Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.05.1999 - 

Gerüchte um Beteiligung Microsofts an der Deutschen Telekom

Bill Gates kauft sich die Märkte für Windows CE

21.05.1999
MÜNCHEN (pg) - Microsoft forciert seine Pläne, sich international an TV-Kabelnetzen zu beteiligen. Nachdem der Softwarekonzern kürzlich beim US-Carrier AT&T einstieg, verhandelt er nun mit dem britischen Anbieter Cable & Wireless. Kontakte soll es außerdem zwischen der Deutschen Telekom und Microsoft geben. Darüber hinaus streckt Bill Gates die Fühler verstärkt nach Anbietern mobiler Internet-Dienste aus.

Nachdem Bill Gates durch die Beteiligung an Comcast sowie den Einstieg bei AT&T sein Feld im amerikanischen TV-Kabelmarkt bestellt hat, geht er nun auf internationale Einkaufstour. Am besten vorangekommen ist er dabei bisher in Großbritannien. Dem Unternehmen gehören auf der Insel bereits fünf Prozent des drittgrößten Kabelnetz-Providers NTL, und bei der Nummer zwei, der Telewest Communications Plc., steht Microsoft mit 30 Prozent im Wort.

Doch damit geben sich die Softwerker aus Redmond offenbar noch nicht zufrieden. Jetzt streben Gates & Co. in Großbritannien auch noch eine 30prozentige Beteiligung am Marktführer CWC, einer Cable & Wireless-Tochter, an. Gelingt es Microsoft, seinen Fuß auch dort in die Tür zu setzen, würde Gates mit einem Schlag im britischen Kabelgeschäft ein gewichtiges Wort mitsprechen.

Das Ziel der Microsoft-Strategen ist klar: Sie wollen mit aller Macht das Betriebssystem Windows CE weltweit als Standard auch im digitalen Fernsehen durchdrücken. Der englische Markt ist dafür von enormer strategischer Bedeutung, zumal das Unternehmen durch seine Beteiligungen die Konkurrenten America Online (AOL) und Oracle aus dem Feld schlagen kann. Beide sind Haupteigner von Network Computer Inc., das bisher das Betriebssystem für die Decoder von Telewest und CWC lieferte. Sollten sich Microsoft und Cable & Wireless handelseinig werden, dürfte das künftige Betriebssystem der Decoder Windows CE heißen. Gleiches gilt im Fall Telewest. Doch noch ist Gates in Großbritannien nicht am Ziel seiner Träume: Es bleibt abzuwarten, ob die Kartellbehörden einer derartigen Ausbreitung zustimmen.

Das Engagement im amerikanischen und britischen Markt macht aber klar, daß sich der Konzern die Verbreitung von Windows CE einiges kosten läßt. Nach Schätzungen von Experten müßte Microsoft für den Einstieg bei CWC rund vier Milliarden Dollar ausgeben, nachdem das Unternehmen an AT&T bereits fünf Milliarden Dollar bezahlt hat. Die Kosten für die Beteiligung an Telewest sind unbekannt, sollen aber zwischen zwei und drei Milliarden Dollar liegen.

Angesichts dieser Summen nimmt sich die eine Milliarde Dollar fast bescheiden aus, die Microsoft angeblich für eine Beteiligung an der Deutschen Telekom auf die hohe Kante gelegt hat. Derzeit halten sich hartnäckig Gerüchte, daß Telekom-Chef Ron Sommer mit Bill Gates in Gesprächen ist. Microsoft soll, so wird spekuliert, für die Telekom Internet-Services, Dienste für das digitale Fernsehen sowie Anwendungen für den Mobilfunk entwickeln. Bislang ist jedoch alles streng geheime Kommandosache. Beide Unternehmen weigern sich, die Gerüchte zu kommentieren. Eine Kooperation zwischen der Telekom und Microsoft käme jedoch nicht überraschend, schon gar nicht auf dem Sektor digitales Fernsehen. Beide Partner sind sich nämlich keineswegs fremd: Das Duo stellte vergangenes Jahr auf der CeBIT Home einen gemeinsam entwickelten Fernseh-Internet-Decoder mit der Bezeichnung "Web TV" vor, der den Zugang ins Internet via Fernsehapparat ermöglicht. Die Frage nach dem Betriebssystem der Set-top-Box erübrigt sich. Es heißt Windows CE.

Natürlich muß Bill Gates ein handfestes Interesse daran haben, außer in den USA und Großbritannien auch in Deutschland die Weichen auf Windows CE und das Kabelnetz zu stellen. Neben der Deutschen Bank und der West LB taucht Microsoft deshalb schon fast seit einem Jahr immer wieder als potentieller Kaufinteressent am Kabelnetz der Telekom auf. Die Bonner haben ihr Kabelgeschäft in regionale Gesellschaften aufgeteilt und halten derzeit mehr oder weniger intensiv Ausschau nach Investoren. Bill Gates käme da wahrscheinlich gerade recht.

Eine Kooperation zwischen der Telekom und Microsoft wäre dann eben nicht nur im Kabel-Business denkbar, sondern auch bei Internet- und Mobilfunkdiensten. Letztere klingen auf den ersten Blick in Verbindung mit Microsoft zwar überraschend, werden jedoch plausibel, wenn man die parallel zum Kabelnetz laufende Einkaufspolitik des Unternehmens aus Redmond betrachtet.

Der Konzern unternimmt derzeit nämlich auch starke Anstrengungen, im Internet- und Mobilfunk-Servicesektor Fuß zu fassen. Fast unbemerkt hat sich Microsoft mit 600 Millionen Dollar (4,25 Prozent) beim amerikanischen Mobilfunker Nextel eingekauft. Nextel hat sich verpflichtet, seinen Kunden das "Wireless Portal" von Microsoft anzubieten, das dieses Jahr auf den Markt kommen soll.

In Richtung Kombination von Internet und Mobilfunk zielt auch die Beteiligung Microsofts am schwedischen Unternehmen Sendit AB für 127 Millionen Dollar. Die Schweden sind auf die Entwicklung von Internet-Software für Hersteller von GSM-Handies und Netzbetreiber spezialisiert und können Microsoft mit ihrem Know-how helfen, Internet-Services in der Fläche bereitzustellen. Last, but not least hat die Gates-Company auch noch in die Firma At Home investiert, die Lösungen für den schnellen Internet-Zugang via Fernsehkabel entwickelt.