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Der Softwaremilliardär hat Kreide gefressen


18.09.1998 - 

Bill Gates will in Europa einen guten Eindruck hinterlassen

"Der PC wird weiter an Bedeutung gewinnen. Er wurde vor zwei Jahren unterschätzt, und er wird auch heute nicht ernst genug genommen", trumpfte Gates auf dem IT-Forum der International Data Corp. (IDC) in Paris auf. Der Microsoft-Gründer lehnte jegliche Fragen zu den Monopolvorwürfen der amerikanischen Justiz ab und lenkte statt dessen die Aufmerksamkeit auf den Network Computer (NC), der seiner Ansicht nach nie aus den Startblöcken gekommen ist.

Gates verteilte verbale Ohrfeigen an die Wettbewerber aus dem NC-Lager, allen voran an Oracle-Chef Larry Ellison, der vor zwei Jahren am gleichen Ort in aggressiver Manier das Ende des PCs vorausgesagt hatte. Der NC habe sich nicht durchgesetzt, so Gates, auch das Java-Konzept werde sich nicht in dem Maße behaupten, wie von Sun Microsystems, IBM, Netscape und Oracle prophezeit.

Die Vielfalt der bestehenden Anwendungen sei der wichtigste Hinderungsgrund für ein Durchstarten von Java. Niemand glaube ernsthaft, daß Unternehmen damit begännen, alle ihre Anwendungen in eine einheitliche Sprache zu transferieren. Auch seien die Unterschiede der Middleware-Plattformen von Sun, Oracle, Netscape oder IBM so gravierend, daß von einer homogenen Umgebung im Java-Umfeld nicht die Rede sein könne.

Hersteller wollen sich differenzieren

Es sei eine Illusion zu glauben, daß eine einmal in Java geschriebene Applikation auf jedem Rechner mit einer universellen Virtual Machine ablaufen könne. Wer das wolle, bringe die Anwender um die Chance, die Vorteile unterschiedlicher Rechnerplattformen auszuschöpfen. Differenzierung habe schon immer im Interesse der Anbieter gelegen - das werde auch so bleiben.

In eine andere Richtung lenkten die Besucher der European Technology Roundtable Exhibition (Etre) in Lissabon die Diskussion. Auf die Frage nach Microsofts Grenzen antwortete Gates, sein Unternehmen werde definitiv keine betriebswirtschaftliche Standardsoftware für Unternehmen entwickeln. Vielmehr laufe alles darauf hinaus, daß Office-Programme von Microsoft eng mit Applikationen wie R/3 von SAP verschmolzen würden. Die Bürosoftware könne als Schnittstelle zu Enterprise-Resource-Planning-(ERP-)Systemen dienen. "Meine Definition eines Office-Pakets ist viel breiter, als viele Leute meinen. Wir werden aber nichts unternehmen, was uns zu einem ERP-Anbieter machen würde."

Nicht in Frage kommt für Microsoft auch ein Engagement als IT-Dienstleister. Natürlich werde die Softwareschmiede ihren Kunden Support bieten und dafür sorgen, daß die Produkte laufen und in die Unternehmens-DV integriert werden. Aber eine Service-Company, wie sie Compaq durch die Übernahme von Digital Equipment werden wolle, strebe Gates nicht an.

Die lockere, fast heitere Diktion, in der Bill Gates Fragen beantwortete, fiel Zuhörern und Referenten gleichermaßen auf. Edward Iacobucci, Gründer und Chairman der Citrix Corp., mutmaßte, daß sich der Softwarekrösus aufgrund der laufenden Ermittlungen weniger aggressiv geben wolle. John Gage, Chefwissenschaftler von Sun Microsystems, spöttelte: "Gates wird endlich erwachsen. Das ist für uns alle gut." Man merke, daß Gates hart dafür trainiert habe, bei den Ermittlungsbehörden einen positiven Eindruck zu hinterlassen.