Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

27.03.1981

Bildschirmtext- die neue Dimension der Datenfernverarbeitung Teil II

Im Sinne eines universell einsetzbaren offenen Datenkommunikationssystems sieht die Deutsche Bundespost für Datex-P international genormte Datenübertragungsprotokolle vor. Als Architekturmodell dient das hierarchische Schichten- beziehungsweise Schalenmodell für "offene Kommunikationssysteme" der ISO-Norm.

Dr. Dieter Lazak

ist bei Siemens im Unternehmenbereich Daten- und Informationssysteme in der Abteilung Sonderprojekte für Bildschirmtextsysteme zuständig. Der Text dieser Serie ist über den Verfasser bei der Siemens AG, DV V BW S1 / Koppstraße 9, 8000 München 70

(Tel.089/72 24 15 25) erhältlich.

Innerhalb des ISO-Architekturmodells (Bild IV) unterscheidet man sieben Protokollebenen

A. Transportkontrolle (Ebenen 1 bis 4);

B."Höhere Protokolle" der Benutzer des Transportsystems (Ebenen 5 bis 7);

Innerhalb der Gruppen A und B können den einzelnen Protokollebenen die folgenden Funktionen zugewiesen werden:

A. TRANSPORTKONTROLLE:

Ebene 1 (X.21, ohne Wahl)

Die Ebene 1 wird durch die physikalische Schnittstelle zwischen der Datenendeinrichtung DEE und der

Datenübertragungseinrichtung DÜE gemäß der CCITT-Empfehlung X.21 (während einer Übergangszeit: X.21 bis) definiert. Sie beschreibt eine bitserielle, synchrone Übertragung auf einer Vollduplex-Punkt-zu-Punkt -Verbindung.

Ebene 2 (HDLC-Ebene)

Die Ebene 2 beschreibt Format und Verfahren des Datenaustausches und beinhaltet die folgenden Funktionen:

a) Vollduplex-Datenübertragung;

b) Synchronisierung des Paketes (es besteht beidseitige Berechtigung zu unaufgeforderten Sendebeginn);

c) Erkennen von Übertragungsfehlern durch Blockprüfung und Sequenzkontrolle der Blocknummern;

d) Fehlerkorrektur durch Wiederholen der Übertragung fehlerhafter Blöcke;

e) Weitermelden von unkorrigierbaren Fehlern und Prozedurfehlern an die nächsthöhere Ebene.

Ebene 3 (Paket-Ebene)

Die Ebene 3 spezifiziert die Struktur von Kontroll-lnformationen für den Aufbau und Abbau von Verbindungen. Weiterhin wird das Betreiben der gewählten und festen virtuellen Verbindungen beschrieben.

Ebene 4 (Ende-zu-Ende-Transport-Kontrolle)

Die Ebene 4 wird Funktionen der folgenden Art umfassen:

a) Flußkontrolle

b) Sicherstellung der Netzunabhängigkeit der Schnittstelle

c) Adressierung der Teilnehmer

d) Datenverteilung auf die Übertragungspakete

B. HÖHERE PROTOKOLLE:

Ebene 5 (Steuerung logischer Verbindungen) wird folgende Funktionen umfassen:

a) Aktivierung und Deaktivierung von Sessions

b) Bindevorgänge

c) Dialogkontrolle

d) Checkpoint-Prüfungen und Recovery

Ebene 6 (Datenbereitstellung) mit den geplanten Funktionen:

a) Behandlung von Datenformaten

b) Datentransformationen

c) Editierfunktionen

d) Komprimierung

f) Virtuelle Terminalfunktionen

Ebene 7 (Anwendungsprozesse)

mit den Anpassungsfunktionen an die Steuermechanismen der Verarbeitungsprozesse:

a) Anwendungen und Anwendungssysteme

b) Operator-Funktionen

c) Datenbankfunktionen

Die Kontrollebenen des ISO-Architekturmodells können den verschiedenen Komponenten eines Computersystems wie folgt zugeordnet werden (Bild V).

Das ISO-Modell für die Architektur offener Kommunikationssysteme (ISO TC 97 SC 16N 227 - Reference Model for Open Systems Interconnections, 1979) gewinnt im Zusammenhang mit der Einführung eines Bildschirmtextsystems insbesondere mit der Zulassung der Möglichkeit des Anschlusses von externen Rechnern an Bedeutung. Denn hier wird im Rahmen eines offenen Kommunikationssystems die Realisierung des ISO-Architekturmodells praktisch vollzogen. In der Bundesrepublik Deutschland muß es prinzipiell zu den Pionierleistungen der Deutschen Bundespost und des Bundespostministerium gezählt werden, diesen Zusammenhang rechtzeitig klar erkannt zu haben und als Schlußfolgerung daraus eine konzeptionell einheitliche Sicht von

1. Bildschirmtext (Prestel)

2. Datenpaketvermittlung (DATEX-P)

3. Externer Rechner-Anschluß (offenes System)

4. ISO-Architekturmodell (geplant ist die Einführung der einheitlichen höheren Kommunikationskontrolle EHKP)

entwickelt zu haben. Die Entwicklungen der EHKP werden durch das Bundesinnenministerium koordiniert und vorangetrieben, wobei insbesondere die Arbeitsgruppe Datenfernverarbeitung (AG DFV) des Kooperationsausschusses Bund/Länder/Kommunaler Bereich auf dem Gebiet der automatisierten Datenverarbeitung (KoopA ADV) hervortritt. Im November 1980 wurde bereits die Version 1.1 der EHKP, Ebene 4, Basisumfang vom Bundesministerium im Rahmen der AG DFV-Arbeiten herausgegeben. Die Protokolle der Ebene 5 sollen Anfang 81 abgestimmt zur Verfügung stehen und mit der Fertigstellung einzelner Protokolle der Ebenen 6 und 7 wird noch 1981 gerechnet.

Um die Realisierung des ISO-Architekturmodells beziehungsweise der EHKP im Rahmen bestehender Computer-Systeme zu verdeutlichen, sollen die in Bild IV und V dargestellten Ebenen den Prozessen die in einem Rechnersystem ablaufen, zugeordnet werden. Dieser Zuordnung erfolgt in Bild VI, wobei die Ebenenzuteilung zu den einzelnen Hardwarekomponenten wie in Bild V für den Host-Computer mit Front-End-Prozessor gedacht werden kann. Selbstverständlich gilt prinzipiell eine analoge Ebenenzuweisung für öffentliche und private Bildschirmtextzentralen.

Der dem künftigen öffentlichen BT-System in der Bundesrepublik Deutschland zugrundeliegende Ausbau des Datex-P-Netzes hat mittlerweile, was die geographische Verteilung der bis zum Juli 1980 errichteten Datex-P-Netzknoten betrifft, den folgenden Stand erreicht:

DVST-P

(Datenvermittlungsstelle-Paket) befindet sich in Hamburg, Bremen, Berlin, Hannover, Bielefeld, Dortmund, Essen, Düsseldorf, Köln, Frankfurt/Main, Saarbrücken, Mannheim, Nürnberg, Karlsruhe, Stuttgart, Augsburg und München

DNKZ

(Datennetzkontrollzentrum) befindet sich in Düsseldorf Auslandsvermittlungsstelle befindet sich in Düsseldorf.

III. Schritte zur Realisierung der Grundkonzeption im Rahmen des Bildschirmtext-Feldversuchs

Wie in den Ausführungen in Abschnitt I und II bereits angedeutet, handelt es sich bei der Errichtung eines landesweiten und für die Zukunft vorgesehenen internationalen BT-Systems um eine in die Breite (Heimterminals) und Tiefe (ISO-Architektur) wirkende Konzeptrealisierung der Datenfernverarbeitung. Sie hat weitreichende technologische, ökonomische, soziale und ökologische Folgen. (Vermeidung von unnötigem Reiseverkehr durch Teleconferencing und Einschränkung der Papierproduktion etc.) Sollte sich die in Abschnitt II geschilderte Konzeption wie geplant realisieren lassen, so steht es außer Zweifel, daß die Schaffung eines allgemeinen, für den Bürger und für EDV-Hersteller offenen BT-Netzes die Computertechnologie und insbesondere die Technologie der Übertragungssysteme sowie die Endgerätetechnik bis zum Ende des Jahrhunderts in Atem halten wird. Der Aufbau des BT-Netzes in der beschriebenen Konzeption kann nur als großtechnisches Projekt auf lange Frist gesehen werden, etwa vergleichbar mit dem Bau des Eisenbahn-, Autobahn- oder Fernsprechnetzes in den vergangenen Jahrzehnten.

Deshalb ist die Entscheidung der DBP richtig, zunächst auf der Basis bereits bestehender Technologien im kleinen Rahmen einen sogenannten Feldversuch zu realisieren. Er besteht in der Errichtung und dem Betrieb je einer öffentlichen Bildschirmtextzentrale in Berlin und in Düsseldorf mit jeweils rund 3000 angeschlossenen Privathaushalten. Feldversuchsdauer von Mitte 1980 bis zirka Mitte 1983. Als entscheidende informationspolitische und technologische Pionierleistung der Deutschen Bundespost muß die Zulassung und Realisierung des Anschlußes von sogenannten "Externen Rechnern" bereits im Feldversuchsbetrieb angesehen werden. Das heißt die angedachte Grundkonzeption eines offenen Systems ist bereits heute in der Bundesrepublik Realität.

Da die Bildschirmtextdialoge über einen mit Zusatzeinrichtungen (Modem und Decoder) ausgestatteten Heimfernseher abgewickelt werden können und "übermäßiges Fernsehen für den Bürger als fragwürdig anzusehen ist" (Kernsatz der medienpolitischen Diskussion) hat man sich im Rahmen des Feldversuchs zu wissenschaftlichen Begleituntersuchungen entschlossen, die die sogenannte Akzeptanz des Bildschirmtextdienstes ermitteln sollen.