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25.02.1994

Blenheim und Interface wollen kooperieren Netz-Management beherrscht Nachfolgemesse der "Networld" CW-Bericht, Juergen Hill

BOSTON - Ein wahres Feuerwerk an Innovationen zuendeten die amerikanischen Hersteller auf der ersten grossen Netzwerkmesse des Jahres, der "Networks Expo" in Boston. Der Schwerpunkt der Produktankuendigungen lag jedoch im Gegensatz zur frueheren, traditionell eher LAN-orientierten "Networld", mehr im WAN- Bereich.

Bei aller Innovationsfreudigkeit der Hersteller, fuer die Neuigkeit der Messe sorgte Networks-Veranstalter Blenheim selbst. Nachdem Novell, das die Rechte auf den Namen Networld besitzt, Blenheim im letzten Jahr einen Korb gegeben hatte und jetzt mit der Interop Inc. kooperiert, hat der Veranstalter einen neuen Partner gefunden: Kuenftig arbeitet der Networks-Initiator mit der Interface Group, dem Veranstalter der Comdex, zusammen und hofft, dadurch den leichten Ausstellerrueckgang zu kompensieren.

Den ersten gemeinsamen Showdown planen die beiden Messegiganten fuer September in Dallas. Dort will das Duo die Networks Expo in Verbindung mit der "Windows World" ausrichten und als Dreingabe noch ein neues "Communications Event" aus der Taufe heben. Blenheim-CEO James O'Rourke teilte in Boston lediglich mit, die neue Messe werde sich vorwiegend den Themen interaktive Kommunikation im LAN-WAN-Bereich sowie globale Kommunikation widmen.

Ebenso bedeckt hielten sich die beiden frischgebackenen Partner, die den Kontrakt ueber ihre strategische Allianz am ersten Messetag in Boston unterzeichneten, hinsichtlich Fragen nach einem weiteren Engagement. Zwar stellte man bereits gemeinsame Veranstaltungen in San Franzisko und Chikago in Aussicht - zur internationalen Bedeutung der Partnerschaft befragt, hiess es seitens der Interface Group aber nur, die Allianz sei nicht auf die USA beschraenkt. O'Rourke lapidar: "Wir arbeiten ueberall dort zusammen, wo es Sinn macht." Keinesfalls allerdings wollte der Blenheim-Chef die Allianz mit Interface als eine Reaktion auf Novells Wechsel zur Interop verstanden wissen. "Nicht der Name, sondern die Themen machen die Attraktivitaet einer Messe aus", lautet die offizielle Blenheim-Lesart.

Wide Area Networking gewinnt an Stellenwert

Einer Lesart, der sich wohl auch Novell angesichts der rund 35000 Besucher auf der diesjaehrigen Networks Expo nicht entziehen konnte. Obwohl der LAN-Marktfuehrer offiziell gar nicht anwesend war, fand das Publikum Informationen zu Netware 3.12 und 4.01 im "Netware Solutions Pavillon". Zu diesem Zweck hatten die findigen Netzwerker aus Provo einen einfachen Trick aus dem Hut gezaubert, um nicht selbst erscheinen zu muessen: Die Juniper Systems Inc., ein Novell-Reseller, zeichnete fuer den Pavillon verantwortlich. Unbeantwortet blieb auf diese Weise allerdings der Widerspruch zu der urspruenglichen Novell-Aussage, die Networks sei zu LAN-lastig, und man daher als aufstrebende WAN-Company in der Networld +Interop ein passenderes Umfeld gesucht und gefunden habe.

Auch die zahlreichen Produktvorstellungen, die die Grenze zwischen LANs und WANs immer mehr verwischen, laesst Novells Haltung inkonsequent erscheinen. Den Trend der Networks Expo zur Internetworking-Messe verdeutlichten auch die Eroeffnungsreden von Travers Waltrip, Vice-President fuer Telekommunikation bei der Travelers Company, und Philip Edmonds, Corporate Director fuer Telekommunikation der Disney Worldwide Services. Beide Redner zeigten anschaulich, wohin das amerikanische Networking-Business im Zeitalter des von Bill Clinton und Al Gore propagierten Information-Highways tendiert. Eindeutige Tendenz: Dem WAN gehoert die Zukunft.

Waltrip ging gar soweit, dass er die LAN-Technologie angesichts der geplanten Datenautobahnen als "Technik von gestern" bezeichnete. Nach seiner Vision werden im Amerika von morgen immer mehr Beschaeftigte ihre Arbeit via Information-Highway von zu Hause oder von unterwegs bewaeltigen.

Ausserdem, so die Hoffnung oder - je nach Standpunkt - auch Befuerchtung des Managers, werden die Datenautobahnen kuenftig wirtschaftliche Vorteile nivellieren. Der Grund: Nicht nur grosse Unternehmen koennten sich wie bisher unter hohem Kapitalaufwand mit eigenen Netzen einen Informations- und damit Wettbewerbsvorsprung erarbeiten. Kuenftig haetten auch kleinere Firmen mit dem Daten- Highway eine Infrastrukutr zum schnellen Datenaustausch und damit einen Wettbewerbsnachteil weniger.

Doch bis die Visionen des TK-Experten Wirklichkeit werden, duerfte noch viel Wasser den Bostoner Charles River hinunterfliessen und die Hersteller von LAN-Equipment so manchen Dollar verdienen. Neben zahlreichen neuen LAN-Adaptern (siehe Seite 27) zeigten die Aussteller eine ganze Palette neuer Hubs und Fax-Server (Bericht in der naechsten Ausgabe).

Nach wie vor liegt das Thema Netz-Management voll im Trend. Die in Boston gezeigten Loesungen reichten vom Desktop-Management bis hinzu Enterprise-weiten Verwaltungs-Tools. Waehrend IBMs Networking Systems Division mit grossem Multimedia-Rummel fuer ihre Management- Plattform "Netview" warb, herrschte bei Microsoft in Sachen Netz- Management Funkstille. Mit Hermes sei jedenfalls, so die Auskunft des Standpersonals, erst im dritten Quartal 1994 zu rechnen.

Netz-Management ist nicht gleich Netz-Management - dies machte zudem ein Messerundgang deutlich. Unter dem Schlagwort verstehen die Hersteller momentan meist voellig unterschiedliche Funktionalitaeten. So sprachen in Boston einige Aussteller bereits von Netz-Management, obwohl sie nur ein sogenanntes Help-desk-Tool zeigten. Es soll dem Enduser im Fehlerfall mit praktischen Tips beistehen, um den Systemadministrator von Problemen wie zu wenig Speiecherplatz etc. zu entlasten. Tools dieser Art waren unter anderem der "Top of Mind Advanced Helpdesk" der Molley Group Inc. oder der "First Level Support for Windows" von Bendata Inc.

Einen anderen Ansatz zur Entlastung der Netzadministratoren verfolgen die Brightwork Development Inc. mit "Brightwork Fusion", die Saber Software Corp. mit dem "Saber Enterprise Application Manager" (SEAM) sowie die Frye Computer Systems Inc. mit den Programmen "Software Update and Distribution System (SUDS)" und "SUDS Wide Area Network Distribution Module". Bei diesen Werkzeugen stehen die Lizenzueberwachung der im Netz benutzten Software sowie Software-Verteilung und -Update im LAN und WAN im Vordergrund.

US-Hersteller: Standard fuer Dokumentenaustausch

Darueber hinaus praesentierte Frye die Version 2.0 seiner "Netware- Management"-Plattform, die den Netzbetreuer bei der Administration der User- und Server-Konfigurationen unterstuetzen soll. Ebenfalls Erleichterung bei der Serververwaltung verspricht die Raritan Computer Inc. mit den Werkzeugen "Mouse Share" und "Master Console". Damit sollen bis zu 64 Server via Maus konfigurierbar und kontrollierbar sein. Ganz dem Internetworking widmet sich General Datacomm mit dem auf HPs Openview basierendem "T1/E1 Access Manager", der in Verbindung mit den hauseigenen SNMP- Devices der 550er Serie die Kontrolle von T1/E1-Verbindungen erlaubt.

Auch in puncto Datenintegritaet in heterogenen Netzen hatten die US-Aussteller fuer europaeische Besucher eine Ueberraschung parat. Waehrend man in Europa noch ueber das Fuer und Wider des Open Data Access (ODA) als Datenstandard zum Dokumentenaustausch zwischen verschiedenen Plattformen sowie ueber die formatunabhaengige, langfristige Speicherung via ODA diskutiert, konterten die Amerikaner in Boston mit einem eigenen Standard zur Daten- Interoperabilitaet: Ueber 50 Hersteller unterstuetzen bereits das System Independent Data Format (SIDF) und wollen diesen Vorschlag auch internationalen Standardisierungsgremien wie ECMA oder ISO vorlegen.

Einen kleinen Trost fuer die europaeischen ODA-Befuerworter hatte Jeff Platon, Chairman der SIDF Association: "Wir werden mit den ODA-Leuten reden, da zwei Standards nicht viel Sinn machen", sagte er in Boston. Fragt sich nur, wer am laengeren Hebel sitzt: das Haeuflein europaeischer Hersteller, die sich jahrelang nicht einigen konnten, oder die SIDF-Anhaenger mit den Giganten Microsoft, IBM und Intel im Ruecken?