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22.09.2005

Blue Laser passt zum Mittelstand

Wilfried Beckmann 
Kleine und mittlere Unternehmen haben bei der Auswahl der Archivierungstechnik nur scheinbar die Qual der Wahl. Die aktuelle Entwicklung zeigt, welche Speicherformate langfristig Erfolg versprechen.

Von Wilfried Beckmann*

Die Kosten von Speichermedien

Die Aufstellung zeigt den Vergleich der Anschaffungskosten pro GB für ein Komplettsystem (Hardware inklusive Medien) mit rund 8 bis 10 TB Kapazität.

Bandtechnik etwa 3 US$/GB

MO-Technik etwa 30 US$/GB

DVD-Technik etwa 8 US$/GB

PDD- Technik etwa 5 US$/GB

UDO- Technik etwa 10 US$/GB

Raid-Technik etwa 30 US$/GB

Hier lesen Sie ...

- wie der Mittelstand von optischen Speichersystemen profitieren kann;

- welche optische Medien es gibt und wie sie sich unterscheiden;

- was bei einem Speicherkonzept zu beachten ist.

War die professionelle, elektronische Datenarchivierung lange Zeit nur ein Thema für große Unternehmen, so muss sich heute auch der Mittelstand intensiv damit auseinander setzen. Dabei sind zahlreiche Gesetze zu beachten, die für alle Unternehmen gelten, die steuerrelevante Daten produzieren. Dazu zählen nicht nur die kaufmännischen Dokumente wie Rechnungen, Lieferscheine und Finanzberichte, sondern auch Telefonnotizen und die Korrespondenz mit Kunden, wenn diese weitere Hinweise auf steuerlich relevante Prozesse enthalten. Die Zahl der archivierungspflichtigen Daten steigt daher kontinuierlich.

Weiterhin sind die Unternehmen auch daran interessiert, zusätzliche datenintensive Anwendungsbereiche durch elektronische Archivierung abzusichern. In erster Linie sind in Deutschland aber die regulatorischen Bestimmungen und Sicherheitsanforderungen, unter anderem aus Handelsgesetzbuch (HGB) und Abgabenordnung (AO), richtungsweisend bei der Auswahl der geeigneten Storage-Lösung.

Untrennbar mit elektronischer Archivierung verbunden ist die optische Speichertechnologie, wobei die DVD und die magneto-optischen Speicher (MO) bereits etabliert sind. Im Jahr 2005 wurde die Blue-Laser-Technologie eingeführt, die in puncto Speicherdichte, Performance und Preis neue Maßstäbe setzt. Mit dieser Technik stehen optische Speicher am Anfang eines Innovationsschubs, von dem insbesondere der Mittelstand profitieren dürfte.

Befasst man sich mit diesem Trend näher, so ist zunächst einmal ist die Kapazität der Medien zu betrachten. Seit dem Jahr 2000 werden DVDs als Speichermedien mit einer Kapazität von 4,7 GB eingesetzt. Beidseitig beschreibbare DVD-Datenträger fassen 9,4 GB, MO-Medien bis zu 9,1 GB. Durch die Entwicklung der Blaulichtlaser können Medien dichter beschrieben werden und erhöhen so die Kapazität beträchtlich. Im Vergleich zum bisher verwendeten roten Laser steigt beim blauen Laser die Datendichte um den Faktor fünf. So haben die von Sony entwickelten "Professional Disk for Data" (PDD) aktuell eine Kapazität von 23 GB. Im kommenden Jahr soll die Kapazität der PDD-Medien 50 GB und ein Jahr später auf 100 GB steigen. Die Datenträger vom Typ "Ultra Density Optical" (UDO) werden ebenfalls mit Blaulicht-Laser beschrieben. Sie bieten pro Seite eine Datenkapazität von derzeit 15 GB. Für UDO ist ebenfalls eine Erhöhung der Speicherkapazität inklusive einer Weiterentwicklung der Optik angekündigt.

Neben der Kapazität spielt die Leistungsfähigkeit der optischen Speicher eine wichtige Rolle. Aktuell ist eine Übertragungsrate von elf MB pro Sekunde möglich. Optische Bibliotheken unterstützen bis zu 14 parallele Datenströme. Auch bei der Transferrate sind Steigerungen geplant. Ein weiterer Aspekt, der für den Einsatz optischer Speichermedien spricht, sind die eingesetzten Standards. Hier hat sich ein Durchmesser von 120 Millimeter als Formfaktor für die Medien durchgesetzt, der für die bisherigen DVDs und auch für das neue PDD-Format gilt.

Langfristige Kompatibilität

Aktuell bieten die DVD-Medien mit ihrem standardisierten Formfaktor und dem einheitlichen File-System UDF die Voraussetzungen für eine langfristig zuverlässige Speicherung. Die Blue-Laser-Technik wird diese Standardisierung aufgreifen und kompatible Laufwerke für alle Techniken - also CD, DVD und Blue Laser - anbieten. Diese Kompatibilität über alle langfristig bedeutenden und weit verbreiteten Medientypen macht die Investition in optische Datenspeicher zukunftssicher. Weder Bandspeicher noch Festplatten können dies garantieren. Sind bei Tapes die teilweise proprietären Bandtypen das Problem, so hakt es bei den Festplatten an den unterschiedlichen Hardwareschnittstellen, die Festplattenspeicher beziehungsweise Raid-Systeme veralten lassen und einen vollständigen Austausch erfordern.

Speichern ohne Berührung

Festplatten und Bandlaufwerke werden als Alternativen zu optischen Speichern für die Langzeit-Archivierung gehandelt. Zu bedenken ist aber, dass die optische Archivierung die einzige Speichertechnik ist, bei der das Beschreiben des Mediums ohne mechanischen Kontakt zwischen Schreib-/Lesekopf und Medium vonstatten geht. Festplatten und Tapes sind beim Beschreiben und bei intensiven Datenzugriffen einer hohen physikalischen Belastung ausgesetzt, die einen kontinuierlichen Verschleiß beinhaltet. Dieser Verschleiß ist verantwortlich für die begrenzte Nutzungsdauer von Band- und Festplattenspeicher.

Relevant im Hinblick auf die Forderungen der Gesetzgebung ist auch die Write-Once-Technik, die optische Medien zu unmanipulierbaren und sicheren Datenspeichern macht, die auch den Kriterien der Revisionssicherheit entsprechen. Bei Festplatten und Bändern muss durch den Einsatz von Software sichergestellt werden, dass ein Überschreiben ausgeschlossen ist.

Zusätzlich sind bei Festplatten-Archivsystemen Vorkehrungen zu treffen, die eine zuverlässige Datenmigration erlauben. Nicht zu unterschätzen sind für mittelständische Anwender die hohen Folgekosten bei einer Festplattenlösung: Unter Berücksichtigung der Anschaffungskosten für Hard- und Software, der entsprechenden Wartungskosten sowie der Kosten im Rechenzentrum für Fläche, Stromversorgung und Kühlung ergeben sich für die optische PDD-Technik Kosten, die auf dem Niveau von Bandspeichern liegen, während die für revisionssichere Festplattenarchive um den Faktor vier höher liegen.

Für Anwender aus dem Mittelstand empfiehlt es sich, das zu archivierende Datenvolumen zunächst zu analysieren und darauf basierend entweder DVD- oder Blue-Laser-Archive einzusetzen. Der Markt bietet optische Jukeboxen für beide Techniken und nahezu jeden Speicherbedarf.

Für den schnellen Datenzugriff auf häufig benötigte Informationen mit parallelen Rechercheoptionen wird einer optischen Library ein Raid-Festplattensystem vorgeschaltet, so dass Dateien im Tagesgeschäft von dort abgerufen werden.

Ein kleiner Raid-Speicher reicht

Bei der Dimensionierung des Raid-Speichers können sich Unternehmen auf einen Prozentteil des gesamten Datenbestands beschränken, zum Beispiel etwa 20 bis 30 Prozent, um die aktuell in Bearbeitung befindlichen Verträge, Belege und Ähnliches dort vorzuhalten. Dabei gilt der Grundsatz: "Archive first". Gemeint ist damit, dass langfristig zu sichernde Daten schnellstmöglich auf den Archivspeicher geschrieben werden und nur ein Bruchteil dieser Daten zusätzlich auf einem hoch performanten Raid-Speicher vorgehalten wird. So wird die Backup-Datenmenge deutlich verringert.

Optische Libraries lassen sich in Wachstumsstrategien zuverlässig einbinden. Man kann sie beispielsweise nahtlos in Storage-Area-Network- und iSCSI-Umgebungen integrieren. Entweder wird hier eine Fibre-Channel- oder iSCSI-Bridge vor die Bibliothek geschaltet oder eine direkte Anbindung an den Server (SCSI) gewählt. Die Bridge-Konstruktion wirkt leitungsverlängernd, so dass der steuernde Server praktisch unbegrenzt weit von der optischen Jukebox entfernt sein kann. Damit sind auch Zugriffe über Gebäude- oder Ortsgrenzen hinweg möglich. Mit der SCSI- Anbindung an einen Server im SAN erreicht man eine vollständige Einbindung in ein Speichernetz.

Konzept für Backup

Zu einem Storage-Gesamtkonzept gehört neben der Archivlösung auch ein schlüssiges Konzept für Backup und Restore. Archive entlasten die anfallenden Kapazitäten beim Backup erheblich, bei einem Restore sind unmittelbare Dateizugriffe problemlos möglich. Eine Tape-Emulation auf Raid-Systemen für Backup-Zwecke - derzeit ein stark wachsendes Marktsegment - lässt sich durch optische Speichertechnik ergänzen. (kk)

* Wilfried Beckmann ist Geschäftsführer der Disc GmbH in Bingen.