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22.06.2001 - 

Umsatzwachstum und schwierige Ertragslage

Bitkom: Ende des Höhenflugs

BERLIN (CW) - Die IT- und TK-Branche hat sich laut Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) im ersten Quartal des Jahres überwiegend positiv entwickelt. Die meisten Unternehmen rechnen mit Umsatzzuwächsen, allerdings geht nur ein kleiner Teil der Befragten von steigenden Gewinnen aus.

Rund die Hälfte der größten deutschen Unternehmen des Bereichs Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) hat in den ersten drei Monaten dieses Jahres steigende Einnahmen gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres verbucht. 29 Prozent bezeichneten die Situation als "stabil", 19 Prozent verzeichneten einen Umsatzrückgang. Das sind Ergebnisse einer Umfrage unter 150 Firmen, die der Bitkom-Verband Ende vergangener Woche anlässlich seiner Jahrestagung in Berlin präsentiert hat.

Optimismus trotz AbschwächungAuch für das Gesamtjahr 2001 ist die Stimmung laut Bitkom eher positiv. Der Höhenflug - im vergangenen Jahr verzeichnete der ITK-Sektor ein Umsatzwachstum von durchschnittlich elf Prozent - ist zwar endgültig vorbei. Mit einem erwarteten Plus von 8,7 Prozent für das laufende Jahr steht die Branche nach den Worten von Bitkom-Präsident Volker Jung im Vergleich zur Gesamtwirtschaft aber noch immer recht gut da. Laut Umfrage hoffen 70 Prozent der Firmen auf steigende Umsätze, 22 Prozent gehen von einem Verbleiben auf Vorjahresniveau aus, und nur acht Prozent rechnen mit sinkenden Einnahmen.

Allerdings ist laut Jung nicht von der Hand zu weisen, dass in der ITK-Industrie zurzeit ein "schärferer Wind" wehe. So äußerten sich die befragten Unternehmen wesentlich zurückhaltender, was die Gewinnprognosen für das laufende Jahr betrifft. "Es ist kein Geheimnis, dass wir uns im Moment in einem nicht einfachen Marktumfeld bewegen", beschrieb der Verbandschef die Situation. Die Schere zwischen Umsatz- und Ertragswachstum gehe sichtbar auseinander, und zwar in allen Marktsegmenten.

Am problematischsten sei die Situation bei Handys sowie PCs und Peripheriegeräten. So berichte jeder vierte IT-Hardwareanbieter über sinkende Verkaufszahlen im Inland, bei einem Drittel stagniere das Geschäft. Bei TK-Endgeräten verzeichnete jedes fünfte Unternehmen sinkende Einnahmen zwischen Januar und März, die Umsätze der übrigen Anbieter blieben weitgehend auf dem Niveau des Vorjahres. Allerdings geht kein Anbieter von einem weiteren Abwärtstrend aus, so das Ergebnis der Umfrage.

Großes Potenzial sieht Bitkom in der Telekommunikations-Infrastruktur. Hier berichte die Hälfte der befragten Firmen von wachsenden Umsätzen und steigenden Auftragseingängen - ein Trend, der sich mit dem Ausbau der UMTS-Netze noch erheblich verstärken werde. Auch die Anbieter von Festnetztelefonie und sonstigen TK-Diensten seien überwiegend optimistisch: 64 Prozent gingen von einem kräftigen Umsatzplus im laufenden Jahr aus, das sich letztendlich auch positiv auf die Endgerätehersteller auswirken werde.

Die stärksten Impulse erwartet der Verband in den Bereichen Internet, Software und IT-Services. Trotz der Dotcom-Krise und der schlechten Stimmung an den Börsen hätten die meisten Online-Anbieter im ersten Quartal einen Umsatzzuwachs verbucht und Personal eingestellt. 83 Prozent der Internet-Companies rechneten für das Gesamtjahr mit höheren Einnahmen. Auch der Softwaremarkt floriert: Jedes zweite Softwarehaus hat laut Umfrage seine Umsätze und Auftragseingänge im ersten Quartal gesteigert. Drei Viertel der Unternehmen gehen von einer weiter positiven Entwicklung aus. Bei IT-Dienstleistungen meldeten sogar zwei Drittel der Firmen Wachstumsraten.

Markthemmend wirkten sich neben branchenspezifischen Problemen vor allem der Fachkräftemangel und die schwierige Situation an den Finanzmärkten aus. Jedes dritte Unternehmen berichtet laut Jung von Schwierigkeiten mit der Wachstumsfinanzierung. Der Bitkom-Chef bezeichnete es als "grotesk", dass viele junge Internet-Companies, die noch vor kurzem von den Investoren in den Himmel gehoben wurde, jetzt fallen gelassen würden "wie eine heiße Kartoffel". Dabei gebe es zahlreiche Firmen, die über durchdachte Geschäftsmodelle verfügten und das Vertrauen von Analysten und Anlegern verdient hätten.

Kritik an Altgeräte-RichtlinieAber auch die Verzögerungen bei der Abschaffung des Rabattgesetzes, das den E-Commerce behindere, sowie die geplante Elektrogeräte-Richtlinie schmälerten die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen ITK-Branche. Die Elektroschrottverordnung befürwortet der Bitkom zwar grundsätzlich. Laut Verbandspräsident Jung darf jedoch bei der Entsorgung von alter Hardware nicht die gesamte Verantwortung auf die Industrie abgewälzt werden.

Die durch die Rücknahme von Altgeräten entstehenden Ausgaben - Schätzungen gehen von jährlichen Kosten in Höhe von mehr als drei Milliarden Mark allein in Deutschland aus - seien den Unternehmen nicht zumutbar. Solche Kosten trage in einer Marktwirtschaft letzten Endes immer der Verbraucher. Nicht nur die Elektroschrottverordnung, sondern auch die geplante Novellierung des Urheberrechts, die möglicherweise noch in diesem Sommer verabschiedet wird, sind laut Jung notwendig, um die rechtlichen Bedingungen den aktuellen Verhältnissen anzupassen. Allerdings sei klar, dass dadurch zusätzliche Kosten auf die Branche sowie auf die Verbraucher zukommen werden. "Wir müssen aufpassen, dass wir uns mit solchen Neuerungen nicht die Konjunktur kaputtmachen", warnte der Verbandschef.

Abb: Noch kein Grund zur Klage

Die 150 befragten IT-Unternehmen haben im ersten Quartal 2001 überwiegend bessere Geschäfte gemacht als im Vorjahr. Der Export stagnierte allerdings gegenüber dem Vergleichszeitraum. Quelle: BITKOM Branchenbarometer