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31.10.2005

BITP: Die Zukunft des BPO

Business Innovation/Transformation Partner" (BITP) bieten ein noch junges Konzept des IT-Outsourcings. Eine neue Studie zeigt die Erwartungshaltungen der (potenziellen) Kunden - und welche Vorbehalte zum Teil noch bestehen.

Die deutsche Wirtschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht zuletzt wegen ihrer Stärke behauptet, durch intelligente Arbeitsteilung mit Zulieferpartnern im In- und Ausland auch von einem Hochlohnland aus global wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei wurden enorme Produktivitätsvorteile erzielt. Doch was im produzierenden Sektor funktioniert, klappte - trotz IT - bei den erforderlichen Verwaltungsaufgaben nicht. Hier stiegen die Kosten in diesem Zeitraum kontinuierlich an. Kein Wunder dass sich unter dem Druck der Globalisierung sowie hoher Preise und Kosten die Unternehmen zunehmend nach Auswegen aus dieser Situation umsahen.

Ein Lösungsfeld ist dabei das Auslagern jener Geschäftsprozesse, die nicht zu den Kernkompetenzen eines Unternehmens gehören. Diese Lösungen gehen in der Regel über ein reines IT-Outsourcing hinaus. Sie werden von unterschiedlichen Unternehmen im Markt als Leistung angeboten, darunter auch Beratungs- und Technologieunternehmen, zu deren früheren Tätigkeitsprofilen die Übernahme von Prozessen, ganzen Bereichen und deren Betrieb nicht gehörten.

Alles aus einer Hand

Dieses bereits im Jahr 2004 im Rahmen einer Deutschland-Studie von der Lünendonk GmbH, Bad Wörishofen, untersuchte Konzept des noch jungen Dienstleister-Typus "Business Innovation/Transformation Partner" (BITP) setzt sich zunehmend im gesamten deutschsprachigen Raum durch. Dies zeigt eine aktuelle, repräsentative Studie über qualifizierte Business-to-Business-Dienstleistungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die im Sommer 2005 in Zusammenarbeit mit Techconsult Kassel erarbeitet wurde. Befragt wurden dabei Führungskräfte in 172 Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit mehr als 500 Mitarbeitern (42) bzw. mehr als 1000 Angestellten (130).

Bei BITP-Anbietern handelt es sich um große Dienstleister, die die gesamte Kette beziehungsweise wesentliche Module von Management- und IT-Beratung, über Systemintegration bis hin zu IT- und Geschäftsprozess-Outsourcing, aus einer Hand anbieten. Sie nennen sich BITP, weil sie eine langfristige Partnerschaft, eine unternehmerische Mitverantwortung und eine nachdrückliche Unterstützung für ihre Kunden durch Innovations- und Transformationsleistungen - also Änderungs- und Umwandlungsleistungen - offerieren.

Obwohl das Konzept noch relativ jung ist - es wurde erstmals im Jahre 2003 in Deutschland kommuniziert - , verbinden bereits 13 Prozent der befragten Führungskräfte im gesamten deutschsprachigen Raum mit diesem Begriff konkrete Dienstleistungskonzepte. Dabei liegt der Wert mit 15 Prozent bei den großen Unternehmen (über 1000 Mitarbeiter) fast doppelt so hoch wie bei den befragten kleineren Firmen (bis 999 Mitarbeiter). Mehr als 80 Prozent der Befragten konnten dem Begriff konkrete Dienstleistungsangebote zuordnen. So verbinden 37 Prozent den Begriff mit "Alles aus einer Hand" beziehungsweise "Gesamtdienstleister", weitere 47 Prozent verstehen hierunter die allgemeine oder spezielle Auslagerung von Aufgaben und Prozessen.

Deutlich über die Hälfte der befragten 172 Unternehmen (55 Prozent) in Deutschland, Österreich und der Schweiz finden dieses zusätzliche Marktangebot für qualifizierte Dienstleistungen "gut" beziehungsweise "sehr gut". Besonders positiv wird das Konzept von den im Rahmen der Studie befragten CIOs aufgenommen. Auch Geschäftsführer und Vorstände bewerten das Konzept mit über 60 Prozent Nennungen als gute Ergänzung zu den herkömmlichen Dienstleistungsangeboten.

Natürlich löst der BITP-Ansatz die klassische Management- oder IT-Beratung sowie bewährte Outsourcing-Konzepte nicht ab. Nach wie vor wird es neben der Kombination von Beratung und Umsetzung auch die separierten Dienstleistungen Beratung oder Umsetzung geben. Dabei zeigt sich am Markt jedoch zunehmend die Tendenz - belegt durch weitere Lünendonk-Studien - , dass derzeit besonders diejenigen Beratungsunternehmen reüssieren, die zusätzlich zu den Konzepten auch die Umsetzung verantwortlich übernehmen, und zwar nicht nur in der Regieleistung, sondern auch im konkreten Handeln.

Angst vor Know-how-Verlust

Bei der Frage, wie wichtig es ihnen wäre, Beratungs- und Realisierungsleistungen sowie Betreiberlösungen aus einer Hand zu bekommen, antworteten über 30 Prozent der befragten Führungskräfte mit "wichtig" beziehungsweise "sehr wichtig". Insbesondere die Leiter Controlling und die CIOs halten dies mit einer überproportionalen Zustimmung von rund 50 Prozent für wichtig bis sehr wichtig.

Die Motivation für eine Zusammenarbeit mit einem BITP-Dienstleister liegt bei den meisten Unternehmen in den Faktoren Kostendruck (1,8 auf einer Skala von 1 = sehr wichtig bis 4 = unwichtig) sowie Preisdruck (2,0). Wichtige Treiber sind auch noch "Marktentwicklungen" (2,3) und "Internationalisierung" (2,8). Hinsichtlich der Erwartungshaltung rangieren folgerichtig auch "Ertragssteigerung/Kostenreduzierung" sowie "Profitieren vom Know-how des Dienstleisters/Know-how-Transfer" auch ganz oben auf der Skala. Weitere wichtige Erwartungen sind "Effizienzsteigerung/Erhöhung der Unternehmensperformance" und der Wunsch nach "Konzentration auf das Kerngeschäft".

Die Vorbehalte gegen eine Zusammenarbeit speisen sich nahezu aus den gleichen Quellen. Am meisten befürchtet werden der "Verlust von Know-how im eigenen Unternehmen" und der "Verlust von Kernkompetenzen" sowie eine mögliche Abhängigkeit vom Dienstleister. Die Angst, "Kernkompetenzen zu verlieren", deutet darauf hin, dass einige der befragten Unternehmen noch nicht abschließend definiert haben, welche Kompetenzen zu den eigenen Kernkompetenzen zählen und welche durchaus nach außen zu verlagern sind. Interessanterweise steht die oftmals in der Öffentlichkeit diskutierte Befürchtung, durch den externen Dienstleister höhere Kosten hinnehmen zu müssen, nicht auf den vorderen Plätzen.

Damit ein Unternehmen sich für einen externen BITP-Dienstleister entscheidet, muss dieser zunächst einmal Referenzen und Erfahrung nachweisen. In der konkreten Zusammenarbeit muss er dann ein hohes Maß an Flexibilität bei den Formen der Zusammenarbeit und Eingehen auf den Kunden unter Beweis stellen. Diese zwei Kriterien dominieren den Anforderungskatalog. Erst dann folgen Faktoren wie "Reputation" und "Branchenspezialisierung".

Für eine Alternative zur Nutzung von externen Dienstleistern wie BITPs halten die Führungskräfte der befragten Unternehmen die stärkere Nutzung des eigenen Potenzials oder den Aufbau entsprechenden internen Know-hows. Bereits 28 Prozent der befragten Unternehmen sehen jedoch keinerlei Alternativen zu einer künftig stärkeren Nutzung von Externen. Dies gilt mit 46 Prozent insbesondere für Banken und Versicherungen. Betrachtet man die Funktionen der antwortenden Führungskräfte, so zeigt sich, dass über 60 Prozent der CIOs keine Alternative zum verstärkten Einsatz externer Dienstleister sehen. Auch die Einkaufsleiter (38 Prozent) tendieren eindeutig in diese Richtung.

Chefetage entscheidet

Grundsätzlich entschieden wird in den 172 Unternehmen hinsichtlich der Beauftragung externer Dienstleistung überwiegend in den Vorstands- und Geschäftsführungsetagen (über 80 Prozent). Jedoch haben auch Hauptabteilungsleiter und im öffentlichen Sektor Amtsleiter Einfluss (34 Prozent) auf die Auslagerung von Services und Prozessen. CIOs spielen mit 21 Prozent ebenfalls noch eine signifikante Rolle bei diesem Entscheidungsprozess.