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20.03.1981

Bildschirmtext - die neue Dimension der Datenfernverarbeitung

Teil I

Die Verbindung von tendenziell preiswerten Datenendgeräten aus den

Bereichen der Unterhaltungs- und Konsumenten-Elektronik über flächendeckende Datenübertragungsnetze mit elektronischen Rechenanlagen eröffnet die prinzipielle Möglichkeit, die Leistung moderner Computersysteme jedermann zur Verfügung zu stellen.

Während Datenfernverarbeitungssysteme bisher für größere Organisationen eingesetzt waren, ist mit der Realisierung von Bildschirmtextsystemen die Datenfernverarbeitung ein Instrument der Versorgung breiter Bevölkerungskreise mit Computerleistung geworden. Bildschirmtext bedeutet Demokratisierung von Datenbank-/Datenkommunikationssystemen über ein benutzerfreundliches Datennetz und Datenendgerätespektrum. Die Kopplung von Bildschirmtextnetzen mit Computersystemen ist zukunftsweisend. Sie stellt den Produktionsfaktor Information auf breitester Basis zur Verfügung.

1.Der Produktionsfaktor Information

Neben den traditionellen Produktionsfaktoren Boden, Kapital, Arbeit und Technologie tritt mit der Einführung moderner computergestützter Datenbank-/Datenkommunikationssysteme der Produktionsfaktor Information in den Vordergrund. Ganz allgemein kann die Effektivität eines Produktionssystemes im weitesten Sinne, wie folgt gekennzeichnet werden

Effektivität=

Produktionszeiten

____________________________

Produktionszeiten + Wartezeiten

Das heißt: die Effektivität eines Produktionssystems nähert sich 100 Prozent, wenn die Wartezeiten in diesem System sehr klein werden. Informationssysteme dienen der Verkürzung dieser Wartezeiten, zum Beispiel durch schnelle Information über den nächsten auszuführenden Arbeitsgang.

Bei der Einführung neuer Technologien etwa können Bildschirmtextsysteme zur Verkürzung der hier genannten Wartezeiten eingesetzt werden und die Effektivität eines Wirtschaftssystems erheblich steigern. Aus der Vielzahl möglicher weiterer Anwendungsbeispiele können hier genannt werden:

A. Allgemeine, papierlose Informationssysteme, die im Rahmen der üblichen Responsezeiten herkömmlicher elektronischer Datenbank-/Datenkommunikationssysteme Informationen über die angeschlossenen Bildschirme liefern. Es handelt sich hier häufig um Auskunftssysteme, die einer großen Zahl von Anfragenden die Informationen einer Gruppe von Anbietern zur Verfügung stellen. Typische Bereiche für den Einsatz von derartigen Informationssystemen sind

- Reise-Informationen

- Unterhaltungsangebot

- Sport

- Nachrichten

- Behörden-Informationen

- Ratgeber

- Stellenmärkte

und so weiter.

Diese hier genannten Funktionen können, technisch gesehen, vorwiegend durch Abfrage der öffentlichen Bildschirmtext- (BT-) Zentralen ausgeführt werden.

B. Spezielle Bildschirmtextservice-Systeme, die die Abfragen von bestimmten, vorher durch Informationsanbieter eingegebenen Informationsseiten gestatten und es dem BT-Benutzer ermöglichen, über die verhältnismäßig einfachen BT-Protokolle beliebige Datenbank-/Datenkommunikationsfunktionen zu nutzen. Beispiele für die Anwendung dieser speziellen BT-Servicesysteme sind:

- Eingabe von Buchungsdaten, Kontenabstandsfragen bei Banken, Sparkassen, Bausparkassen, Postscheckämtern.

- Eingabe und Abfrage von Informationen bei Versicherungen, die mit speziellen BT-Servicesystemen ihre Kunden und Außendienstmitarbeiter bei Adressenänderungen, Schadens-

meldungen oder Vertragsabschlüssen papier-, zeit- und kostensparend unterstützen wollen.

- Versandunternehmen, die den Bestellvorgang, Kataloginformationen, Dispositions- und Bestandsführungsvorgänge auf diesem Wege rationalisieren wollen.

- Reiseveranstalter, die Angebotsübersichten und Buchungsvorgänge rationeller abwickeln wollen.

- Verbände und Organisationen mit räumlich weit ausgedehnten Einzugsgebieten, die ihre Mitglieder und Interessenten kostensparend mit Informationen und administrativen Dienstleistungen versorgen wollen. Zu den hier genannten BT-Anwendern können

- Kirchen

- Behörden

- Vereine

- Gewerkschaften

- Automobilclubs

- Verbände

- Medizinische Versorgungseinrichtungen

etc.

gezählt werden.

Technisch lassen sich die hier genannten Anwendungen vorwiegend durch den Einsatz von sogenannten "externen Rechnern" beim Informationsanbieter, die an das allgemeine oder öffentliche BT-System angeschlossen werden, realisieren.

II. Die Grundkonzeption eines allgemeinen Datex-P-gestützten

Bildschirmtextsystems in der Bundesrepublik Deutschland

Die Grundidee eines allgemeinen (landesweiten) BT-Systems ist einfach (Bild I):

1. Einfach zu bedienende Datenendgeräte (BT-Terminals),

2. Einfache Protokolle zwischen den Datenendgeräten und dem BT-Basissystem (BT-Protokolle),

3. Ein leistungsfähiges und möglichst preiswertes BT-Basissystem (= landesweites Netz von BT-Zentralen).

Das allgemeine BT-Netz ist Teil eines Kommunikationsnetzes, das die Wartezeiten in einem Produktionssystem dramatisch verkürzen kann. Im amerikanischen Sprachraum wurde im Zusammenhang mit derartigen hochleistungsfähigen Datenübertragungssystemen von" Electronic Highways", von "elektronischen Autobahnen" gesprochen. Es muß im Zeitalter rapide zunehmender Erdöl- und Energiekosten wesentliche Kommunikationsfunktionen übernehmen, wenn der physische Transport von Papier, Personen und sonstigen Datenträgern reduziert werden soll. Das Konzept der physischen und logischen Struktur dieses allgemeinen BT-Netzes läßt sich, was die Bundesrepublik Deutschland betrifft, wie folgt gliedern:

Die in Bild II wiedergegebene Struktur eines allgemeinen BT-Systems, bestehend aus BT-Terminals, Fernsprechwählnetz und einem allgemeinen BT-Netz, welches die Funktion der Bildschirmtextzentralen und eines hochleistungsfähigen Transportsystems für Computerinformationen übernimmt, ist jedoch in Bild II wesentlich vereinfacht worden. So wird der BT-Grundgedanke der Kombination eines breiten und preiswerten Zubringernetzes (Telefonortsnetz) zu den privaten Haushalten mit dem leistungsfähigeren Transportsystem (Datex-P-Netz *) zwischen den jeweils ortsnetzgebundenen BT-Zentralen verdeutlicht. Eine etwas detaillierte Darstellung in Bild III zeigt den Zusammenhang zwischen

- dem Datex-P-Transportsystem,

- den öffentlichen Bildschirmtextzentralen,

- den externen Rechnern,

- den privaten Datenbanksystemen, (beziehungsweise Inhouse-Zentralen) und Nebenstellenanlagen.

Bemerkenswert ist die Vielzahl möglicher Zugriffswege innerhalb dieses universellen Systems, das es in Zukunft ermöglichen soll, Computerleistung über Bildschirmtext-Endgeräte dem Bürger direkt zur Verfügung zu stellen. Aus Bild III ist zu erkennen, daß das Bildschirmtextsystem ein offenes System darstellt, daß die Koppelung einer Vielzahl von externen Rechnern, Terminals und internationalen Netzen zuläßt. Der Zugriff zum Datenbanksystem eines externen Rechners ist sowohl über das BT-System wie über das bisherige Datenfernübertragungssystem möglich (Bild IIIa bis IIIc). Die Siemens-Software für den externen Rechneranschluß läßt den Zugriff sowohl über das BT-Netz wie über das konventionelle Datenfernübertragungsnetz auf eine Datenbank des externen Rechners zu. Die prinzipiellen Kombinationsmöglichkeiten dieser verschiedenen Zugriffspfade sind in Bild IIId dargestellt. Der Vorteil hierbei besteht dann, daß bereits bestehende Datenbanken unverändert in das BT-System übernommen werden können.

Wird fortgesetzt

Dr. Dieter Lazak ist bei Siemens Im Unternehmensbereich Daten- und lnformationssysteme in der Abteilung Sonderprojekte für Bildschirmtextsysteme zuständig. Der Text dieser Serie ist über den Verfasser bei der Siemens AG, DV V BW S1 Koppstraße 9, 8000 München 70 (Tel.089/72 24 15 25) erhältlich.