Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

06.10.1978 - 

Eigene Interessenvertretung durch Arbeitskreis "Datenverarbeitung":

Blinde und schwer Sehbehinderte in der EDV

HEIDELBERG (ma) - Im Juni 1971 wurde - erstmalig in der Bundesrepublik - begonnen, am Berufsförderungswerk in Heidelberg Blinde und Sehbehinderte zum DV-Kaufmann/Programmierer auszubilden. Inzwischen arbeiten etwa 100 Angehörige dieses Personenkreises als Programmierer und Organisatoren in den unterschiedlichsten Rechenzentren bei Behörden, in der Wirtschaft und Industrie.

Die Absolventen haben jedoch nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch in der Schweiz und in Österreich, Arbeitsplätze gefunden. Wie Gerhard Freunscht, stellvertretender Leiter des Arbeitskreises "Elektronische Datenverarbeitung" für Sehgeschädigte im Deutschen Blindenverband, gegenüber der COMPUTERWOCHE feststellte, können die bisher zum DV-Kaufmann ausgebildeten Sehgeschädigten durchweg als gleichwertige Partner neben ihren sehenden Kollegen rangieren.

Neben dieser erfreulichen Tatsache hat die Erfahrung der vergangenen Jahre aber auch gezeigt, daß dieser Personenkreis dringend einer eigenen Interessenvertretung bedurfte. So wurde im Februar 1978, durch die Initiative einiger in Heidelberg ausgebildeter DV-Kaufleute, der Arbeitskreis EDV im Deutschen Blindenverband gegründet. Dieser Arbeitskreis ist rechtlich gesehen eine unselbständige Vereinigung sehgeschädigter EDV-Fachleute innerhalb des DBV in Bonn/Bad Godesberg.

Für Sehgeschädigte ist es aufgrund ih... Behinderung meist nicht möglich, das für ihre sehenden Kollegen bestimmte reichhaltige Informationsspektrum auch zu verwenden. Wie Gerhard Freunscht weiter erklärte, hat es sich der Arbeitskreis darum in erster Linie zur Aufgabe gemacht, seine Mitglieder in geeigneter Form über Belange ihres Berufes zu informieren. Da die umfangreiche Fachliteratur sowie das breit gestreute Angebot an Fach- und Fortbildungsseminaren dem Sehgeschädigten so gut wie unzugänglich ist, soll dies durch folgende Maßnahmen geschehen:

- Einrichtung einer zentralen Kassettenbibliothek, in der EDV-Literatur verschiedenster Art gespeichert wird.

- Durchführung von eigenen Fachseminaren zur beruflichen Fortbildung und zum Erfahrungsaustausch.

- Monatliche Herausgabe einer Kassettenzeitschrift mit aktuellen Beiträgen aus dem engeren und weiteren EDV-Bereich. Grundlage ist die Auswertung verschiedener Fachzeitschriften.

Der Arbeitskreis hofft damit, so Freunscht, für seine Mitglieder die Voraussetzungen zu schaffen, um in der schnellebigen Branche Schritt halten und konkurrenzfähig bleiben zu können.

Darüber hinaus hat sich der Arbeitskreis noch zur Aufgabe gemacht, durch verschiedene Aktivitäten Start und Eingliederung des von ihm vertretenen Personenkreises in einen zukunftsträchtigen Beruf zu fördern:

- Forderung der beruflichen Rehabilitation.

- Mithilfe bei der Vermittlung von Arbeitsplätzen für Sehgeschädigte in Zusammenarbeit mit den Arbeitsverwaltungen.

- Mitwirkung bei der Entwicklung berufsbezogener Blindenhilfsmittel und Gestaltung moderner Arbeitsmethoden.

- Erweiterung und Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten zu anderen EDV-Interessengemeinschaften.

- Sinnvolle Öffentlichkeitsarbeit im Hinblick auf den Einsatz Blinder und Sehbehinderter im Bereich der EDV.

Gerhard Freunscht zur COMPUTERWOCHE: "Mit dem gesamten Vorhaben-Katalog glaubt der Arbeitskreis EDV entscheidend dazu beizutragen, die Position des blinden oder sehbehinderten DV-Kaufmanns oder Programmierers auch in Zukunft nicht nur zu erhalten, sondern verbessern und sichern zu können."