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19.11.1982 - 

Auftragsabwicklung von der Bestellung bis zum Versand:

Bis 1985 Versandhaus 2000 organisieren

Als Antwort auf die ständig steigenden Bedürfnisse der Kunden hat die Neckermann Versand AG einen neuen zukunftsweisenden Versandhaustyp ins Leben gerufen, das Versandhaus 2000. Hinter diesem Begriff verbergen sich umfassende Reorganisations- und Modernisierungsmaßnahmen der Versandabwicklung, die mit einem Investitionsvolumen von 60 Mio. DM bis 1901S abgeschlossen sein werden.

Hierzu gehören ein vollmechanisiertes Warenannahmesystem, ein prozeßrechnergesteuertes Hochraumlager und ein vollautomatisches Sortiersystem für die Zusammenstellung der Kundenaufträge. Die schnellste vollautomatische Paketsortieranlage der Welt läuft bereits seit 1982 auf vollen Touren. In Kürze wird auch die aufwendige, im Versandgeschäft aber unvermeidliche Retourenabwicklung automatisiert werden.

Im Zuge einer reibungslosen Bestellabwicklung werden die Aufträge und die darin enthaltenen Angaben zentral auf Magnetplatten gespeichert. Alle an demselben Tag eingegangenen Bestellungen werden über Nacht fakturiert. Der Rechner IBM 3033 verarbeitet bis zu fünf Millionen Instruktionen in der Sekunde und läßt den Laserdrucker 140 Rechnungen pro Minute verlassen. Diese Drucker arbeiten etwa sechsmal schneller als mechanische Systeme. Die Rechnungen erhalten die in Spitzenzeiten bis zu 1000 Mitarbeiter im Kommissionierlager.

Auftragssammlung im Rundlauf

Anhand der beigefügten Warenscheine wissen sie dann, wo exakt der jeweilige Artikel lagert. In der "Kreisförderanlage" umfahren 40 Wagen mit jeweils 20 Schalen das Lager. Bei diesem Rundlauf sammeln die Mitarbeiter in jeder Schale die Ware für einen Auftrag, so daß 800 Aufträge (eine Serie ) zeitgleich bearbeitet werden.

Eine Serie folgt hierbei der anderen, bis die durchschnittlich 50 000 Aufträge am Tag ausgeführt sind. Die Kommissionen wandern anschließend weiter zur Packstation, wo anhand der Rechnungen mit dem Warenschein eine Endkontrolle erfolgt. Hiernach kann die Ware in die voradressierten Pakete verpackt werden. Daß nicht jede Bestellung als Paket versendet wird, berücksichtigt der Computer, indem man nach Warenbrief, Päckchen, Paket, Bahnfracht und LKW-Versand unterscheidet. Aber auch für den Kunden hat die elektronische Datenverarbeitungsanlage Informationen zusammengestellt, etwa die Fußnote auf der Rechnung, daß ein Artikel vergriffen ist.

Automatisch verschnürt

Im Bedarfsfall schreibt die automatische Korrespondenz sogar komplette Briefe, zum Beispiel über die Modalitäten der Versendung eines Kühlschranks aus dem zentralen Auslieferungslager in Haiger bei Dillenburg. Diese Mitteilungen werden aus vorgefertigten, schematisierten Textbausteinen vom Computer vollautomatisch zusammengesetzt.

Diese Briefe werden zusammen mit der Rechnung den Postsendungen beigefügt und dann auf ein Transportband gelegt: Start auf der schnellsten, vollautomatischen Paketsortieranlage der Welt. Die Pakete und Päckchen werden zunächst durch acht sogenannte Umreifungsmaschinen automatisch verschnürt und auf dem Förderband vorsortiert, um zum "richtigen" der beiden "Rapid-Sorter" geschleust zu werden. Das geschieht mittels Laser-Geräten, die auf den mit zwei Metern pro Sekunde vorbeieilenden Paketen den auf dem Adressenaufkleber aufgedruckten Strichcode lesen.

Dieser enthält eine Zielstationsnummer auf der Sortieranlage die zu einer bestimmten Postleitzahl zugeordnet ist. Vor den beiden "Rapid-Sortern" befindet sich jeweils eine weitere Indentifizierungsstation, an der endgültig festgelegt wird, an welcher Station das Paket das jeweilige Band verläßt.

Der "Mooving-Beam-Scanner" erfaßt mit 400 Strich-Lesungen pro Sekunde den Strich-Code, wertet ihn aus und gibt die Informationen an die "erkannte" Zielstation weiter. Dort warten Hochleistungsausschleuser auf die angekündigten Pakete und heben sich pneumatisch, wenn die entsprechenden Pakete ankommen. Dadurch werden diese vom Band abgeleitet und gelangen in ihre jeweiligen Stauräume.

Auf diese Weise wird das Postgut nach 119 Postleitzahl-Gebieten im Bundesgebiet sortiert und dabei schonender behandelt als es vorher manuell möglich war. In Post-Containern gestapelt - erst hierbei werden vier Menschen tätig - kann die Ware nach 24 Stunden nach Bestelleingang das Versandhaus verlassen.

Durch die drei Millionen Mark teure Anlage wird ein beachtlicher Rationalisierungseffekt erzielt, der zugleich auch der Bundespost zugute kommt. Neckermann war der erste Versender, der bereits vor vielen Jahren mit der Deutschen Bundespost kooperierte und hat jetzt die Zusammenarbeit noch verfeinert. Aber die Paketsortierungsanlage ist nur ein Baustein im Neckermann-Projekt "Versandhaus 2000".

Ab 1. Juli 1982 profitieren die Versandkunden von einer weiteren, zehn Millionen Mark umfassenden Investition - der automatischen Abwicklung von Retouren. Was bislang noch bis zu zehn Tage dauerte, nämlich die Bearbeitung des Retoureneingangs mit der anschließenden Gutschrift, wird heute ohne jeden Zeitverlust erledigt. Das läuft beispielsweise so ab: Ein Kunde hatte fünf Paar Schuhe zur Auswahl angefordert und sendet vier Paar zurück.

In einem Plastikbehälter laufen diese auf einem Band an einem Mitarbeiter vorbei, der mit einem Lesegerät die Kunden- und die Kommissionsnummer (der vier Paar Schuhe) erfaßt. Zeitgleich wird im Computer die Ware wieder als Lagerbestand registriert und der entsprechende DM-Betrag dem Kundenkonto gutgeschrieben. Nachdem Paketsortieranlage und Retouren-Abwicklung bereits Wirklichkeit geworden sind, sollen bis 1985 weiter Teilprojekte realisiert sein.

Volker Heiner ist freier Wirtschaftsjournalist in Krefeld.