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20.08.1993

Bis Mitte naechsten Jahres auch unter Sunos IBM bietet Objekt Request Broker in der MVS-Welt und unter AIX an

MUENCHEN (qua) - Mehr oder weniger zufaellig und unabhaengig von der Object Management Group (OMG) haben IBM-Entwickler in Atlanta, Georgia, einen Object Request Broker (ORB) implementiert. Der "Application Services Manager" (ASM) laeuft bislang unter MVS und AIX, demnaechst jedoch auch unter Sunos und aller Voraussicht nach auch unter anderen Betriebssystemen.

Eigentlich hatten die Mitarbeiter des mit der Entwicklung von Fertigungsanwendungen befassten IBM-Labors nur eine Runtime- und Entwicklungsumgebung fuer das Engineering-Management-System "Product Manager" (PM) erstellen wollen. Wie der fuer dessen Entwicklung und Vermarktung verantwortliche IBM-Manager Ken Smith erlaeutert, war Objektorientierung damals - sprich: 1987 - noch nichts, worueber im breiten Rahmen diskutiert wurde.

Erst als die Common Object Request Broker Architecture (Corba) der OMG ploetzlich in aller Munde war, ging den IBM-Softwerkern offenbar ein Licht auf: Nach ihrer eigenen Darstellung bietet der urspruenglich in einer MVS-Umgebung entwikkelte und kuerzlich auf AIX/6000 portierte ASM dieselbe Funktionalitaet wie die vorhandenen Corba-Implementierungen. Neben Encapsulation, Mehrfachvererbung und multiplem Polymorphismus unterstuetze er unter anderem Klassen- und Instanzfunktionen, abstrakte Klassen und Metaklassen sowie statische und dynamische Typen.

Zwar entspricht der "Anwendungs-Enabler" (O-Ton IBMbislang noch nicht den Corba-Spezifikationen. Doch ist den IBM-Entwicklern klar, dass sie um die Unterstuetzung dieses De-facto-Standards nicht herumkommen werden. Deshalb soll die objektorientierte Beschreibungssprache des ASM im Laufe des kommenden Jahres mit den von der OMG definierten Spezifikationen fuer eine Interface Definition Language (IDLin Einklang gebracht werden.

Wer den ASM bereits jetzt einsetzen will, kann ihn - auch hierzulande - bereits als separates Produkt erwerben. Allerdings wird nicht nur die Corba-Unterstuetzung, sondern auch die Integration mit dem IBM-eigenen System Object Model (SOM) erst 1994 nachgeliefert - im Rahmen der Object Oriented Enterprise Application Solution Environment (OOEASE). Bei diesem Konzept handelt es sich laut Smith um eine Erweiterung des ASM, eine objektorientierte "Shell", die zunaechst fuer MVS und spaeter auch fuer AIX zur Verfuegung stehen soll.

Nach Einschaetzung von Dirk Schmidtmeier, im Muenchner Engineering- Kompetenzzentrum der IBM fuer PM zustaendig, ist das Middleware- System zudem "so interessant", dass die IBM es auch den Kunden ihrer Mitbewerber anbieten will. Wer den ASM auf einem anderen als einem IBM-Betriebssystem fahren will, muss sich allerdings noch bis zum naechsten Jahr gedulden. Als erste Fremdplattform werden die IBM-Entwickler voraussichtlich in der ersten Jahreshaelfte das Unix-Derivat von Sun Microsystems unterstuetzen.

Auf die Frage, warum er

Sunos anderen Unix-Betriebssystemen vorziehe, fuehrt Smith "technische Gruende" ins Feld. Diese Entscheidung bedeute jedoch auf keinen Fall eine Absage an andere Plattformen. So werde derzeit auf jeden Fall eine Portierung auf HP-UX von Hewlett- Packard ernsthaft erwogen.

Hinsichtlich der Kooperation mit Sun huellt sich die IBM in vieldeutiges Schweigen. Nach Auskunft von Schmidtmeier gibt es keine "explizite Zusammenarbeit" zwischen den beiden Unternehmen. Smith raeumt zumindest ein, dass das IBM-Labor mit Sun "in Kontakt" sei; Einzelheiten wollte er allerdings nicht verraten. Der deutschen Sun-Niederlassung in Grasbrunn bei Muenchen ist von einer Mitarbeit an ASM oder OOEASE - zumindest offiziell - nichts bekannt.