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13.06.1975

"Bis IBM uns einholt, vergehen Jahre"

Mit Dr. Gene M. Amdahl, Aufsichtsratsvorsitzender der Amdahl Corporation, sprach CW-Chefredakteur Dr. Gerhard Maurer

- Warum haben Sie die Amdahl-Maschine "470 V/6" genannt?

Die "4" steht für Vierte Generation.

- Das haben schon viele behauptet, Produkte der Vierten Generation anzubieten.

Bisher war Kennzeichen der Generationen die Schalttechnik. Erst Röhren, dann Transistoren, dann integrierte Schaltungen. Unsere 470 V/6 ist der erste große kommerzielle Rechner, der total mit LSI-Schaltungen ausgestattet ist. Deshalb also die "4", - nicht 370 sondern 470. "V" heißt "Virtual" und die "6" als Zahl deutet an, daß wir gegen die 168, vormals 165 konkurrieren. Das heißt, preislich konkurrieren wir gegen die 168, unsere Maschinen kosten genau dasselbe wie die entsprechenden 370/168-Rechner, - bei der Leistung sind wir dann besser.

- Was sagen de Benchmark-Tests ?

Verschiedene Kunden und Interessenten haben Benchmark-Tests gemacht. Im Vergleich zur 370/168 hatten wir eineinhalb bis zweieinhalb Mal bessere Ergebnisse. Unsere Maschine hat in etwa die Leistung der 370/195, die IBM seit einem Jahr nicht mehr baut.

- Wieviel kann also sparen, wer sich für die Amdahl 470 entscheidet?

Das ist natürlich abhängig von der Konfiguration, die gewählt wird und auch von den Anwendungen, die auf der Maschine laufen sollen. Die Mehrheit unserer Kunden dürfte für die gleiche Leistung bei IBM so etwa 30 bis 40 Prozent mehr bezahlen. Was wichtiger ist als dieser Effekt, Kosten zu sparen, ist, daß wir die Möglichkeit bieten, mit festen Budgets weiterzukommen, so daß ständiges Wachstum möglich bleibt.

- Wieviel Amdahl-Rechner haben Sie schon verkauft?

In den USA werden Kaufverträge erst wenige Wochen vor Auslieferung geschlossen. Bei uns ist es üblich, daß man dem Hersteller einen "Letter of Intent" gibt, mit dem man einen Platz in der Reihenfolge der Auslieferung erhält. Diese Absichterklärungen werden aber bei seriösen Firmen nur gegeben, wenn man sich auch tatsächlich entschieden hat, - also nach entsprechenden Studien und Tests. Wir haben jetzt über zwei Dutzend solcher "Letter of Intent" im Gesamtwert von über 100 Millionen Dollar.

- Wieviel wurden verkauft?

Bisher wurden zwei Kaufverträge abgeschlossen, die erste Maschine ist soeben ausgeliefert worden.

- Wollen Sie Ihre 470 V/6 auch in Europa verkaufen?

Oh ja! Ich schätze, daß wir bis 1980 in der Bundesrepublik Deutschland allein etwa 18 Systeme am kommerziellen Markt verkaufen können und weitere 12 bis 15 Systeme für Regierungen und wissenschaftliche Institutionen.

- Glauben Sie, daß Sie dieses Ziel allein schaffen oder brauchen Sie dazu einen deutschen oder europäischen Partner?

Auf dem freien Markt könnten wir allein erfolgreich sein, aber wohl nicht im Regierungsgeschäft. Aber es gibt anders, bessere Gründe, weshalb wir vielleicht mit einem deutschen Partner zusammenarbeiten sollten. Wenn man Forschungs- und Entwicklungspotentiale vereinigt, ist das Ganze dann mehr als die Summe der Teile.

- Vom Kapital der Amdahl Corporation in Höhe von etwa 45 Millionen Dollar hat die Nixdorf Computer AG 6 Millionen Dollar investiert. Welche Rolle spielt die Firma Nixdorf in Ihrer Firma und in Ihren Zukunfts-Plänen?

Zur Zeit ist Mr. Nixdorf lediglich einer unserer Aktionäre. Über die Rolle, die er künftig einnehmen könnte, wird seit einigen Monaten verhandelt und diese Diskussion ist noch nicht abgeschlossen. Ich kann keine Voraussagen machen.

- Wird die Firma Nixdorf Ihr Produkt in Deutschland vertreiben?

Die Firma Nixdorf hat ein solches Interesse bekundet und wir sprechen darüber. Andererseits weiß man bei Nixdorf, daß dies ein ganz anderer Markt ist als deren Normalgeschäft. Man zögert, weil man den Erfolg nicht abschätzen kann.

- Wollen Sie damit sagen, daß Siemens oder der Unidata-Rest für Sie ein besserer Partner wäre?

Nein, das habe Ich nicht so gemeint. Die kennen den Markt für unser Produkt sicherlich besser, aber die Unidata hat ihre eigene Systemarchitektur und würde es vielleicht schwer haben, mit einem Produkt, das IBM-kompatibel ist.

- Aber Unidata behauptet doch immer, ihre Maschinen seien total IBM-kompatibel.

Die haben ihr Operating-System so gebaut, daß der IBM-Befehlssatz verarbeitet werden kann, - aber die Maschine ist anders. Auf unseren Maschinen hingegen laufen IBM's eigene Operating-Systeme. Die Unterschiede sind natürlich da, aber sie sind nicht größer als bei den einzelnen Maschinen innerhalb der 37O-Linie.

- Was halten Sie von Mixed Hardware?

Wir machen ja Mixed Hardware. Allerdings anders, nämlich für die CPU, - absolut steckerkompatibel. Natürlich läuft die gesamte IBM-Peripherie mit unserem System, aber ebenso jeweils entsprechende Einheiten der Mixed Hardware-Hersteller. Unsere Kunden werden sowohl den einen wie den anderen Weg gehen.

- IBM wird doch wohl nicht tatenlos zusehen, wie Sie vielleicht den Markt für die ganz großen Systeme verliert. Welche Reaktion erwarten Sie? Wann kommt der entsprechende IBM-Jumbo?

Wenn IBM nicht mit neuer Technik sondern nur mit den Preisen reagieren würde, käme das gesamte Preisgefüge der 370-Linie durcheinander. Und in der Technik haben wir einen Vorsprung. IBM muß den Nachfolger für die 370/168 erst entwickeln. Und dann wohl auch - der Preisrelationen wegen - eine ganz neue Produktfamilie ankündigen. Da tut sich erst in drei, vielleicht in vier Jahren etwas.

- Sie reisen den langen Weg über den Atlantik und zurück, allein um in Bonn Besprechungen zu führen. Was erwarten Sie von Ihren Kontakten im Bundesministerium für Forschung und Technologie?

Das Ministerium hat mich um diese Besprechung gebeten, - und in der Tat, sollte man öfter miteinander reden.

- Was wollen Sie besprechen?

Ich werde zunächst einmal zuhören.

- Warum sind sie nicht nach München geflogen oder nach Paderborn?

Vertreter von Siemens und Nixdorf sind ja bei den Bonner Besprechungen dabei.

- Suchen Sie Vertriebs-Partner oder wollen Sie Ihr Know-how anbieten?

Man kann über alles reden.

Dr. Gene M. Amdahl (52)

"born and raised in South Dacota" machte 1952 seinen Ph. D. in Theoretical Physics, kam danach zu IBM und war für den Entwurf der 704, 709 und 730 verantwortlich.

Nachdem er die Firma für fünf Jahre verlassen hatte, kam er 1960 zurück und wurde Leiter des Planungsteams, das die Systemarchitektur für die Serie 360 entwarf. 1965 erhielt er die höchste Ehrung, die IBM für ihre Wissenschaftler zu vergeben hatte, Amdahl wurde IBM-Fellow. Zudem wurde er 1967 in die National Academie of Engeneering berufen.

1970 verließ Amdahl die IBM, um mit eigener Firma den ersten Computer der Vierten Generation zu bauen. Es dauerte alles länger als vorgesehen und war auch erheblich teurer.

Unterstützung fand Amdahl schließlich durch die Fujitsu Company, die 41 Prozent des Aktienkapitals hält, ebenso durch die Nixdorf Computer AG, die sechs Millionen Dollar von insgesamt 45 Millionen Dollar investierte.

Ständig am Rande des Ruins arbeitend, gab er schließlich den President-Sessel ab und wurde Vorsitzender des Aufsichtsrates, da er sich ohnehin vornehmlich um die technischen Aspekte der 470 V/6 kümmerte.