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05.07.1996 - 

Escom, Vobis und Co. haben bei Profis keine Chance, Teil 2 und Schluß

Billig-PCs sind für Unternehmen keine Alternative

Kommen Billig- und Consumer-PCs bei kleinen und mittleren Unternehmen noch gelegentlich zum Zuge, so haben sie in großen Konzernen kaum eine Chance. "Wir haben Discounter gelegentlich in der Ausschreibung berücksichtigt, um dem Vorwurf zu entgehen, wir würden den Markt nicht genau beobachten", schildert der Chef des Benutzerservice-Zentrums eines großen Versicherungskonzerns. "Letztendlich waren diese Anbieter aber nicht professionell genug, im Business-Bereich Geschäfte abzuschließen."

Diese Hersteller scheitern nach den Erfahrungen des PC-Spezialisten oft schon an der sachgemäßen Abwicklung einer großen Ausschreibung. Fordere man eine Generalunternehmerschaft, zeigten sich sehr schnell die Grenzen der Handelsketten. Dennoch müsse man sich mit diesem Thema immer wieder beschäftigen, weil interne Kunden keine langen Lieferzeiten akzeptierten und forderten: "Kauft doch bei Vobis oder Escom um die Ecke."

Aus Gründen der "Produktharmonie" setzt der Versicherer ausschließlich Marken-PCs ein. Als OS/2-Anwender sei man besonders darauf angewiesen, identische Bausteine in den PCs zu verwenden. Große Bedeutung hätten aber auch sicherheitstechnische, ergonomische und ökologische Anforderungen, die von Marken-PCs angeblich besser erfüllt werden. "Für CE-Konformität, Recycling-Fähigkeit oder die Garantie, daß keine FCKW-haltigen Komponenten verwendet werden, geben wir gerne ein paar Mark mehr aus", betont der PC-Spezialist. Von Bedeutung seien aber auch die Zertifikate großer Hersteller wie Microsoft oder Novell, die letztendlich Betriebssicherheit gewährleisteten.

Auch die Klöckner & Co. AG in Duisburg legt Wert auf Qualität. Wolfgang Scheidt, Leiter des Informations-Managements in der Klöckner-Holding, hat sich zwar Gedanken über Billig-PCs gemacht, will aber doch bei Markenprodukten bleiben. Er fürchtet eine geringere Zuverlässigkeit der Discounter-Ware und sorgt sich außerdem, nicht die benötigten Garantieleistungen zu bekommen.

Bei den Marken-PCs habe man inzwischen ebensowenig wie bei No-names die Sicherheit, identische Bausteine - etwa eine Platine - nach einem Jahr nachbestellen zu können. Das funktioniere oft schon nach einem Monat nicht mehr. Bei den Anbietern von Marken-PCs erhalte man aber eine Garantie von mehreren Jahren. Scheidt fürchtet auch, daß er mit seinem Serviceleister Schwierigkeiten wegen der Servicelevel-Vereinbarungen bekommt, wenn er einen Vobis-PC ins Netz hängt. Da die Ersatzteilbeschaffung aufwendiger sei, werde der Support sicher teurer.

Diese Befürchtungen sind berechtigt. Die Compunet AG in Köln beispielsweise, selbst Lieferantin von Marken-PCs, ist nicht daran interessiert, mit einem Unternehmen Servicelevel-Vereinbarungen zu treffen, das No-Name-PCs einsetzt. Solchen Kunden Garantie zu geben wäre riskant, da man nicht wissen könne, ob sich innerhalb eines akzeptablen Zeitraums passende Ersatzteile beschaffen ließen, erklärt Karl-Peter Büscher, einer der geschäftsführenden Gesellschafter.

All die Firmen, die vor ein bis zwei Jahren No Names gekauft hätten, stünden jetzt vor dem Problem, für ihre heterogene Umgebung einen akzeptablen Service zu bekommen. Compunet biete in diesen Fällen allenfalls Übergangsverträge, nach denen die Kunden deutlich höhere Gebühren für die Pflege dieser Rechner bezahlen müssen. Außerdem werden in der Regel Migrationsvereinbarungen getroffen: Die Kunden erklären darin, mittelfristig auf einen Marken-PC von Compunet oder einem anderen Anbieter zu wechseln.

Büscher bestätigt, daß Gerling und Klöckner mit ihrer kritischen Haltung gegenüber Billigware keineswegs eine Ausnahme darstellen. Compunet mache mit mehr als 70 Prozent der 1500 größten deutschen Unternehmen Geschäfte - "weder Vobis noch Escom sind in diesen Unternehmen hoffähig". Das liegt laut Büscher nicht so sehr an Problemen wie der mäßigen Liefermoral oder den Inkompatibilitäten der Bauteile. Grund sei vielmehr das Interesse der Kunden, mit einem professionellen Anbieter in puncto Help-desk, Call-Annahme etc. zusammenzuarbeiten. Sowenig, wie sich Compunet im Consumer-Markt zurechtfinde, sowenig kämen die Discounter mit professionellen Kunden klar. Betriebssicherheit sei für diese Kunden das A und O.

Der Kaufpreis ist zweitrangig

Entscheidend ist es, so Büscher, vereinbarte Servicelevels erfüllen zu können. Professionelle Anwender bräuchten einen Partner, der seine Kunden je nach Vertrag in drei, sechs oder zwölf Stunden bedienen könne. Wichtig sei es, den laufenden Betrieb sicherzustellen - fällt der Rechner aus, entstehen Kosten.

Laut Büscher macht der Anschaffungspreis für einen PC nur rund 15 Prozent der Gesamtkosten aus, die über einen Abschreibungszeitraum von vier Jahren auflaufen. Der Rest entfalle auf Aufgaben wie Einrichtung, Wartung, Mängelbeseitigung, Schulung etc.

Compunet bietet im Unterschied zu reinen Dienstleistern wie EDS oder Debis Systemhaus auch selbst PCs an - und zwar ausschließlich Markenware von IBM, Compaq, Hewlett-Packard und Siemens-Nixdorf, sowie Toshiba-Laptops. Bei diesen Herstellern sei sichergestellt, daß die Logistik funktioniere, so Büscher, ferner gebe es Ersatzteile und Tools für die Netzverwaltung. Besteht ein Kunde darauf, No-Names in sein Netz zu integrieren, bekommt er Schwierigkeiten mit dem Service-Provider.