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18.04.1980 - 

Schachcomputer sagt Kortschnojs Sieg voraus:

"Black Knight" gegen Petrossjan unentschieden

VELDEN (ik) - Bis zu 70 Prozent der gespielten Züge konnte das Schachprogramm "Black Knight" auf dem Univac 1100/80 während des WM-Ausscheidungskampfes Kortschnoj-Petrossjan, der im März im österreichischen Kurort Velden zu Ende ging, richtig prognostizieren. Es sagte auch Kortschnojs Sieg in der entscheidenden 5. Partie voraus. Ohne Fußtritte unteren Tisch, Mißachtung des Gegners und, andere für die WM-Kandidaten sonst typische psychologische "Mätzchen" ging "Black Knight" beiden Gegnern mit gutem Beispiel voran.

Das Schachprogramm "Black Knight" wurde von Fred Prouse, Kenn Sogge, Gary Maltzen und Lonny Lebahn im Jahre 1974 in Fortran ursprünglich für Sperry Univac der Serie 1100 in Minneapolis entworfen. Das weiterentwickelte Programm hat einen Hauptspeicherbedarf von 55 KB und in seiner Eröffnungsbibliothek sind über 96 000 Stellungen untergebracht. Vor jedem Zug werden je nach Bedarf und Komplexität der Stellung bis zu 50 000 Positionen analysiert. Es gehört zu den wenigen Schachprogrammen, die nach der selektiven B-Strategie von Shannon vorgehen.

Die Methode zur Auswahl der erfolgversprechenden Züge in Verbindung mit der jetzigen CPU-Leistung von mehreren Millionen Additionen pro Sekunde machten das Programm alsbald auch für den ernsten Wettbewerb konkurrenzfähig. "Black Knight" belegte bei der Weltmeisterschaft im Jahre 1977 in Toronto immerhin einen Platz in der Mitte des Startfeldes; in den US Computermeisterschaften 1978 rangierte das Programm an 8. Stelle.

Das Overallprogramm ist logisch in mehrere Unterprogramme geteilt. Die wichtigsten sind:

1. Umsetzung der Eingaben des Benützers

2. Erstellung gültiger Zuglisten

3. Vorordnen von Zuglisten

4. Durchführung von Zügen und Vorausschau

5. Auswertung der sich ergebenden Brettpositionen.

Vier verschiedene Schachnotationen werden als gültige Zugdarstellungen akzeptiert wie zum Beispiel die Standardnotation, die englische Notation etc.

Bei der Erstellung gültiger Zuglisten wird zunächst eine Liste aller möglichen Züge ausgehend von der gegebenen Brettposition angefertigt. Diese Liste wird dann durch die Eliminierung aller ungültigen Züge gekürzt.

Beim Vorordnen von Zuglisten handelt es sich darum, daß anhand von groben Kriterien wie zum Beispiel dem Schachbieten, dem Schlagen oder Bedrohen einer Figur, einzelnen Zügen positive oder negative Werte zugeordnet werden. Unter Verwendung dieser Wertigkeit werden die Listen neu zusammengestellt, wobei die aussichtsreichen Züge an die vorderen Stellen kommen.

Da die Permutationen von Zügen sogar für geringe Suchtiefen immens groß sind, wird ein verkürzender Algorithmus (Alpha-Beta-Algorithmus) verwendet, der das Absuchen derjenigen Äste, die offensichtlich nicht erfolgversprechende Varianten darstellen, abbricht. Ist einmal ein Ast des Baumes erforscht worden, besitzt das Programm einen erreichbaren Mindestwert. Daher kann man das Absuchen irgendeines Astes abbrechen, wenn ein schlechterer Wert gefunden wird.

Da die Bewertung der Brettposition unter Berücksichtigung von geschlagenen und verwandelten Figuren extrem schwierig ist, wird das Baumabsuchen dann bis zu einer größeren Tiefe durchgeführt, wenn Figuren geschlagen oder verwandelt werden können. Aus zeitlicher Rücksicht kann dieser Vorgang jedoch nicht auf unbestimmte Zeit ausgedehnt werden. Dies ist auch einer der Gründe, warum das anschließende Kräftemessen (siehe Partie 1 und Photo 2) zwischen dem Exweltmeister Petrossjan und "Black Knight" vorzeitig abgebrochen werden mußte.

Für das Spiel konnte lediglich 30 Prozent der Gesamtkapazität des durch Timesharing überlasteten Univac 1100/80 Systems im Rechenzentrum Graz verwendet werden.

"Black Knight" verfügt über fünf Spielstärken von 0 (Blitz) bis 4 (Turnier) bei durchschnittlichen Bedenkzeiten von zwei bis 180 Sekunden pro Zug.

Es kann auch Schachprobleme lösen beziehungsweise eingegebene Stellungen weiterspielen.

In Velden wurden dem Computer gewisse dramatische Stellungen der Weltmeisterschaft eingegeben und mit den Zügen von Kortschnoj und Petrossjan verglichen.

Gleich in der ersten Partie sagte "Black Knight" den Abgabezug von Kortschnoj 41.Ld3 x g6 richtig voraus.

Der vom Computer vorgeschlagene Abgabezug in der dritten Partie 41.Sb3c5 (siehe Diagramm 3) hätte sogar nach, Ansicht anwesender Experten Weiß mehr Gewinnchancen als Kortschnojs 41.Sb3-a5 gebracht.

Partie Petrossjan - "Black Knight"

Weiß: Petrossjan

Schwarz: Black Knight

Einstellung 0

Gespielt am 25. 3. 80

Trompowsky Angriff

Der in der WM bereits geschlagene Exweltmeister Petrossjan gab sich während des Kampfes mit dem Computer erstaunlich gelassen. Mit seinem zweiten Zug 2.Lg4 überging er die umfangreiche Bibliothek von "Black Knight".

1.d4 Sf6 2.Lg5 d5 3.e3 Sc6 (Ein typischer Computerzug, bei dem der Bauer "c5" verstellt wird. -

4.Lb5 Lg4!? 5.f3 LfS 6.Sd2 Dd7 7.c3

Bereitet den Vorstoß "e4".

7...e6 8.Se2 a6 9.La4 Le7 10.O-O 10...O-O 11.De1 h6 12.Lxf6 Lxf6 13.e4! Lg6(?)

Petrossjan schlug an dieser Stelle 13. .. Lh7 vor.

14.Sf4 Kh7!?

Hier hat die Maschine in der besseren Stellung für Weiß wegen des Zeitmangels das Remisangebot von Petrossjan akzeptiert.

Es wäre interessant festzustellen, wie "Black Knight" bei der Entfaltung seiner Vollen Spielstärke 4 abgeschnitten hätte.