Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

06.02.1998 - 

System-Management/Microsofts Einfluß rückt die Initiative in Windows-Nähe

Bleibt das WBEM-Modell auf herstellerunabhängigem Kurs?

Ausgehend von Teilen der Microsoft-Zero-Admin-Windows-(ZAW-)Initiative, ist das Ziel von WBEM die Konsolidierung der beim Betrieb eines IT-basierten Unternehmens anfallenden Management-Daten. Dennoch wollen die Initiatoren WBEM nicht auf Windows-Umgebungen beschränken. Vielmehr verfolgen sie das Ziel, die komplette IT-Landschaft, bestehend aus Servern, Routern, Hubs, Switches etc., einschließlich Applikationen sowie deren Abhängigkeiten untereinander abzubilden. Keinesweg planen sie bereits bestehende Protokolle und Standards wie das SNMP, DMI und CMIP abzulösen, sondern wollen sie in einem objektorientierten Modell zusammenführen.

Arbeiten die beteiligten Hersteller erfolgreich, wird sich für das Management von IT-Umgebungen der Vorteil ergeben, weder an bestimmte Frameworks und Plattformen noch an proprietäre Protokolle gebunden zu sein. Um ihr Anliegen zu untermauern, wird die WBEM-Initiative ihre Spezifikationen weitgehend herstellerunabhängigen Gremien wie der Desktop Management Task Force und der Internet Engeneering Task Force zur Standardisierung vorlegen. Die Ergebnisse dieser Bemühungen sollen dann allen interessierten Parteien frei zur Verfügung stehen.

Als Front-ends kommen laut WBEM-Konzept Web-Browser zum Einsatz, die grundsätzlich auf allen etablierten Plattformen bereitstehen. Der Zugriff auf Management-Daten ist somit standortunabhängig, außerden sind keine oder nur vergleichsweise geringe Investitionen in geeignete Management-Arbeitsplätze erforderlich. Durch die Integration vorhandener Protokolle und Daten lassen sich bereits getätigte Investitionen weiterhin nutzen.

Die Einbindung existierender Lösungen hat auch den Effekt, daß einzelnen wichtigen Herstellern die Motivation zur Blockade der Arbeiten genommen wird. Eine einheitliche Benutzer-Schnittstelle verringert außerdem die Komplexität, mit der die umfassenden Management-Lösungen derzeit zu kämpfen haben.

Die Architektur von WBEM wird in Form mehrerer Drafts spezifiziert. In diesen Schriftstücken haben die Autoren den Begriff des Hypermedia Management kreiert. Sie verstehen darunter das umfassende Management unterschiedlichster IT-Ressourcen unabhängig von den aktuell verwendeten Management-Lösungen. Die wichtigsten Architekturelemente von WBEM sind:

-das Hypermedia Management Schema (HMMS),

-der Hypermedia Object Manager (HMOM) und

-das Hypermedia Management Protocol (HMMP).

Der HMOM stellt einen zentralen Service dar. Er ist verantwortlich für das Beschaffen und Speichern der Management-Information in einem Repository, das der HMMS-Spezifikation entspricht, sowie der Manipulation dieser Datenbasis. Das HMMP-Protokoll dient zur Kommunikation zwischen Managementkonsole (WEB-Browser) und HMOM sowie der Kommunikation zwischen HMOM-Prozessen, die verteilt oder hierarchisch zueinander agieren können.

Der Einsatz mehrerer HMOMs soll für den Administrator transparent erfolgen. Wenn etwa die benötigte Information nicht im lokalen Repository vorliegt, stellt der angefragte HMOM-Prozeß eine Verbindung zu dem HMOM her, der die Information tatsächlich vorhält. Über diesen Umweg erreichen die entsprechenden Daten die anfragende Management-Konsole (siehe Grafik).

Da die Definition der entsprechenden Standards zwar auf Basis der von Microsoft geleisteten Vorarbeiten beruht, dieVerfeinerung und Verabschiedung jedoch nicht durch den Softwarehersteller, sondern in offenen Gremien erfolgt, haben sich einige Änderungen etwa in bezug auf die Nomenklatur ergeben. So ist das HMMS, ursprünglich nur auf Win32s-Systeme ausgelegt, mittlerweile als Common Information Model (CIM) in der durch die DMTF erweiterten Version 2.0e verfügbar. Entsprechend wird der HMOM nun als Common Information Model Object Manager (CIMOM) bezeichnet.

Der Standardisierung des HMMP-Protokolls dürfte weniger Erfolg beschieden sein: Die erste Fassung, die HMMP über Hypertext Transfer Protocol (HTTP) festlegte, fiel bei der IETF Networkadministration Workgroup durch. Der Grund: HTTP ist nicht für den Transport von Management-Informationen zuständig. Daraus können Probleme unter anderem hinsichtlich der Konsistenz zwischen Konsolen und Manager-Information entstehen. In der jetzigen Form wird HMMP zwischen Win32s-Systemen auf Basis des Distributed Component Object Model (DCOM) durchgeführt. Sollen Win32s-fremde Systeme erfaßt werden, nutzt das Verfahren einen Java-basierten Protokoll-Stack. Zu diesen Vorgehensweisen existiert noch kein Internet-Draft, so daß der angestrebte Status eines Request For Comment (RFC), einem Vorlaufprozedere auf dem Weg zum offiziellen Internet-Standard, auf sich warten lassen wird.

Wie schon erwähnt arbeitet der Administrator mit einem beliebigen WEB-Browser. Dieser kommuniziert über HMMP mit dem HMOM, der die von aktiven Netzkomponenten, Servern, Applikationen etc. vorgehaltenen Daten entsprechend dem HMMS aufbereitet und präsentiert. Dabei spielt es keine Rolle, ob Router, Server, Applikationen oder andere beteiligte Komponenten Management-Daten in Form von SNMP-, DMI- oder auch CMIP-Informationen bereitstellen. Eine entsprechende Demonstration dessen, was WBEM einmal leisten soll, ist unter http://wbem.freerange.com/wbem zu erhalten. Allerdings steht der Beweis noch aus, daß das dort Präsentierte auch einer realen Situation standhalten kann.

Neben der erforderlichen guten Performance der CIM-Datenbank sind die Korrelation von Fehlersituationen sowie die Auswahl und übersichtliche Darstellung möglicher und relevanter Handlungsschemata für den zuständigen Mitarbeiter potentielle Problembereiche. Sollte die angestrebte Integration gelingen, so würde dies im Vergleich zu heute verfügbaren Management-Lösungen einen erheblichen Fortschritt bedeuten. Dennoch werden nur eine gute Projektplanung und -durchführung sowie eine dem Machbaren angepaßte Erwartungshaltung ein erfolgreiches IT-Management gewährleisten.

Sucht der interessierte Administrator auf den Web-Seiten der beteiligten Firmen nach Produkten beziehungsweise Ankündigungen, wird er eine herbe Enttäuschung erleben. Als Entschuldigung kann man den Herstellern zugute halten, daß der Standardisierungsprozeß nicht abgeschlossen ist. Gibt es Ankündigungen, beziehen sie sich im wesentlichen auf das Management von Win32s-Systemen, genauer gesagt auf Windows NT, Version 5.0, und Windows 98. Um jedoch dem Anspruch des Enterprise-Managements gerecht zu werden, ist auch die auf breiter Basis angelegte Unterstützung durch die Hersteller der aktiven Netzkomponenten unabdingbar - im Idealfall durch Java-basierte, plattformunabhängige Management-Applets ergänzt.

Das einzige, was der Markt derzeit hergibt, sind Entwicklungs-Tools für Hersteller von Management-Lösungen, Applikationen oder Hardware. Derartige Werkzeuge sind immer eine gute Lösung, der Öffentlichkeit Arbeitsresultate vorzuweisen und weitere Interessenten zum Mitmachen zu bewegen. Im Fall der Management-Initiative ist dies das "WBEM SDK", das derzeit in einer Version für die Windows-Ausführungen 95, NT 3.51 und 4.0 sowie in einer weiteren für HP-UX 10.20 zum Download unter http://wbem.freerange.com/ wbem/standards.htm bereitsteht. Die Win32s-Version umfaßt neben einem CIMOM-Service die Applikationen "WBEM Object Browser" (zum Einsehen und Ändern der CIMOM-Datenbank), "WBEM Developer Studio" (etwa zum Erstellen von Klassendefinitionen oder Managed-Object-[MOF-]Files) und den "WBEM HTML Viewer" (zum Ansehen von Klassen, Instanzen, etc. der CIMOM-Datenbank ohne Internet Explorer und Active X). Darüber hinaus sind einige Beispielapplikationen und entsprechende Dokumentationen im SDK enthalten.

Diese Werkzeuge stehen im Widerspruch zum ursprünglichen WBEM-Credo der Plattformunabhängigkeit. Sie unterstützen etwa unter den Windows-Betriebssystemen nur den Microsoft-Browser Internet Explorer inklusive Active X. Für HP-UX gibt es keinen Internet Explorer, so daß dort Netscape mit seinem "Navigator" zum Zuge kommt. Auch ist es fraglich, ob die Initiatoren eine freie Implementierung des HMOM/ CIMOM als portablen C++-Quellcode zur Verfügung stellen werden. Entsprechende Pläne wurden anfangs zumindest angedeutet. Momentan unterliegt das Win32s-SDK, das auch die HMOM/CIMOM-Services umfaßt, einer Microsoft-Lizenz.

Da bislang keine endgültige Definition von WBEM vorliegt und dies in nächster Zeit auch nicht zu erwarten ist, da außerdem das HMMP-Protokoll noch nicht einmal als Internet-Draft akzeptiert wurde, wird es brauchbare WBEM-basierte Management-Lösungen nicht vor 1999 geben. WBEM will bereits bestehende Management-Lösungen nicht ausmustern, sondern vereinheitlichen, so daß der Zeitverzug keinerlei Auswirkungen auf geplante Investitionen im IT-Bereich haben sollte.

Wichtiger als schnelle Ergebnisse ist zudem das Ziel der beteiligten Hersteller, sich auf eine gemeinsame Basis zu einigen. Für das HMMS, das mittlerweile als Common Information Model bezeichnet wird, scheint dies zu gelingen. Jedoch sind auf dem Weg zum Standard noch einige Klippen zu umschiffen. Neben der einheitlichen, offenen und jedem zugänglichen Definition des HMMP sind dies auch Details wie herstellerspezifische Erweiterungen des HTTP-Protokolls oder des Java-API. Die letzten beiden Punkte sind an den immer wieder aufkommenden Reibereien zwischen Microsoft und Netscape beziehungsweise Microsoft und Sun leidvoll deutlich geworden. Denn ein WBEM, das nur mit einem bestimmten Browser ausgestattet werden darf und mit einem nicht exakt dem Standard entsprechenden Java-API funktioniert, kann nicht im Interesse der WBEM-Initiative und schon gar nicht in dem des Anwenders liegen.

GLOSSAR

CIM Common Information ModelCMIP Common Management Information ProtocolDCOM Distributed Component Object ModelDMI Desktop Management InterfaceDMTF Desktop Management Task ForceHMMP Hypermedia Management ProtocolHMMS Hypermedia Management SchemaHMOM Hypermedia Object ManagerHTTP Hypertext Transfer ProtocolIETF Internet Engineering Task ForceRFC Request for Comment (Internet Standard)SDK Software Development KitSNMP Simple Network Management Protocol

Angeklickt

Mit dem hehren Ziel, ein standardisiertes, existierende Verfahren integrierendes und Web-basiertes IT-Management zu realisieren, kamen vor etwa eineinhalb Jahren knapp 70 Hersteller zu einer WBEM-Initiative zusammen. In der Folge schufen sie ein Verwaltungsmodell, das sich eng an Web- und andere etablierte Standards anlehnt. Um Herstellerunabhängigkeit zu demonstrieren, wurden die Arbeiten offiziellen Standardgremien übergeben, die jedoch keineswegs alle Vorschläge akzeptierten. Vor allem eine Abwandlung des Internet-Protokolls HTTP stieß auf Kritik. Zudem droht mittlerweile das ursprüngliche Vorhaben, eine plattformunabhängige Verwaltungslösung zu schaffen, zu verwässern, weil die Spezifikationen allzusehr auf Microsofts Windows-Umgebungen zugeschnitten werden.

*Diplom-Ingenieur Stefan Kreicker ist Projektleiter für integratives Netzwerk- und System-Management bei der Comconsult Kommunikationstechnik GmbH, Aachen, sowie Referent der Comconsult Akademie auf demselben Gebiet.