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20.10.1989 - 

Funktionierender Kapitalismus in Reinstkultur

Bill Gates setzt weiter auf rigiden PC-Standard

MÜNCHEN - "Die Zukunft für PC-Betriebssysteme heißt "Windows" und "OS/2" - das ist jedenfalls die Meinung von Microsoft-Boss William H. Gates III. Kein Wunder, schließlich stellt sein Unternehmen beide Systeme her.

Im Gespräch mit den COMPUTERWOCHE-Redakteuren Michael Wojatzek und Jan-Bernd Meyer ging Bill Gates auf die aktuellen Fragen in Sachen Betriebssysteme und Personal Computer ein.

CW: Zunächst zu einem aktuellen Thema: Microsoft und Apple treten an, Adobe das Wasser abzugraben. Apples Font-Format und Microsofts Druckseitenbeschreibungssprache sollen auch bei PCs zum Standard werden. Steve Jobs glaubt, Sie wollen nur noch mehr Geld verdienen, schließlich stecke in diesem neuen Font-Standard gar keine neue Technologie.

William H. Gates III: Steve hat sich das Apple-Font-Format nie richtig angeschaut. Prinzipiell kann man sagen: OS/2 stellt schon ein sehr fähiges Grafikmodell zur Verfügung. Andere Betriebssysteme bieten das nicht. Apple hat nun im Mai ihre Royal-Outline-Fonts-Technologie angekündigt. Deren Zeichensätze sind leistungsstärker als unsere in OS/2. Wir haben uns vorher natürlich auch nach anderen Font-Formaten umgesehen. Das waren ungefähr sechzehn Stück, unter anderem die von Adobe. Aber die einzigen, deren Lösungen schnell genug waren für den Monitor und eine befriedigende Auflösung boten, waren die von Apple.

Außerdem ist das Apple-Font-Format ein offenes Format. Keiner muß uns für dessen Benutzung etwas zahlen. Es kann alle möglichen Druckertypen unterstützen, was die anderen nicht konnten. Der entscheidende Vorteil aber ist, daß jetzt sowohl der Mac als auch ein PC das gleiche Font-Format haben, was noch bis vor kurzen als unmöglich galt.

CW: Kommen wir einmal zu dem für Sie wohl wichtigsten Thema, den Betriebssystemen. Welches davon sehen Sie als das Betriebssystem der Zukunft?

William H. Gates III: Es ist jetzt soweit, daß die Benutzeroberflächen bei Windows und OS/2 identisch sind. Wenn sie einen Bildschirm vor sich sehen, können Sie nicht sagen, welches hier läuft. Beide haben diesen Macintosh-Touch. Es ist nun mal die weltweit populärste Benutzeroberfläche. Wir verkaufen mittlerweile mehr Mäuse als Apple, und Apple verkauft mit jedem Rechner eine Maus. Daraus erkennt man schon, daß die PC-Welt viel größer ist als die Macintosh-Welt. Der Macintosh ist eine tolle Maschine, wir verkaufen ja auch eine Menge Programme dafür. Aber die Hauptsache unseres Geschäftes läuft auf dem PC, und jetzt eben auf einem PC mit grafischer Benutzeroberfläche. Wir haben in diesem Bereich auch keinen Wettbewerber mehr, ich glaube GEM kann uns in Sachen grafische Benutzerführung keine Konkurrenz mehr machen.

Windows ist jetzt das wichtigste Anwender-Interface, und es ist das gleiche Interface, das IBM als "Common-User-Interface" in die SAA integriert hat. Allein dadurch hat Windows schon sehr viel Schwung bekommen.

CW: Der Mac und der PC sehen sich also immer ähnlicher.

William H. Gates III: Nun, Windows und OS/2 sehen erst einmal gleich aus. Mac und Windows sehen sich ähnlich, sie sind also nicht das gleiche. Ähnlichkeiten sind die Menüleisten am oberen Bildschirmrand, die Drop-Down-Menüs und die Fenster. Und das ist gut so. Die Anwender sollten gerade am Anfang keine Zeit mit dem Lernen von Befehlen vergeuden müssen. Sie sollten ganz einfach zwischen der Mac- und der Windows-Umgebung hin und her gehen können. Es wird natürlich auch immer Unterschiede zwischen Macs und PCs geben - beispielsweise die Tastaturen, der Bildschirm.

CW: Es gibt immer noch Anwender, die sind irritiert, was die Unterschiede zwischen Windows und OS/2 betrifft. Warum gibt es beide Betriebssysteme also Windows für DOS und OS/2, wenn sie gleich sind.. ?

William H. Gates III: Sie sind nicht das gleiche.

CW: Aber sie sehen gleich aus.

William H. Gates III: Die Sache ist die: Was identisch sein kann, ist auch identisch. Der Unterschied ist der, daß Windows für Maschinen mit einem Arbeitsspeicher von 640 Kilobytes gemacht wurde und OS/2 sich den Luxus von vier Megabyte leisten kann. Schon allein deshalb bleiben einige Features allein OS/2 vorbehalten. Darunter sind Multitasking, Multithreads, einfache Dinge wie lange Dateinamen, ein High-Performance-Bios, mehr Sicherheit und die Sache mit den Fonts, über die wir vorhin sprachen oder der große lineare Adreßraum. Im Grunde genommen ermöglicht OS/2 eben mehr, weil es aus fünf mal mehr Code besteht als Windows.

Schauen Sie sich nur mal so ein einfaches Feature, wie die langen Dateinamen an. Jeder, der das sieht, fragt sich, wie er nur so lange mit diesen verstümmelten kurzen Namen ausgekommen ist - jetzt hat er echte Freiheit auch hier.

Allein deshalb ist OS/2 das bessere System. Also: Wer weniger als vier Megabyte zur Verfügung hat, der sollte Windows einsetzen, wer vier Megabyte hat, der sollte OS/2 fahren. Unser Slogan in den USA für OS/2 heißt deshalb auch "Better DOS than DOS, Better Windows than Windows.

Natürlich ist auch wahr, daß die OS/2-Anwender noch auf viele Anwendungsprogramme, die das System voll ausnützen, warten müssen. Aber auch das geht voran. Diesen Monat kam "Pagemaker", demnächst kommt "Skygraph". Viele der populären Programme, mit Ausnahme von Dbase, gibt es bereits für OS/2.

CW: OS/2 war ja ursprünglich für den Prozessor 80286 geschrieben. Sie sagten einmal, der 286er sei tot...

William H. Gates III: Das habe ich nicht gesagt.

CW: Nach meiner Quelle hatten Sie das damit erläutert, daß dem 286er

die Paging-Möglichkeiten und die Fähigkeiten des virtuellen Modus fehlten.

William H. Gates III: Ich sagte nicht, daß die 286er tot seien. Wir haben lediglich den Anwendern empfohlen, gleich zum 386er oder 386SX zu greifen, da die Preisspanne zwischen diesen Geräten und den 286ern immer kleiner wird. Es gibt aber auch sehr preisbewußte Käufer, die beim 286er bleiben. Wer aber weiter denkt, sollte einen 386er kaufen. Das heißt aber nicht, daß der 286er tot ist.

Die Anwender können aus den 286ern immer noch eine Menge Leistung herausholen. Sie haben zwar meistens nicht genug Festplattenkapazität, um sofort OS/2 einzusetzen, deshalb werden die meisten 286er wohl unter Windows laufen. Diese Rechner bleiben von und ganz kompatibel zu den 386ern. Dafür sorgen wir mit unseren Entwicklerpaketen für OS/2, die wir, wie angekündigt, zum Jahresende ausliefern werden. OS/2 386 werden wir, wie angekündigt, Anfang 1990 ausliefern. Mittels eines kleinen Setup-Programms kann jede OS/2-Software dann an OS/2 386 angepaßt werden.

Im allgemeinen empfehle ich also die Anschaffung eines 386SX-Rechners: Die höhere Geschwindigkeit und die anderen Features rechtfertigen den Preisunterschied. Selbst Windows kann einige der Besonderheiten des 386 ausnutzen.

CW: Rund 85 Prozent der installierten Systeme sind 286er...

William H. Gates III: Ja, es sind schon eine Menge 286er da draußen. Daran denken wir natürlich auch.

CW: Wer sollte denn OS/2 mit Presentation Manger, wer sollte Windows einsetzen?

William H, Gates III: OS/2 und der Presentation Manager sind das gleiche. Sie werden in einem Paket verkauft und wenn Sie es laden, dann haben Sie beides, ohne Trennung im System.

CW: Aber das Problem mit OS/2 und Presentation Manager ist doch, daß sie noch viel mehr Speicherplatz benötigen. Für IBMs Officevision in der kompletten Ausbaustufe braucht man doch schon 14 Megabyte.

William H. Gates III: Na ja, das bleibt den Programmierern überlassen. Da hat eben jemand ein umfangreiches Programm geschrieben.

Sie können aber auch diverse kürzere andere Programme gleichzeitig unter OS/2 mit vier Megabyte laufen lassen. Und das funktioniert hervorragend. Es gibt einige Programme, wo das nicht geht. Extended Edition ist groß, Officevision ist sehr groß. Dafür müssen Sie dann eben mehr Speicher kaufen.

Bei jedem Betriebssystem gibt es größere und kleinere Programme. Unter OS/2 sollten aber im Normalfall mehrere Programme gleichzeitig in einer 4-Megabyte-Umgebung laufen.

CW: Und was halten sie vom Betriebssystem Unix für PCs oder Workstations?

William H. Gates III: Es gibt da rund 60 verschiedene Betriebssysteme, ich kenne zumindest rund 60, die sich den Namen Unix teilen.

CW: Auch Sie bieten ja ein Unix-System an.

William H. Gates III: In der Tat hat Microsoft mehr Unix-Systeme verkauft, als jeder andere Hersteller. Wir haben eine ganz spezielle Unix-Version.

CW: Das Problem ist doch: Da gibt es die PC die immer leistungsfähiger werden. Rechnerwelten wachsen zusammen. Was wird denn das Betriebssystem der Zukunft sein? Der Anwender will doch EIN Betriebssystem, EINE grafische Benutzeroberfläche für alle Arten von Rechnern.

William H. Gates III: Nein. Das wäre doch ziemlich dumm. In der Welt der Computer gibt es einmal Leute, die am Schreibtisch sitzen, dann gibt es mittelgroße Server-Systeme und Großrechner, die Mainframes.

Wozu benötigen wir den Arbeitsplatzrechner? Grafik - Geschwindigkeit - standardisierte Software.

Natürlich wäre es schön, wenn es für die Arbeitsplatzgeräte ein durchgängiges Betriebssystem gäbe. Dann kann ich irgendwo eine Diskette kaufen, sie in ein Gerät stecken und das Programm läuft. Ich muß keinen Quellcode bearbeiten. Als nächstes kann ich die gleiche Diskette in das Gerät eines ganz anderen Herstellers stecken und so weiter.

Voraussetzung dafür ist ein klar definierter Standard. Der muß für alles gelten: Für die Tastatur, für die Interrupts, für jedes kleine Detail. Das gab es nur einmal: Beim PC-Standard, einer vollkommen binärkompatiblen Welt.

Die Unix-Welt ist demgegenüber sehr differenziert. Und das in jeder nur denkbaren Richtung. Jeder einzelne Befehlssatz ist in der Unix-Welt in verschiedenen Versionen vorhanden. Wo soll man da mit Standard-Software ansetzen? Das geht einfach nicht, man kann sich nur auf dem Quellcode-Level bewegen. Ich kann doch nicht einer Sekretärin ein Programm im Quellcode geben, damit sie es erst einmal compiliert.

Als das ganze PC-Phänomen in den Jahren 1981 bis 1984 seinen Anfang nahm, wollten wir in erster Linie einen klaren Standard schaffen. Es gab natürlich auch Unternehmen, die mit eigenen proprietären Ideen auf den Markt drängten. Das waren in erster Linie die Großen, die auf ein gutes Geschäft mit proprietären Geräten hofften.

Aber glücklicherweise kamen neue, damals noch kleine innovative Unternehmen dazu, die an rigide Standards glaubten. Sie wollten nichts proprietäres hinzufügen, sondern einfach 100prozentig kompatible Geräte und Software auf den Markt bringen. Zum Beispiel Compaq. Und sie hatten Erfolg.

So um 1985 haben dann auch die Hersteller mit proprietären Standards "aufgegeben". Und auch sie trugen dann dazu bei, daß die PC-Welt zu einer Welt des echten offenen Standards wurde. So offen, daß man die Maschine irgendeines Herstellers kaufen konnte und jede PC-Software lief darauf. Das nenne ich "commodity computing". Und jedesmal, wenn Intel einen neuen, schnelleren Prozessor herausbringt, wird die Leistung des Commodity Computing größer. Jetzt sind wir mit dem 386er bei 8 MIPS und bald sind wir bei 12 MIPS. Und das alles zu einem vertretbaren Preis.

Wenn Commodity Computing einmal so ein hohes Niveau erreicht hat, kann kein Hersteller seine neuen Geräte unterhalb dieses Levels ansiedeln: Er könnte nicht die gleiche Software benutzen, wäre nicht so preisgünstig, könnte seine Geräte nicht so gut vertreiben.

Alle diese Unix-Rechner-Hersteller unterhalten riesige Entwicklungsabteilungen, in denen Verbesserungen für ihre Geräte entworfen werden. Sobald einer so eine Verbesserung hat, führt er sie ein, kümmert sich um keinen Standard und schon laufen nur die eigenen Programme darauf. Bis man diese Unternehmen einmal so weit hat, ihre Geräte nicht mehr auf eigene Faust zu verbessern und sich von ihren Software-Leuten zu trennen, solange wird es hier keinen Standard geben.

Das ist nun mal der Widerspruch dieser Unternehmen. Sie sagen sie wollen Offenheit und Standards, aber das stimmt nicht. Sie einigen sich nur auf eine kleine Grundgemeinsamkeit, auf die sie dann wieder ihre proprietären Zusätze aufsetzen. Um aber in der Welt des Commodity Computing zu überleben, muß man die Kosten so gering wie möglich halten. Man darf sich keine große Vertriebsabteilung leisten, man muß über Händler gehen. Es muß jede Menge Software für die Maschinen geben.

Die Welt verändert sich. Diejenigen, die den Schmalspur-Computer-PC auf ihrem Tisch hatten, haben aufs richtige Pferd gesetzt - nicht die mit den Workstations.

CW: Sie glauben also nicht an einen Unix-Standard?

William H. Gates III: Ich weiß nicht ob es gelingen wird, einen rigiden Unix-Standard durchzusetzen. Möglicherweise genügt den Unix-Anwendern auch ein rigider Standard auf der Quellcode-Ebene. Denn unter Unix-Anwendern ist ein Programmaustausch auf Quellcode-Level durchaus o.k.

Aber wir werden niemals 29 verschiedene Befehlssätze bei den PCs haben. Warum auch. Die Intel-Architektur wird schneller und schneller. Aus Kostengründen wird man zwar mehrere Betriebssystem-Versionen - MS-DOS 2.11 oder 3.0 oder 4.0 - fahren, die aber immer aufwärtskompatibel sind.

In der Welt der Minicomputer und Unix-Workstations ist das ganz anders. Hier ist Datenmanagement bei hoher Geschwindigkeit das Ziel, Multiprozeßunterstützung und solche Sachen. Hier muß sich das Betriebssystem an die Standard-Protokolle halten: SQL oder X.400 und so weiter. Und das ist etwas ganz anderes. Hier brauche ich auch keine grafische Benutzeroberfläche. Der Mini soll ja vom Desktop aus kontrolliert und überwacht werden.

Und der Mainframe schließlich muß sich mit Massen von Daten herumschlagen. Da sollte man doch ein Betriebssystem einsetzen, das genau darauf spezialisiert ist. Keine Zeile des Programmcodes ist da so wie bei den Betriebssystemen von Mikros und Minis.

CW: Unsere Frage betraf aber nur Workstations und PCs. Diese beiden Welten scheinen doch zu verschmelzen.

William H. Gates III: Nun ja. Das ist auch eine einseitige Sicht der Dinge.

Blicken wir doch mal fünf Jahre zurück: Damals ermöglichten PCs Singletasking, keine Grafik, hatten wenig Speicher und waren langsam. Und doch wurden auf eine Workstation 1000 PCs verkauft.

Jetzt haben wir PCs mit Multitasking, Multithreading, Grafik, 32 Bits, sogar mit mehr Leistung als Workstations - der PC wird immer besser und die Leute sagen "Die Workstation macht dem PC Konkurrenz". - Aber warum hat sie das nicht schon vor fünf Jahren gemacht?.

Damals waren die PCs wirklich schwach und trotzdem haben wir viel mehr Systeme verkauft. Jetzt haben wir Rechner, die an die Workstationleistung herankommen. Warum greifen sie uns erst jetzt an, das ist doch kaum zu glauben.

Die Menge an PC-Software ist jetzt schon unvorstellbar groß. Um gegen die PCs zu bestehen, müssen die Workstations immer einen Level mehr an Performance bieten, als es gerade der neueste Intel-Chip bietet. Denn sobald so ein Prozessor herauskommt, sitzt schon irgendwo jemand - sei es in Taiwan oder sonstwo -, der ihn in ein schönes Gehäuse steckt und an die Händler schickt. Das ist eben wirkungsvolles Marketing, funktionierender Kapitalismus in Reinstkultur: Billige Rechner für den Massenmarkt. Und das alles ohne riesige Summen für Forschung und Entwicklung oder Vertriebsorganisationen. Das ist nach meiner Meinung das Tollste, was in der Computerwelt je passiert ist. Und nur dadurch konnte sich eine profitable Software-Industrie etablieren.

Und jetzt wollen die unter dem Unix-Banner das gleiche machen? Keiner der Hersteller kann das wirklich wollen, sie können dann doch nicht mehr im Geschäft bleiben. Wollen das Hewlett-Packard und Siemens und wie sie alle heißen, wirklich? Ich bin mir da nicht so sicher.

CW: Kommen wir zu den PCs zurück. Sie sagten, Standards waren das beste, was den PCs je passieren konnte. Wird es diese wunderbare Welt der Standards auch mit IBMs PS/2-Serie geben?

William H. Gates III: Natürlich. Ich kann jetzt schon Disketten zwischen DOS- und PS/2-Rechnern austauschen. Ich habe die MS-DOS-Lizenz an rund 200 Unternehmen vergeben und alle können DOS- und OS/2-Disketten austauschen. Außerdem lassen sich fast alle Rechnerhersteller mittlerweile auch OS/2 lizenzieren.

Und was die Hardware betrifft: Der Bus hat keine Auswirkung auf die Software-Kompatibilität. Die Diskette kann zunächst nicht erkennen, welcher Bus in dem Rechner ist. Die Stärke der PC-Welt wird von dem Gerangel um die Bussysteme überhaupt nicht eingeschränkt. Mir ist es vollkommen egal, welchen Bus der einzelne Hersteller einsetzt. Davon wird kein einziger Befehl betroffen, sei es innerhalb von OS/2 oder einem Anwenderprogramm. Im schlimmsten Fall müßten in einem Unternehmen, das EISA- und Mikrokanal-Rechner einsetzt, die doppelte Menge an Ersatz-Zusatzkarten bereitgehalten werden.

CW: In letzter Zeit gibt es ein neues Schlagwort den "Multimedia-Rechner". Haben hier nicht Macintosh-Systeme einen großen Vorsprung? Sie können von Haus aus Musik

verarbeiten, Grafiken erstellen. Wo sehen Sie die Zukunft der Multimedia-Rechner? Werden hier Apple oder Next-Rechner den kompatiblen PCs den Markt streitig machen?

William H. Gates III: Unsere Strategie ist da sehr einfach: Wir verbessern den PC einfach in Richtung Multimedia. Da ist einmal eine verbesserte VGA-Version mit 8 Bit pro Pixel, verbesserte Soundfähigkeit und Standards für neue Massenspeicher wie CD-ROM. Wir werden versuchen, so etwas als Standard zu etablieren. Im vergangenen März bei der Micrososft-CD-ROM-Konferenz haben IBM und Microsoft das bereits angekündigt. Es soll ein offener Standard werden, der allen PC-Herstellern zugänglich sein soll. Wir müssen bei der Kompatibilität da gar keine Einschränkungen machen.

Natürlich haben Sie recht, daß auch Apple sich in diese Richtung bewegt. Bisher ist bei den Apple-Rechnern die Soundfähigkeit und die Grafik besser, ihr CD-ROM ist aber noch sehr teuer. Aber das ist schon toll, daß jetzt alle in Richtung Multimedia gehen. Beide Desktop-Standards - Apple und DOS - werden wohl Multimedia-Möglichkeiten bieten. Wer zuerst ans Ziel kommt, weiß ich nicht. Aber wir entwickeln für beide Seiten, weil wir an beide Standards glauben. Vielleicht engagieren wir uns ein wenig mehr auf der IBM-Seite, weil wir hier auch die Systemsoftware geschrieben haben. Deshalb glaube ich auch, daß die IBM-Seite etwas schneller sein könnte.

CW: Sie meinen also, daß die Verbreitung von IBM-PCs und der Kompatiblen im wesentlichen von Multimedia nicht betroffen wird.

William H. Gates III: Doch, sie müssen einige neue Features hinzufügen. Das heißt aber nicht, daß die Kompatibilität verloren gehen wird. Besseres Video, besserer Sound und mehr Speicher werden dem bedeutendsten Computerstandard aller Zeiten schon nicht die Grundlagen nehmen.

Wenn Apple zuerst in diese Richtung durchbrechen wird, mag das schon Auswirkungen auf den PC-Markt haben. Apple hat ja auch als erster die grafische Benutzerführung gehabt. Und erst jetzt sieht Windows auf VGA-Maschinen ganz genauso aus, OS/2 ja auch. Jetzt ist Apple unter Druck, seinem Ruf als innovatives Unternehmen gerecht zu werden. Ein neues Betriebssystem für Multimedia brauchen wir jedenfalls nicht. Das würde sich nicht lohnen. Es ist doch ganz einfach, das was wir haben, zu erweitern.

Die schöne, heile Welt des Bill Gates

Für den Chef von Microsoft sind die Grabenkämpfe der PC-Branche ausgestanden. Grafische Benutzeroberflächen gibt es nach seiner Weltsicht zwei: Windows auf DOS und OS/2 mit dem Presentation Manager. Wettbewerber Digital und dessen GEM? Keine Konkurrenz! Postscript? Haushoch unterlegen! Unix auf PCs? Keine Einheitlichkeit. Das kann keiner wollen. Nur Unternehmen, die an rigide, will meinen ihre Standards, glauben, haben Erfolg. Wie Microsoft. Workstations contra PCs? Was kann schon eine Sun gegen Power aus dem PC-Tower? Ein Desktop von Big Blue, das mit Windows oder OS/2 dazu. Von Microsoft noch ein paar Applikationen. Mehr braucht man nicht im real funktionierenden Kapitalismus der PC-Welt. Schön wär's, Bill Gates.