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12.05.1989 - 

Unternehmensbereich Bürokommunikation reißt Lücke ins Jahresergebnis der Alcatel-Tochter in Stuttgart

BK bei SEL: Die Kuh ist noch nicht vom Eis

STUTTGART (bi) - Auch die SEL-Aktionäre bekommen jetzt die Auswirkungen einer seit Jahren verfehlten Strategie in Sachen Bürokommunikation zu spüren: Mit 2,50 statt 10,50 Mark Dividende im Vorjahr müssen sie sich heuer zufrieden geben und mit dem Trost, daß dieser Problembereich der Alcatel-Tochter erneut saniert werden soll - möglichst bis 1990.

Bei den Stuttgartern hat in den vergangenen Jahren die Vielfalt unterschiedlicher DV- und nachrichten-technischer Produkte unter dem Generalnenner Bürokommunikation nicht zu der Integration gefunden, die das Unternehmen oder seine Mütter ITT und später dann Alcatel den SEL-Kunden versprochen hatten. Verantwortlich dafür waren sicherlich schwierige Randbedingungen, wie sie auch konkurrierende Unternehmen vorfanden, aber auch ungeeignete organisatorische und betriebswirtschaftliche Maßnahmen, ganz abgesehen davon, daß das propagierte Kernprodukt dieses Sektors, das System 12B, nicht in dem Maße Marktanteile gewinnen konnte wie etwa die Nebenstellenanlagen von Nixdorf oder Siemens.

Nur diesem einzigen Problembereich seien die hohen Verluste anzulasten, die die sowohl an der Unternehmensspitze als auch an der Personalbasis gebeutelte SEL-Gruppe zu verkraften hat, wurde jetzt anläßlich der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart betont. Erst vor drei Monaten war der langjährige Vorstandsvorsitzende Helmut Lohr im Zusammenhang mit einem gegen ihn eingeleiteten Gerichtsverfahren unter anderem wegen Steuerhinterziehung aus der SEL-Führungsmannschaft ausgeschieden.

Sein Nachfolger, Gerhard Zeidler, präsentierte jetzt anläßlich der Bilanzpressekonferenz Personalabbau, hohe Investitionen und die Konzentration "auf die Sprach-, Text- und Datenkommunikation - zu Lasten der Datenverarbeitung" als die Mittel der Wahl, den Bereich Bürokommunikation in Zukunft gegen widrige Marktbedingungen, wie zum Beispiel Preisverfall, abzusichern.

Zur Disposition steht allerdings nach wie vor die ebenfalls kränkelnde DV-Tochter CTM Computertechnik Müller GmbH, Konstanz. Eine Entscheidung, wie "dieses sehr ernste Problem" zu lösen sei, ist jedoch noch nicht gefallen, und, so lassen die ausweichenden Antworten des Vorstandes vermuten, auch noch nicht in Sicht. Drei Wege zeichnete Zeidler auf, um mit CTM ins reine zu kommen: Stärkung aus eigener Kraft, Kooperation oder Verkauf.

So klar sich der frühere Nachrichtenvorstand im Hinblick auf den Rückzug aus der Datenverarbeitung ausdrückte, so unklar blieb, was in Zukunft bei der SEL unter Bürokommunikation zu verstehen ist. Im Zentrum soll offenbar das inzwischen für ISDN aufgerüstete System 12B stehen, ferner wurden Telex- und Telefax-Geräte als Komponenten genannt, ebenso wie kleine PBX-Anlagen für bis zu 150 Anschlüsse, die ausgesprochene "Renner" seien.

Gleichwohl schloß der neue Vorstandsvorsitzende - Zeidler ist kaum hundert Tage im Amt - nicht aus, daß man nach einem (neuen) DV-Partner für die Realisierung von ISDN-Anwendungsverbundlösungen Ausschau hält. Im Gespräch war bereits Hewlett-Packard gewesen.