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21.05.1999 - 

Fachliteratur/"Auch Führungskräfte sollten E-Mails lesen"

Bill Gates wirbt für sein digitales Nervensystem

*Von Inge Steutzger Bill Gates strapaziert seinen eigenen, etwa zwei Jahre alten Marketing-Slogan vom "digitalen Nervensystem", um zu zeigen, daß er inzwischen die Internet-Lektion gelernt hat. Über die Java-Auseinandersetzungen mit Sun oder das Antitrust-Verfahren verliert er hingegen kein Wort.

Nach dem ersten Buch "Der Weg nach vorn", das durch die Fehleinschätzung des Internet glänzte, wartet Bill Gates erneut mit einem fast 500 Seiten starken Schmöker auf. Er wendet sich darin an Manager auf allen Führungsebenen. Streckenweise wartet das Buch aber mit Binsenweisheiten aus Management-Ratgebern auf: "Machen Sie schlechte zu guten Nachrichten", "setzen Sie neue Kräfte frei" und vor allem "seien Sie als erster am Markt", rät Gates.

Dreh- und Angelpunkt ist das Schlagwort vom "digitalen Nervensystem", das jedes Unternehmen benötigt. Es sorgt für "einen einheitlichen Informationsfluß zur richtigen Zeit an die richtige Stelle".

Mit seiner Hilfe können Führungskräfte schneller schwierige Fragen beantworten: Wie beurteilen die Kunden Produkte oder Dienstleistungen? Welche Märkte gehen verloren und warum? Gibt es entscheidende Wettbewerbsvorteile? Anhand seines eigenen Unternehmens präsentiert der Milliardär Beispiele: So konnte durch die Einführung elektronischer Fomulare der Papierkram drastisch reduziert werden. Mittlerweile kommt das Unternehmen mit 60 Formblättern aus, früher gab es über 1000.

Gates berichtet außerdem über Gespräche mit Entscheidern. Beispielsweise gibt er eine Unterredung mit dem Aufsichtsrat einer deutschen Großbank wieder. Dieser zeigte sich eher skeptisch, bis Gates ihm die große Bedeutung digitaler Transaktionen erläuterte. Zu guter Letzt empfahl er den Managern, sich rechtzeitig an die neue elektronische Welt zu gewöhnen: Sie sollen E-Mail nutzen und Web-Seiten der Konkurrenz aufrufen.

Auf das Netz der Netze setzt mittlerweile auch Microsoft ganz und gar. Gates zitiert eine Untersuchung des amerikanischen Wirtschaftsministeriums von 1998, die nachweist, wie das Internet kommerzielle Transaktionen verbilligt: beispielsweise die Buchung von Flügen, Bankgeschäfte oder Versicherungsleistungen.

In den Genuß all dieser Vorteile kommen bevorzugt jene, die die richtige DV-Strategie einschlagen. Der vertikale Ansatz, bei dem Hersteller ihre Kunden mit Komplettlösungen aus Hard- und Software bedienen wollen, ist nach Meinung von Gates ungeeignet. Dieses Konzept sieht er zukünftig abgelöst von der horizonalen Ausrichtung, die - wen wundert''s - auf die PC-Technologie abgestimmt ist. Dort kommen typischerweise Hardware, Betriebssystem und Anwendungen nicht aus einer Hand - das ist gut, solange die beiden letzteren von Microsoft stammen. Darauf jedenfalls laufen die Lobpreisungen von Multi-Vendor-Modellen hinaus: "Ein wichtiger Erfolg beim horizontal orientierten Ansatz ist die Computerarbeit mit Windows. (...) Standardisieren Sie Ihre digitalen Prozesse", ermuntert Gates die Leserschaft, aber bitteschön mit Windows-basierten PCs. Ob sie ihm folgen wird?

Bill Gates: Digitales Business. Wettbewerb im Informationszeitalter. München: Heyne 1999. 488 Seiten, 48 Mark.

*Inge Steutzger arbeitet als freie Autorin in München.