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30.11.2001 - 

Kolumne

"Bill Gates lacht"

Christoph Witte Chefredakteur CW

Wenn das kein Grund zur Freude in ansonsten finsteren Zeiten ist: Microsoft ist drauf und dran, nach der Antitrust-Klage in den USA auch noch die zu einem Sammelverfahren zusammengefassten Privatklagen fast schadlos zu überstehen. Gegen eine Sachspende im Wert von rund einer Milliarde Dollar sind die Anwälte der Kläger bereit, das Verfahren einzustellen, in dem der Gates-Company vorgeworfen wird, ihre Monopolstellung ausgenutzt und überhöhte Preise verlangt zu haben. Beendet das zuständige Gericht das Verfahren nun tatsächlich, kommt Microsoft weitgehend ungeschoren davon und kann die angekündigte Spende an bedürftige Schulen zu PR-Zwecken nutzen. Gleichzeitig würden auch die letzten paar Schüler an Microsoft-Programme gewöhnt, die bisher noch nicht mit diesen Produkten umgehen.

Microsoft könnte sich, befreit von lästigen Nebenkriegsschauplätzen, wieder beherzt seinem Hauptthema widmen: Wie lässt sich der IT-Markt so gestalten, dass Microsoft bestmöglich profitiert? Dabei strebt der Softwaregigant nicht gezielt nach einer Monopolposition, sie ist aufgrund der drückenden Übermacht im Desktop-Business einfach da - und wird wie selbstverständlich gegenüber Konkurrenten und Kunden als Hebel genutzt.

Schon seitdem die Zerschlagung des Konzerns vom Tisch ist, hat Microsoft das Gröbste überstanden. Hohe Geldstrafen und harte Auflagen wären zwar lästig und vorübergehend den Gewinnen abträglich gewesen, aber sie hätten die Kreise der Company nicht großartig gestört. Microsoft hat den PC-Markt so fest im Griff, dass Zugeständnisse in Detailfragen dem Konzern nicht wirklich wehgetan hätten.

Empfindlich getroffen hätte Microsoft ein Urteil, dass die Fähigkeit des Unternehmens beschneidet, die Zukunftsmärkte auf die gleiche Weise zu besetzen, wie es im PC-Business geschehen ist. Microsoft wäre nur dann keine Bedrohung für den freien IT-Markt mehr, wenn die Kartellbehörden dem Unternehmen verbieten würden, das Desktop-Monopol für die Eroberung des Server- und des Entwicklungs-Tool-Marktes einzusetzen. Vor allem mit Letztgenanntem und ihrer .NET-Strategie versuchen Bill Gates und Steve Ballmer, den aufkommenden Markt für Web-Services zu vereinnahmen.

Die US-Justiz - die noch klagenden Bundesstaaten übrigens ebenfalls - sind in ihrem Bemühen, Microsoft Schranken aufzuerlegen, erfolglos geblieben. Ob die EU, die ein von den USA unabhängiges Kartellverfahren betreibt, ähnlich grandios scheitert, bleibt abzuwarten. Zumindest ist das hiesige Verfahren nicht vergangenheitsorientiert. Es geht ausdrücklich auch um die drohende Monopolisierung des Server-Marktes. Aber diese Stärke ist gleichzeitig die größte Schwäche des Verfahrens. Für bevorstehende Ereignisse lassen sich schlecht Beweise finden.