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11.06.1999 - 

Nach dem Börsengang soll die Expansion vorangetrieben werden

Bintec: Lukrative Nische im Markt der weltweiten Router-Giganten

Von Andrea Goder* NÜRNBERG - Kräftige Wachstumsimpulse erwartet sich die Bintec Communications AG aus dem im März 1999 erfolgten Börsengang. Mit der gefüllten Unternehmenskasse will der noch verhältnismäßig kleine Anbieter von Remote-Access-Lösungen vor allem die bislang vernachlässigten Auslandsaktivitäten ankurbeln und seine Position gegenüber den starken US-Wettbewerbern festigen.

Vor die Wahl gestellt, träfe Gregor Krawczuk im Prinzip die gleiche Entscheidung sofort wieder: "Wir würden auch heute so früh wie möglich Venture-Capital-Geber an Bord holen", bekräftigt der Vorstandsvorsitzende, der 1989 das Unternehmen gemeinsam mit einem Partner in Nürnberg gründete. Die damalige Bintec Computersysteme GmbH begann mit der Entwicklung und Vermarktung von ISDN-Connectivity-Software für Unix-Umgebungen. Mit Advanced European, Atlas Venture und Innovacom 2 kauften sich dann seit 1996 bis dato drei VC-Gesellschaften mit insgesamt 40 Prozent in das Unternehmen ein (Anteil nach dem IPO 23,4 Prozent). In der Firmengeschichte hätte das Kapitel Wachstum jedenfalls nicht ohne die Risikofinanciers aufgeschlagen werden können. Auch der Break-even wäre womöglich nicht in dem vorgelegten Tempo erreicht worden und der eigenen "Story", die für das Listing am Neuen Markt ausschlaggebend war, haben die schwarzen Zahlen auch nicht geschadet.

Noch vor zwei Jahren schrieb Bintec rote Zahlen. 1998 konnte dann bereits ein Plus von 713 000 Mark verbucht werden. Parallel dazu ging es mit dem Umsatz nach oben. Nach 19,3 Millionen Mark in 1997 gelang den Franken im letzten Geschäftsjahr ein Sprung von 82 Prozent auf 35,2 Millionen Mark (siehe Abbildung). Das erste Quartal 1999 konnte das Unternehmen mit einem Umsatz von 10,6 Millionen Mark und einem Gewinn von 66500 Mark abschließen.

Mit der Entwicklung von Produkten für die Sprach- und Datenintegration bewegen sich die Börsen-Newcomer, die derzeit rund 140 Mitarbeiter beschäftigen, in einem Markt, der nach den Worten des Vorstands eigentlich "noch in den Kinderschuhen" steckt. Branchenkenner räumen diesem IT-Segment jedoch enorme Wachstumschancen ein. Zum Portfolio des Unternehmens gehören bislang drei Produktreihen: Der Bereich "Corporate Access" umfaßt Lösungen für Unternehmenszentralen und Internet Service Provider. Produkte der Sparte "Workgroup Access" kommen bei der Vernetzung von Filialen zum Einsatz. Stärkste Produkt-Division ist jedoch mit 54 Prozent Anteil am Umsatz der Bereich "Personal Access". Im Mittelpunkt stehen hier Lösungen für die Vernetzung sogenannter Small-Office-and-Home-(Soho-) Arbeitsplätze.

Sämtliche Produkte (in erster Linie Multiprotokoll-Router, Kommunikations-Server, CTI-Lösungen samt entsprechender Software) basieren auf der plattformunabhängigen "Bintec Advanced Network Communication Architecture" (Bianca). Zu den wichtigsten Anwendungsgebieten gehören Netzverbindungen (LAN-LAN), Lösungen für interne und externe Netze (LAN-WAN) sowie Intranet/Internet-Zugänge. Damit operieren die Nürnberger in einem Terrain, das nicht nur von immer kürzeren Produktzyklen, sondern auch von starken Wettbewerbern beherrscht wird. Schlagkräftige US-Anbieter wie Cisco Systems, 3Com und Nortel beispielsweise, die Giganten der weltweiten Netzwerkszene also. Direkte Konkurrenten im Remote-Access-Geschäft sind ferner Lucent Technologies, Intel/Shiva sowie ACC/Ericsson.

Einer Dataquest-Studie zufolge belegte Bintec trotzdem im ersten Halbjahr 1998 in Deutschland beispielsweise im Bereich Access-Router mit einem Marktanteil von 15 Prozent Platz zwei hinter Branchenprimus Cisco (44 Prozent). In Europa kam Bintec den Auguren zufolge nach Cisco, 3Com und Nortel auf Rang vier. Allerdings ist der Marktanteil der Franken in diesem Segment mit insgesamt drei Prozent beziehungsweise drei Millionen Mark Umsatz noch verschwindend klein. Das hat seinen Grund. Erst 1998 und damit verhältnismäßig spät begann das Unternehmen mit dem Aufbau von Geschäftsaktivitäten im Ausland, zunächst in Österreich, der Schweiz, Großbritannien sowie den Niederlanden.

Dieses Versäumnis gilt es jetzt wettzumachen. "In Großbritannien und Frankreich steht der ISDN-Markt erst am Anfang. Der vor drei Jahren in Deutschland einsetzende Boom wiederholt sich jetzt in diesen Ländern", gibt sich Krawczuk, der auch die vorhandenen Distributionskanäle zügig ausbauen will, überzeugt. Durch Kooperationen mit nationalen TK-Gesellschaften wollen die Remote-Access-Spezialisten demnächst auch in Frankreich, Portugal, Spanien, Skandinavien und Italien Fuß fassen. Zielmärkte sind neben Osteuropa auch Südostasien, Korea und Japan. Den US-Markteintritt schiebt Krawczuk dagegen noch vor sich her. "Das wird in den kommenden drei Jahren kaum machbar sein", zeigt er sich angesichts der schwierigen Wettbewerbssituation in den USA realistisch.

Um die Marktpräsenz zu steigern, gehören auch Akquisitionen zu den Planungen der Nürnberger. Allerdings nur dann, wenn mit der Übernahme ein wie auch immer gearteter Zugewinn an Technologie verbunden ist. "Unser Ziel ist es nicht, einfach nur Umsatz zuzukaufen", so Krawczuk. Erklärtes Ziel sei es vielmehr, in bestimmten Sparten "technologisch zu den Pionieren zu gehören und Nischenmärkte zu besetzen", beschreibt der Bintec-Chef die strategische Stoßrichtung. Mit anderen Worten: Man kokettiert mit einer vermeintlichen Technologieführerschaft. Schon heute sehen sich die Franken jedenfalls bei Netzkomponenten, die sowohl Sprache, Bilder und Daten in einem System zusammenfassen, als führender Anbieter. Die auf der CeBIT ''99 vorgestellte Produktfamilie "Xcentric" integriert zum Beispiel Anwendungen wie Telefonie, Remote Access, Internet und Fax in einer Box. Unter dem Begriff "Service Integrated Networking" will man sich deshalb auch in Zukunft auf die Entwicklung solcher einheitlicher Architekturen konzentrieren.

Wachstumspotential bergen den Franken zufolge überdies die Bereiche E-Commerce und Internet-Telefonie. Wichtige Themen sind denn auch die Integration von Sprach-, Fax- und Videodiensten ins Internet sowie Verschlüsselungstechnologien für E-Commerce-Anwendungen.

Für 1999 erwartet Dataquest ein Wachstum im Remote-Access-Markt von rund 25 Prozent. Die Analysten der Commerzbank gehen für die Bintec-Umsätze sogar von noch deutlich höheren Steigerungsraten aus. Nach einem Umsatzplus von 76 Prozent auf rund 62 Millionen Mark für 1999 werden im Jahr 2000 bereits 90 Millionen Mark erwartet. Im gleichen Zeitraum will Bintec auch beim Gewinn entsprechend draufsatteln: von 1,8 Millionen auf dann neun Millionen Mark.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.