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12.01.1996

Blauaeugige Nullpeiler

Charles B. Wang, Gruender und Vorsitzender des Softwareriesen Computer Associates (CA), ist unter die Autoren gegangen. Sein Buch "Im Dschungel der Informations-Technik - ein Survival Guide fuer Manager" untersucht das nicht bestehende Verhaeltnis zwischen Topmanagern und Informatikern, die "Kluft", wie er es nennt - und die eigentliche Ursache der DV-Krise. Die Essenz des Wang-Wehklagens laesst sich auf folgenden Nenner bringen: Die Fuehrungskraefte sind blauaeugig, blind gar die DV-Spezialisten. Oder ist es umgekehrt? Egal. Auch die Marketiers der DV-Branche, moechten wir hinzufuegen, sind Nullpeiler - einschliesslich Wang selbst, der wohl weiterhin zu den Nicht-Schreibern gehoeren wuerde, wenn der Geldregen aus dem Geschaeft mit Mainframe-Software angehalten haette.

Die Frage, ob Informationstechnik ueberhaupt harte, das heisst messbare Wettbewerbsvorteile fuer die Unternehmen bieten kann, bleibt in dem "Dschungelbuch" natuerlich voellig offen. Eine endgueltige Antwort gibt es nicht. Das liegt in der Mittel-zum-Zweck-Natur der Sache. So gesehen vermag Wang dem Kluft-Konstrukt, das er anprangert, dass naemlich Fuehrungskraefte und Manager die DV verkennen, nicht zu entgehen. Doch der CA-Boss kann gar nicht anders, er muss Praemissen, hier vom Wert der DV als Wettbewerbsfaktor, fuer Tatsachen ausgeben. Insofern faellt der Dank an Wang zynisch aus.

Zu danken aber haben wir ihm fuer seine Enthuellungen. Herstellerabhaengigkeit, FUD (Fear, Uncertainty and Doubt), Glashaus-DV? Aber ich bitte Sie, meine Herren Manager, das ist doch normal. Die DV-Spezialisten moegen es, wenn die Anwendungen, die sie bauen, tausend Tuecken haben. Zur Fehlerbeseitigung sind die "Bit-Koepfe" (O-Ton Wang) leider unentbehrlich. Geschieht Ihnen, Herr Topmanager, also ganz recht, dass Sie von der DV enttaeuscht sind. Warum haben Sie Ihrem DV-Leiter geglaubt?

An dieser Stelle muessen wir Wang unterbrechen. Vieles spricht ja fuer seine Argumentation. Bei den Anwenderfirmen ist, was die Integration der DV in die Unternehmensprozesse betrifft, nichts zusammengewachsen, nicht in 30 Jahren IBM-Mainframe-Monopol. Doch ueber die FUD-Aera, die Dreibuchstabenzeit, wurde bereits alles gesagt. Dafuer kann sich niemand mehr etwas kaufen. Wang mogelt sich um die Erkenntnis herum, dass technologischer Fortschritt nicht gleichbedeutend mit Marktakzeptanz ist. Das Problem heisst: Wo verlaeuft die Grenze zwischen dem Notwendigen, Wuenschenswerten, und dem zwar Moeglichen, aber Ueberfluessigen, zwischen Nutzen und Gimmick beim Einsatz moderner IuK-Techniken?

Bei der Einschaetzung haben wir es mit lauter unbekannten Groessen zu tun. Am deutlichsten wird das Dilemma, wenn man die Frage nach der richtigen Informationsmenge stellt: Zuviel oder zuwenig, wer kann das schon ueberzeugend beantworten? Ein Argument taucht in der Diskussion selten auf: Die DV-Techies, die Microsofts und Telekoms, veraendern die Welt so, dass sie mit den Veraenderungen selbst nicht mehr zurechtkommen. Einiges spricht dafuer, dass wir eine Pause zum Nachdenken brauchen.