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18.01.2002 - 

US-Firmen müssen erstmals Wertverluste von Akquisitionen ausweisen

Billionenloch durch neuen Bilanzstandard?

MÜNCHEN (CW) - Finanzexperten sehen in der spektakulären Summe von 40 bis 60 Milliarden Dollar Goodwill-Abschreibung, die AOL aufgrund der Fusion mit Time Warner im ersten Quartal plant, nur die Spitze des Eisbergs. Nach Schätzungen werden US-amerikanische Firmen 2002 insgesamt über eine Billion Dollar als einmalige Sonderausgaben ausweisen.

Grund für die Abschreibungen in Rekordhöhe sind die seit dem 1. Januar gültigen Bilanzierungsmethoden Financial Accounting Standard (FAS) 141 und 142. Diese verpflichten US-Unternehmen ab sofort jedes Jahr den gesamten Wertverfall ihres Goodwills abzuschreiben. Goodwill entsteht, wenn der Käufer bei einer Firmenübernahme mehr als die Höhe der jeweiligen Marktkapitalisierung bezahlt. Damit honoriert er in der Regel immaterielle Werte wie beispielsweise ein funktionierendes Management, eine Marktposition oder hohe Wachstumsraten. Besonders während des Dotcom-Booms wurden Firmen häufig extrem phantasievoll bepreist, obwohl sich dahinter oft nur ein kleines Management-Team mit einer zweifelhaften Geschäftsidee verbarg.

Bislang konnten Unternehmen die Ausweisung von Wertverlusten infolge der gesunkenen Marktkapitalisierung über 40 Jahre strecken und allmählich abschreiben. Außerdem gab es Lücken, die es gestatteten, vergangene Überbewertungen komplett zu vertuschen. Damit ist es nun vorbei. Solange der konsolidierte Goodwill stimmt, können ihn die Firmen in ihren Bilanzen führen. Unterschreitet der Wert jedoch die Marktkapitalisierung, müssen sie die Verluste sofort ausweisen. Allerdings ist es den Unternehmen nun möglich, ihren Firmenwert in einem Jahr erheblich niedriger zu bewerten und höhere Goodwill-Abschreibungen als erforderlich vorzunehmen, um im Folgejahr besser dazustehen.

Mehr Klarheit für den AnlegerAnalysten befürchten, dass viele IT-Companies dieser Versuchung unterliegen und auf diese Weise in diesem Jahr insgesamt bis zu einer Billion Dollar abschreiben. Sicher ist jedoch, dass den Anlegern mit der neuen Methode erstmals klar vor Augen geführt wird, wie viel Geld bei fragwürdigen Firmenkäufen im IT-Sektor in den Sand gesetzt wurde.

Ähnliche Korrekturen wie AOL Time Warner - jedoch in kleinerem Umfang - nahmen im vergangenen Jahr etwa bereits Nortel, AMD und JDS Uniphase vor. Bei allen dreien lag die Höhe der Goodwill-Abschreibungen im Zehn-Millionen-Dollar-Bereich. Weitere Kandidaten in der IT-Branche, von denen noch in diesem Jahr eine hohe Wertberichtigung zu erwarten ist, sind AT&T, Qwest oder Worldcom.

Der zweitgrößte US-Carrier bezifferte in seinem letzten Quartalsbericht den Firmenwert und andere immaterielle Vermögenswerte auf 50,8 Milliarden Dollar. Die Marktkapitalisierung des Konzerns liegt jedoch nur bei 42,7 Milliarden Dollar.

Bislang hüten sich jedoch die meisten Konzerne mit hohen Goodwill-Verlusten in ihren Büchern davor, einen drohenden Handlungsbedarf zuzugeben. Nach Recherchen des "Wall Street Journal" haben bislang von den 30 Unternehmen im Dow Jones Industrial Index nur sechs - darunter IBM und Microsoft - erklärt, sie seien von etwaigen Wertberichtigungen nicht betroffen. (mb)