Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

02.04.1976 - 

BMW, München:

Bildschirmeinsatz in der Fertigung

200 Bildschirme mit Direktzugriff auf 110 000 Stammsätze der IMS-Datenbank steuern heute den gesamten Fertigungsablauf bei BMW in München. Das zentrale Bildschirm-Netz ermöglicht Realtime-Eingabe und Abfrage aller Zwischenschritte wie Anforderung, Konstruktion, Planung, Beschaffung, Einvernahme und Erprobung der Fertigungsmittel zu jedem Projekt und in jedem Werk des bayerischen Automobilherstellers. Trotz festgelegter Termine kämmen heute die etwa 3500 speziellen Fertigungsmittel, die allein für ein Grundmodell erforderlich sind, über viele Bearbeitungsstufen verfolgt und fertiggestellt werden.

Kostenlawine hin, Bildschirm-Euphorie her, bei BMW wird konsequent "ferngesehen". Von einer Welle überschwenglicher Begeisterung kann nicht die Rede sein - wenn der Einsatz "von langer Hand vorbereitet und behutsam implementiert wird".

MÜNCHEN - Gar so lange ist es nicht her, da erntete ein Organisator auf die freundlich vorgetragene Bitte, doch mal Bildschirme einsetzen zu dürfen, ein gönnerhaftes "später mal" und den Auftrag zur Ausarbeitung augen- und nervenschonender Ablochbelege und Listenbilder. Insbesondere Techniker, bei Werkstoff-Einsatz und Gestaltung von Fertigungs-Prozessen der Moderne stets aufgeschlossen, mochten die bewährten Belege, Durchläufe, Listen und Registraturen keinesfalls missen. Und wer unvoreingenommen genug war, die Wurzel dieser Abneigung zu ergründen, mußte eingestehen, daß schon bei der (ersten) EDV-Einführung gesündigt worden war. Was alles wurde in ehrlicher Euphorie versprochen, welche Tempogewinne und Arbeitserleichterungen sollten der Einführung auf dem Fuße folgen.

Sicherlich, schön gedruckt waren die Stammblätter, und Verwendungsübersichten und brauchbar auch die speziellen Auswertungslisten. Indes, wie aktuell waren die Informationen?

Gleiches Recht für alle

Sie kennen wohl das Problem: Beleg ausfüllen, transportieren, ablochen, batch lesen, batch verarbeiten, batch drucken, transportieren, vervielfältigen, verteilen. Wie schnell verrinnen die Tage, die Wochen! Und dann führt irgend jemand einige Telefonate und schlägt bei der nächsten Besprechung alle um Längen, voll der taufrischen Informationen von heute vormittag. Der Ingrimm wächst und mit ihm der Wille, alle Informationen zum gleichen Zeitpunkt anhand zu geben. Just zur rechten Zeit bietet sich den Suchenden eine Lösung: Zentrale Datenbanken, Bildschirme on-line zu Abfrage und Verwaltung. In einem Produktionsbetrieb der Größenordnung von BMW umfaßt das General-Konzept eine Vielzahl von Ansatzpunkten zur Problemlösung durch Realtime-Betrieb. Ein Schwerpunkt liegt in den technischen Informationen, der Basis für Planung und Abwicklung der Fertigung, Planung und Kontrolle der Investitionen, Kalkulation und Abrechnung der Kosten; Ausgangspunkt der Materialwirtschaft und des Vertriebs.

Fünf Millionen A 4-Blätter fallen weg

Teile-Stammdaten, Teile-Verwendungsdaten. - Mit diesen Informationen leben die Entwicklungs-Konstruktion, die Fertigungs-Planung, Disposition und Einkauf, die Kostenrechnung, Produktion und Vertrieb. 110 000 Stammsätze und etwa 10 Mio Verwendungssätze stehen heute in der IMS-Datenbank und können von derzeit 200 Bildschirmen abgefragt und mittels angeschlossener Drucker auf Papier ausgegeben werden. Hierin enthalten ist Material, Rohteile, Halberzeugnisse und deren Zuordnung zu Fertigprodukten.

Die Terminals der Freigabe- und Stücklistenabteilung, der Fertigungsplanung und der Materialwirtschaft sind zu Neuanlage, Änderung und Löschung dieses Datenbestandes zugelassen. Die Erfassung und Verwaltung geschieht ohne Zwischenstationen direkt in der Datenbank. Angeschlossen ist die dezentrale Administration der Werke München, Dingolfing, Landshut und ab Juli 76 auch Berlin. Eine weitere Reihe von Anwendern erhält die Unterlagen auf COM-Mikrofilm; über 5 Mio DIN-A4-Blätter pro Jahr müssen nicht mehr gedruckt, verteilt und archiviert werden.

Die Fertigungs-Stücklisten entstehen zusammen mit den Arbeitsplänen. Sie werden ebenfalls über dezentrale Bildschirme erfaßt und verwaltet. Als ein Detail möglicher Auswertungen sei genannt: Anzeige und bildschirmgesteuerter Ausdruck von Packlisten zur Steuerung der Anlieferung und seefähigen Verpackung von Aggregaten und Teilesätzen für die Produktionsstätte, in Südafrika.

3500 Fertigungsmittel für ein Modell

Speziell in der Automobilindustrie, bei laufender Modellpflege für viele Fahrzeug-Varianten und nie abreißender Entwicklung und Fertigungsvorbereitung neuer Modellreihen und Einzeltypen, stellt die Zuordnung, die terminliche und kostenmäßige Überwachung der Konstruktion und Beschaffung von projektgebundenen Fertigungsmitteln, ein permanentes Problem dar. Modell-Anläufe stehen grundsätzlich unter dem Diktat festgelegter Termine. Alleine ein Grundmodell erfordert ca. 3500 spezielle Fertigungsmittel, welche über viele Bearbeitungsstufen zu verfolgen sind. Das dezentrale Bildschirm-Netz in Verbindung mit der zentralen Datenbank ermöglicht Realtime-Eingabe und Abfrage aller Zwischenschritte wie Anforderung, Konstruktion, Planung, Beschaffung, Einvernahme und Erprobung der Fertigungsmittel zu jedem Projekt und in jedem Werk.

Nur gemahnt wird noch im Batch

Speziell im Werkzeugbau wurde, wegen der besonderen Dringlichkeit aller Neuanfertigungen für Modellanläufe, das Online-System für die Erfassung und Ausgabe der Aufträge vorgezogen. Die erledigten Arbeitsfolgen werden ebenfalls über die Bildschirme im Werkzeugbau zurückgemeldet, so daß jederzeit Planung und Termin-Koordination den augenblicklichen Stand abfragen kann. Nur Kapazitäts-Übersichten und das Mahnverfahren werden noch batch abgearbeitet.

In der Teilefertigung des Werkes München und in weiteren "heißen" Betriebsteilen ist das System im Einsatz bzw. in Vorbereitung. So wird auch das Großpreßwerk Dingolfing, allerdings durch einen eigenen Prozeßrechner, ebenfalls voll gesteuert und über Bildschirm-Terminals kontrolliert.

"Do it yourself" gegen Kostenlawine

Die Reihe ließe sich ohne Mühe fortsetzen und, würde man alle ähnlichen Unternehmen befragen, sicherlich komplettieren. So behaupte ich, es gibt in Fertigung und Fertigungsvorbereitung kaum mehr ein Anwendungsgebiet, das durch Bildschirmeinsatz nicht bereits abgedeckt oder in Angriff genommen ist. System-Analytiker und Organisatoren selbst konkurrierender Unternehmen tauschen Erfahrungen aus. Dies alles beweist, Datenbanken und Bildschirme sind im Vormarsch und haben zu einer rascheren Bereitstellung wichtiger Informationen geführt.

Es soll nicht verschwiegen werden, daß gerade diese Form der EDV eine enorme Kostenlawine zum Rollen gebracht hat. Erhebliche Kapazitäten werden benötigt, Hardware und Peripherie müssen aufgesteckt werden und auch in dieser Zeit sind qualifizierte System-Spezialisten und Programmierer nicht über die Arbeitsämter beziehbar. Die Fluktuation ist stark reduziert und bei akuten Sachproblemen ohnehin kaum ein Rettungsanker. So sind wohl jene EDV- und Organisations-Leiter auf dem richtigen Pfad, die ihrer Lifeware vermehrtes Augenmerk angedeihen lassen und auf dem Wege innerbetrieblicher Förderung qualifizierte Manpower selbst bilden.

Befinden wir uns mit dem Bildschirmeinsatz wieder in einer Welle überschwenglicher Begeisterung? Ich meine nein, denn er bietet in der Tat mehr als jedes andere bekannte Mittel; wenngleich er auch nicht alle Probleme löst.

* Rudolf Kratzer ist Leiter "Technisches Informationswesenö (Organisationsstab der Technischen Zentrale) der BMW AG, München.