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21.10.1994

Bill "the Wolf" im fremden Revier

Ausgerechnet im verflixten siebten Jahr reisst die IBM ihr Sorgenkind OS/2 aus dem Schlaf. Seit November 1987 schlummerte die GUI-Schoenheit jedenfalls mehr oder weniger unbeachtet vor sich hin. Eine kurzfristig aus dem Boden gestampfte, 40 Millionen Dollar teure Werbekampagne soll das 32-Bit-Betriebssystem der ersten Stunde jetzt schnellstmoeglich zu Kraeften kommen lassen, zumal der Wolf aus Redmond wahrscheinlich ab Mai naechsten Jahres wieder auf Beutefang im Revier der PC-Anwender geht.

Doch der Muntermacher fuer OS/2 erfolgt zu spaet. Selbst ein eilig geschnuertes Bonuspaket wird potentielle Microsoft-Kunden voraussichtlich nicht aus dem Bannkreis des Raubtiers locken. Mit ungezaehlten Anzeigen in Zeitschriften und Werbespots zu besten TV- Sendezeiten versucht IBM, sein Betriebssystem nun dem Massenmarkt schmackhaft zu machen, bevor Bill Gates sein Pendant, Windows 95, praesentiert.

Dabei ist es ist nicht das erste Mal, dass Big Blue seinem Desktop- Schuetzling auf die Beine helfen will. Schon vor einigen Monaten haben IBMs Entwickler beispielsweise mit einer Windows-tauglichen OS/2-Version versucht, dem Rivalen aus Redmond Marktanteile abzuluchsen. Aber langjaehrige Entwicklungs-Erfahrungen, wie sie in Windows einflossen, sind nicht innerhalb weniger Wochen nachholbar. Vor allem hat Big Blue die Tatsache vernachlaessigt, dass auch das Gros der Applikationshersteller OS/2 links liegen liess. Integrierte Multimedia-Tools, einbebaute Online-Zugaenge, kostenlose Buero-Suite - was helfen die schoensten Add-ons, wenn es den externen OS/2-Applikationen schlichtweg an akzeptabler Funktionalitaet und der zugehoerigen Performance fehlt? Selbst 400 Millionen Werbe-Dollars der IBM koennten diesen Mangel nicht beheben - zumindest nicht in einem halben Jahr.

Bill "the Wolf" Gates hat keineswegs Kreide gefressen. So harmlos und brav gekaemmt, wie ihn die IBM in ihren OS/2-Anzeigen gerne darstellt, ist er beileibe nicht. Waehrend IBM-Boss Gerstner immer noch an fuenf Millionen verkauften OS/2-Kopien knabbert, hat das Raubtier aus Redmond bereits das Zehnfache verschlungen. Und es ist noch lange nicht satt. Jetzt ist das seit mehreren Jahren ureigene Jagdgebiet der IBM dran: Microsoft wird auch im 32-Bit- Revier wildern.