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21.06.2002 - 

E-Government neuer Wachstumsmotor?

Bitkom vertagt den Aufschwung

MÜNCHEN (CW) - Der IuK-Dachverband Bitkom hat seine auf der CeBIT veröffentlichte Prognose zum diesjährigen Marktwachstum revidiert. Die Branche richtet sich nun auch 2002 auf ein nur marginales Wachstum ein. Einziger Hoffnungsschimmer ist derzeit der vermeintliche Milliardenmarkt E-Government.

Bei der Veröffentlichung seines "Branchenbarometers", das der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) traditionsgemäß zu einer Art Halbjahrespressekonferenz nutzt, konnte dessen Präsident Volker Jung vor Journalisten in München angesichts der anhaltend schwachen Konjunktur keine Entwarnung geben. Nur 6,5 Prozent der befragten rund 1300 Bitkom-Mitgliedsfirmen erwarten laut Jung im laufenden Jahr Zuwächse im zweistelligen Bereich, 17 Prozent gehen von einem stabilen Geschäft auf Vorjahresniveau aus, 28 Prozent äußerten sich eher pessimistisch.

Nachfragebelebung lässt auf sich warten

Die große Mehrheit (56 Prozent) rechnet zwar nach wie vor mit leicht steigenden Umsätzen, doch von den Wachstumsraten vergangener Jahre bleibe die hiesige IuK-Branche damit auch 2002 weit entfernt, prophezeite der Siemens-Manager: "Insgesamt darf man in diesem Jahr nicht mehr mit einer nennenswerten Nachfragebelebung rechnen." Als Konsequenz daraus revidierte der Bitkom auch seine Marktprognose. Man werde im laufenden Jahr "knapp über der Nulllinie liegen" und etwa auf dem Vorjahresniveau von 1,7 Prozent Wachstum bleiben, erklärte Jung. Noch im März hatte der Bitkom auf der CeBIT eine Zunahme des Marktvolumens um 4,2 Prozent auf 143,6 Milliarden Euro vorhergesagt. Auch für 2003 gibt sich der IuK-Dachverband weitaus skeptischer als noch im Frühjahr. Statt dem ursprünglich prognostizierten Plus von knapp neun Prozent wäre man, wie Jung ohne Nennung einer konkreten Zahl andeutete, schon froh, in einem Zielkorridor von plus fünf Prozent oder knapp darunter zu landen.

Unterschiede zwischen einzelnen Segmenten

Ein Problem, das die IT- und TK-Industrie unabhängig vom allgemeinen Konjunktureinbruch nach wie vor hat, ist die unterschiedliche Entwicklung in einzelnen Segmenten. So waren zunächst bekanntermaßen die Hersteller von Handys, PCs, Peripheriegeräten sowie TK-Vermittlungssystemen vom Nachfragerückgang betroffen - Bereiche, wo man nun, wie der Bitkom-Präsident ausführte, zum Jahresende "eine allmähliche Belebung" erwarte. Seit dem zweiten Halbjahr 2001 bekämen aber auch die Anbieter von Software und IT-Dienstleistungen die Auswirkungen der Konjunkturflaute zu spüren. Zwar konnten viele IT-Servicefirmen im ersten Quartal 2002 ihren Auftragsbestand wieder leicht steigern, doch rutschten im gleichen Zeitraum bei den meisten Softwarehäusern Auftragseingang und Inlandsumsätze erst recht in den Keller.

Unverändert dramatisch stellt sich Jung zufolge die Situation für die Lieferanten von TK-Infrastruktur-Systemen dar. In diesem Segment sei das Ende der Talfahrt bislang nicht in Sicht. Jedes zweite Unternehmen erwartet hier für 2002 einen Umsatzrückgang. Deutlich besser beurteilt der Bitkom die Entwicklung im Bereich der sonstigen TK-Dienste, in dem im Wesentlichen die Festnetztelefonie und ISDN, Daten-, Mietleitungs- sowie Mehrwertdienste zusammengefasst werden.

TK-Markt stabilisiert sich

Die aktuelle Geschäftsentwicklung werde hier von der Mehrheit der Unternehmen eher günstig eingeschätzt, hieß es. Zirka 60 Prozent der Firmen rechneten damit, das Jahr 2002 besser abschließen zu können als das Vorjahr. Insbesondere auch die in den beiden vergangenen Jahren etwas mitgenommene Festnetztelefonie stabilisiere sich wieder. Lediglich bei den Internet-Angeboten sei, so der Bitkom-Präsident, das Wachstum ungebrochen. Aktuell zähle man 30 Millionen Bundesbürger zu regelmäßigen Internet-Nutzern, im vergangenen Jahr seien sieben Millionen Deutsche erstmals online gegangen. Hier sei "keine Trendwende zum Negativen" zu befürchten.

Auffallend zurückhaltend äußerte sich Jung zu den Wachstumsaussichten von UMTS. Der Siemens-Manager nahm jedoch Netzbetreiber und Endgerätehersteller gleichermaßen vor der Kritik in Schutz, sie würden den Start des Mobilfunks der dritten Generation trotz milliardenschwerer Investitionen hinauszögern, weil das Verbraucherinteresse zu gering sei. Man werde nicht wie bei der Vorläufertechnologie GPRS den Fehler begehen, eine Übertragungstechnik zu liefern und dann davon ausgehen, "dass die Anwendungen von alleine kommen". Daher sei es kein Manko, "das Ganze etwas vorsichtiger anzugehen". Die wesentlichen Impulse bei der Schaffung neuer Mobilfunkdienste dürften von den Netzbetreibern und kleineren Softwarehäusern ausgehen, zeigte sich der Bitkom-Präsident überzeugt, dass Spekulationen über einen UMTS-Flop reine Hysterie sind: "Es hat immer wieder neue Killerapplikationen gegeben."

Einmal mehr legte der Bitkom bei der Präsentation seines aktuellen Branchenbarometers eine ambivalente Haltung zur Politik an den Tag. Zwar kritisierte Verbandssprecher Jung noch einmal heftig die seiner Ansicht nach zu teuren UMTS-Lizenzen, die starren Lizenzbedingungen sowie die verstärkt aufkommende Strahlenschutzdiskussion beim Mobilfunk. Andererseits erhofft sich die IuK-Industrie offenbar von der öffentlichen Hand in Bund, Ländern und Gemeinden neue Schubkraft für den eigenen Konjunkturmotor - Stichwort: E-Government. Schließlich könnte, so behauptet der Bitkom-Präsident, sowohl in der öffentlichen Verwaltung als auch im Gesundheitswesen "durch den konsequenten Einsatz von IT effizienter gewirtschaftet werden".

In den Kommunen fehlen IT-Experten

Jung begrüßte in diesem Zusammenhang das Programm "Bund-Online 2005" der Bundesregierung. In diesem Rahmen soll mit einem Etat von 1,65 Milliarden Euro binnen der kommenden vier Jahre die Modernisierung der Verwaltung auf Bundesebene angekurbelt werden. Dabei rechne man mit jährlichen Ersparnissen von rund 400 Millionen Euro. Auf Länder- und Gemeindeebene wird aus Bitkom-Sicht aber noch häufig das Rad jeweils neu erfunden. Es fehle unter anderem an IT-Experten, an der Koordination der Kommunen untereinander, an Rechtssicherheit und schließlich auch am Geld, kritisierte Jung. Nicht zuletzt deshalb liege Deutschland bei den Investitionen in E-Government im europäischen Vergleich nur auf Platz zehn.

Um E-Government zum Durchbruch zu verhelfen, müsse aber vor allem für eine flächendeckende Einführung einer digitalen Bürgerkarte mit Ausweis- und Signaturfunktion gesorgt werden. Bisher fehle in Deutschland hierzu jedoch der klare politische Wille, ein schlüssiges Konzept und ein konkreter Zeitplan. (gh)

Abb: Markthemmnisse

Vor allem die schwache Nachfrage im B-to-B-Sektor trübt derzeit die Geschäfte. Quelle: Bitkom