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22.03.2002 - 

IuK-Branche kann sich 2003 wieder auf ein "normales" Jahr einstellen

Bitkom verbreitet vorsichtigen Optimismus

22.03.2002
HANNOVER (gh) - Glaubt man dem deutschen IuK-Dachverband Bitkom, hat die Branche wieder Grund zur Hoffnung. Nach dem Katastrophenjahr 2001 geht die Herstellervereinigung 2002 von einem akzeptablen Wachstum aus, ab 2003 soll die Nachfrage spürbar anziehen.

"Wir haben das Schlimmste hinter uns": Mit dieser Botschaft leitete Bitkom-Präsident Volker Jung die CeBIT-Pressekonferenz des Verbands ein. Das vergangene Jahr sei eines der schwierigsten und turbulentesten gewesen. Für andere Branchen wäre ein Wachstum von 1,7 Prozent in der momentanen Situation ein Grund zum Jubeln, "für unsere Industrie ist es ein Wert, der nachdenklich stimmt". Jung führte die "Vollbremsung" der IuK-Branche in Deutschland neben der allgemeinen wirtschaftlichen Abkühlung auf mehrere Faktoren zurück, darunter die Jahr-2000- und Euro-Umstellungen, die viele der anstehenden Investitionen bei großen Anwenderunternehmen vorweggenommen hätten. Gleiches gelte für den Mobilfunkmarkt, wo nach der Verdoppelung der Handy-Besitzer im Jahr 2000 von 24 auf 48 Millionen zuletzt die Luft raus war.

"Vollbremsung" der IuK-Branche2002 soll nun aber Jung zufolge das Wachstum der deutschen IuK-Industrie mit 4,2 Prozent auf 143,6 Milliarden Euro bereits einen "akzeptablen Wert" erreichen. Für 2003 erwartet der Bitkom dann mit einem Plus von 8,6 Prozent auf 156 Milliarden Euro wieder die für die Branche lange Zeit standesgemäßen Zuwächse. Die Telekommunikation entwickle sich dabei - ungeachtet der Krise im weltweiten Ausrüstergeschäft - momentan etwas stärker als die IT. So rechne man im TK-Bereich bereits im laufenden Jahr mit einer Steigerung des Marktvolumens um sechs Prozent auf 68 Milliarden Euro. 2003 dürfte dann durch ein sogar leicht zweistelliges Plus die Marke von 75 Milliarden Euro erreicht werden, führte der Bitkom-Präsident weiter aus. Im IT-Segment gehen die Experten des Branchenverbands für dieses Jahr von einer Zunahme um knapp drei Prozent auf 76 Milliarden Euro und 2003 um knapp sieben Prozent auf dann 81 Milliarden Euro aus.

Wesentliche Markttreiber seien in diesem und im nächsten Jahr abermals die Bereiche Mobilfunk sowie Internet-Dienste, zeigte sich Jung überzeugt. So habe beispielsweise der Markt für mobile Endgeräte (Handys, Notebooks, Handhelds) inzwischen die Größe der gesamten Unterhaltungselektronik erreicht. Während die Einnahmen mit Desktop-PCs in diesem Jahr abermals rückläufig sein werden, dürften Mobile Devices insgesamt um mindestens zehn Prozent zulegen - in Teilbereichen(PDAs, Smartphones) sogar um 20 Prozent, rechnete Jung vor. Auch der Bereich der Mobiltelefone werde sich nach dem dramatischen Einbruch im vergangenen Jahr (minus 25 Prozent) 2002 mit einem leichten Plus von vier Prozent wieder erholen. "Im Jahr 2003 hoffen wir auf eine kräftige Steigerung um zwölf Prozent", machte der Siemens-Vorstand auch seiner eigenen Handy-Sparte Mut.

Software und Service setzen ImpulseGrundsätzlich sollte sich die IuK-Industrie auch in Deutschland auf stärkere Schwankungen einstellen. Jung: "Vorbei sind die Zeiten, in denen es für fast alle immer nur bergauf ging. Wir müssen die IuK-Wirtschaft differenzierter betrachten." Obwohl sich die Branche insgesamt weiter zyklisch entwickeln werde, könnten einige Segmente in Zukunft eine völlig gegenläufige Tendenz zeigen. In der IT kämen neben den Mobile Devices die maßgeblichen Impulse vor allem aus dem Software- und Servicesektor. Hier rechne der Bitkom im laufendem Jahr jeweils mit Zuwächsen zwischen fünf und sechs Prozent. Grundsätzlich habe die deutsche IuK-Wirtschaft den "Wandel von der Fertigungs- zur Dienstleistungsbranche weitestgehend abgeschlossen". Immerhin rund 71 Prozent der Umsätze würden inzwischen mit TK-Diensten, IT-Services und Software erzielt.

Ungeachtet aller Unkenrufe und Kritik betrachtet der Bitkom UMTS nach wie vor als einen, wenn nicht den Wachstumtreiber der kommenden Jahre. Es gebe nicht "die Killerapplikation", die könne man noch gar nicht kennen, betonte Jung. Schon jetzt sei aber im Bereich der Business-Anwendungen mit rund sechs Millionen mobilen Computern in Deutschland "endgeräteseitig längst die kritische Masse gelegt".