich macht? Thomas Wolff* zeigt, wie und wo man altes DV-Mobiliar in grossen Mengen los wird.

Viele ausgediente Anlagen landen heute auf Muelldeponien oder in Schredderanlagen. Neben den moeglichen Verunreinigungen von Grundwasser und Luft gehen dabei auch wertvolle Rohstoffe verloren, die wiederverwendet werden koennten.

Fuer die DV-Anwender stehen bei der Entsorgung immer noch die Kosten im Vordergrund. Durch gewachsenes Umweltbewusstsein, getragen von der Sorge um das Firmenimage und von zukuenftigen gesetzlichen Auflagen, stellt der Anwender inzwischen aber bereits hoehere Anforderungen an den Entsorgungspartner.

Im guenstigsten Fall kuemmert sich der Lieferant einer neuen DV- Anlage um die Entsorgung der alten. Dabei wird er aber die Kosten in seine Kalkulation mit einbeziehen. Letztendlich liegen die Lasten also doch beim DV-Anwender.

Die Zusammenarbeit mit dem naechstgelegenen Schrottverwertungs- und Recyclingunternehmen war eigentlich die Regel. Kontrollen gab es keine. Selbst heute bieten noch eine Reihe von selbsternannten Recyclingbetrieben eine Entsorgung an, fuehren selbst aber keine Leistungen durch, sondern lassen nach einer Lagerfrist die Anlagen nach ihrer Zerkleinerung im benachbarten Ausland deponieren. Schadstoffe werden nicht getrennt. Teilweise werden auch direkt Angebote von auslaendischen Unternehmen angenommen, die die Entsorgung nur unter Entrichtung einer Transportgebuehr abwickeln. Gelegentlich erhaelt man noch einen Nachweis des Transportunternehmens, dass die Altgeraete uebernommen wurden und einer Wiederverwertung zugefuehrt werden. Eine Sicherheit ueber umweltgerechtes Entsorgen ist damit weiter nicht gegeben, die Abwicklung allerdings einigermassen kostenneutral.

Umweltgerechte Entsorgung - welche Kosten entstehen

Eine umweltgerechte Entsorgung erfolgt ausschliesslich ueber die manuelle Zerlegung der DV-Einheiten mit anschliessender Sortierung der Materialien nach festgelegten Kriterien. Die Arbeit von Hand ist unerlaesslich, da in den DV-Anlagen eine Vielzahl von Stoffen eingesetzt werden. Die wiederverwertbaren Materialien werden nach der Trennung an geeignete und spezialisierte Unternehmen weitergegeben.

DV-Ausruestungen sind zudem mit vielen Problemkomponenten behaftet, die unbedingt vom Restmuell getrennt werden muessen.

Ein Schreddern, das heisst komplettes Mahlen von DV-Altanlagen ohne vorheriges manuelles Zerlegen ist daher entweder qualitativ voellig unzulaenglich beziehungsweise umweltgefaehrdend oder mit extrem hohen Investitionen verbunden, um ausreichende Wiedergewinnungsquoten zu erfuellen oder die Schadstoffe auszusondern.

Die Auswahl des richtigen Entsorgungsunternehmens

Die folgenden Kriterien fuer die Auswahl der Entsorgungspartner werden zwischenzeitlich von einem Grossteil der DV- Anlagenhersteller und spezialisierten Entsorgungsunternehmen erfuellt.

Bei der Wahl des richtigen Entsorgungspartners sind Qualifikationszertifikate die Grundvoraussetzung. Wenn das Unternehmen sich beispielsweise einer freiwilligen Pruefung als Zerlege- und Sortierbetrieb entsprechend den Anforderungen der Bundesvereinigung Elektronik-Verwertungs-Unternehmen (BEVU) oder des Zentralverbands der Elektronikindustrie (ZVEI) und des Verbands Deutscher Maschinen und Anlagenhersteller (VDMA) unterzogen hat. In diesen Entsorgungsfirmen werden alle Arbeiten regelmaessig kontrolliert. Betriebsgenehmigungen muessen vorliegen, die Mengenstroeme werden bilanziert, die Sortierung (Fraktionierung) und Lagerung der Schadstoffe sowie des Restmuells begutachtet. Die Wiederverwertungsquote wird ermittelt. Das Zertifikat fuer die qualifizierte Entsorgung muss bei Vertragsabschluss geliefert werden.

Hat sich der Anwender von der Qualifikation des Entsorgungspartners ueberzeugt, stellt sich die Frage nach Zusatzleistungen und Entsorgungspreis. Zusatzleistungen im Rahmen einer DV-Entsorgung sind zum Beispiel der Abbau der Altanlage, die Bereitstellung von geeigneten Transportbehaeltnissen zum Sammeln sowie die Uebernahme des Abtransports.

Die wichtigsten Informationen fuer die Kalkulation des DV-Recyclers sind Gewicht, Hersteller, Typ und Modell der Altanlage sowie Standort, Termin und Zustand (sind alle wertvollen Teile ausgebaut?). Ausreichend kann auch sein, wenn statt des Gewichts Daten wie Hersteller, Typ, Modell der Altanlage genannt werden. Entsorgungsunternehmen verfuegen ueber Listen, die Auskunft ueber das Gewicht einzelner DV-Geraete geben.

Der Entsorgungspreis richtet sich nach dem Gewicht und den Erfahrungswerten ueber die Materialrueckgewinnungsquote der einzelnen DV-Anlage. Die manuelle Zerlegung mit anschliessender Fraktionierung und Schadstoffklassifizierung erfordert ausgebildete Zerlegekraefte. Die Preise schwanken daher gewoehnlich je nach DV-Anlage. Ein Ertrag oder selbst eine Kostendeckung ist ohne Zuzahlung der Anwender bei einer vorschriftsmaessigen Entsorgung nicht zu erzielen.

Pro Kilo Elektroschrott sind rund 1,50 Mark faellig

Die gaengigen Marktpreise bei der DV-Entsorgung liegen zwischen 1,20 und 1,90 Mark pro Kilogramm. Relevante Preisverhandlungen sind eigentlich nur moeglich, wenn es zu einer regelmaessigen Entsorgung oder einer Entsorgung groesserer Mengen kommt. Die relativ grosse Preisspanne haengt dabei mit den verschiedenen Schwierigkeitsgraden bei der manuellen Zerlegung zusammen.

Abweichend von den nach Gewicht ausgerichteten Preisen wird branchenueblich ein Festpreis fuer Bildschirme angerechnet. Sie muessen nahezu komplett auf die Sondermuelldeponie - Recycling ist nur bedingt moeglich. Hier liegen die Abgabepreise zwischen 30 und 45 Mark.

Fuer den Abbau einer alten DV-Anlage sind ausgebildete Techniker noetig. Das verbleibende Equipment darf nicht beschaedigt werden. Die Kosten richten sich ebenfalls nach dem Gewicht der Anlage, es sei denn, es wird eine Abbaupauschale vereinbart.

Unabhaengig davon, wie die Rechnungsstellung erfolgt, muss man darauf achten, dass alle Teile gewogen werden, da zertifizierte Recyclingbetriebe die Mengenstroeme festhalten muessen.

Es ist nicht davon auszugehen, dass der Gesetzgeber kurzfristig die vielzitierte Elektronikschrottverordnung verabschiedet. Die dort verankerte Ruecknahme der Altgeraete wuerde die Hersteller in hohem Masse belasten - allein schon im Bereich Logistik und der Kosten. Zudem koennte die Ruecknahme dann auch nur fuer solche Geraete gelten, die nach dem Inkrafttreten dieser Verordnung zum Anwender gelangen. Letztendlich wird der Anwender die Kosten der Entsorgung also noch auf lange Zeit tragen muessen.

Der Wettbewerb der Recyclingunternehmen in der Elektronikschrottverwertung wird noch zunehmen, bevor eine Marktbereinigung stattfindet. Die ruinoes kalkulierten Preise einiger Entsorger werden dazu beitragen.

In der Produktion neuer DV-Geraete setzt sich eindeutig der Trend durch, recyclingfreundlich herzustellen. Neue Anlagen werden jetzt schon so konzipiert, dass die personalkostenintensive manuelle Zerlegung wesentlich vereinfacht wird. Mit Sicherheit wird sich dies in Zukunft auf den Entsorgungspreis auswirken.

* Thomas Wolff ist zustaendig fuer Marketing und Vertrieb der Technorecycle GmbH in Niedernhausen.