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11.08.1989 - 

Martin Goetz befürchtet Monopolbildung im DBMS- und Communications-Markt

BM/DEC: Re-Bundling durch die kalte Küche

FRAMINGHAM (IDG) - IBM und DEC haben das sogenannte Software-Bundling wieder eingeführt. Gegen diese Herstellertaktik argumentiert Martin Goetz *, ein Softwarepionier, der viel dazu beigetragen hat, daß diese Praxis vor zwanzig Jahren für illegal erklärt wurde.

Das Unbundling der IBM-Software wurde damals als ein großer Sieg für die Anwender in aller Welt gefeiert. Es bedeutete niedrigere Preise, Auswahlmöglichkeiten unter den Systemen unabhängiger Anbieter und Befreiung vom Diktat der IBM.

Jetzt taucht das Konzept des Software-Bundling plötzlich wieder auf und wird von seinen Urhebern mit positiven Vorzeichen versehen. Eine Ankündigung von Digital Equipment spricht in diesem Zusammenhang von einem "signifikanten Vorteil für unsere Kunden ... und für die unabhängigen Softwareanbieter. "

Entspricht das der Wahrheit? Urteilen Sie selbst; hier sind die Fakten: Während der vergangenen sechs Monate hat DEC eine Runtime-Version seines relationalen Datenbankprodukts RDB sowie eigene Kommunikationssoftware mit den Betriebssystemen VMS und MS-DOS gekoppelt. Bis dato gab es für diese Produkte separate Preise und Lizenzen. Dieser DEC-Schachzug gleicht nahezu vollkommen dem der IBM, als sie 1987 ihren Database-Manager und Communcations-Manager mit der Standard-Ausgabe von OS/2 verknüpfte, um "OS/2 Extended Edition" zu schaffen.

Es gibt berechtigte Zweifel, ob diese Taktik im Hinblick auf die gültigen Antitrust-Gesetze legal ist. Zwar verbietet das Gesetz keineswegs per se die Verknüpfung von Produkten; aber es verbietet ein solches "Tie-in" dort, wo ein Hersteller den Markt für eines der gekoppelten Produkte kontrolliert.

In diesem Fall kann man guten Gewissens behaupten, daß IBM und DEC ihr jeweiliges Betriebssystem kontrollieren. Und weil diese Betriebssysteme für das Funktionieren der Hardware wesentlich sind, gibt es stichhaltige Argumente dafür, daß IBM und DEC sich des illegalen Bundling schuldig gemacht haben.

Bezeichnenderweise entschieden sich beide Unternehmen dafür, ihre Datenbank- und Kommunikationssysteme mit dem Betriebssystem zu integrieren. Die Beweggründe dafür sind im generellen Trend bei den Informationssystemen zu suchen. Wie lesen überall die Voraussagen für die 90er Jahre: verteilte Verarbeitung, Netzwerke und Hardware von unterschiedlichen Anbietern. Haben IBM und DEC also Angst, Marktanteile zu verlieren, wenn sie ihre Systemsoftwareprodukte nicht in ihre Betriebssysteme einbetten? Es scheint fast so.

Wenn IBM und DEC ihre Produkte als "Standard" für ihre Betriebssysteme vermarkten, indem sie sie "kostenlos" im Paket abgeben, dann bestreiten sie damit gleichzeitig die Notwendigkeit, Schnittstellen zu anderen Produkten zu erlauben. Für die Anwender bedeutet das den Verlust von Wahlfreiheit und Flexibilität, für die Anbieter den Verlust ihrer Märkte.

Die unabhängigen Softwareunternehmen sowie die Anwender von IBM- und DEC-Maschinen sollten diese neue/alte Strategie sehr kritisch betrachten - aus verschiedenen Gründen: Zunächst versprechen die 90er Jahre einen wachsenden Markt für Anwendungen, die über verteilte Umgebungen gezogen werden.

Zweitens stellen Datenbanken und Kommunikationssoftware den Schlüssel für die verteilte Verarbeitung dar; das Unternehmen, das die verteilte Umgebung kontrolliert, wird also auch den Löwenanteil der anderen Softwareinvestitionen kontrollieren - ganz zu schweigen von den Hardwareplattformen, auf denen die verteilte Software laufen wird. Und zum dritten ist es sehr gut möglich, daß DEC und IBM aufgrund ihrer Tie-in-Strategie zu Monopolisten auf dem Markt für Datenbanken und Communications werden.

Für die Kunden bedeutet das höhere Preise. Aber das ist noch nicht alles: Diese Taktik wird die Anwender außerdem daran hindern, die Software anderer Datenbankanbieter in ihre Netze einzubeziehen. Dadurch wird es sehr viel schwieriger, wenn nicht unmöglich, "fremde" Hardware in eine verteilte DV-Umgebung zu integrieren.

Für die unabhängigen Softwareanbieter, die mit DEC und IBM auf den Gebieten DBMS und Communications konkurrieren müssen, könnte dies das Ende bedeuten. Zumindest wird es ihre Marktpotentiale erheblich reduzieren.

Aber auch solche Softwareanbieter, die anders geartete Produkte vermarkten, können ihre Zukunft bereits absehen. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis DEC und IBM ihre Betriebssysteme mit anderen Systemsoftware-Produkten wie Büropakete, Dienstprogramme, Compiler, Monitore und Case-Tools verknüpfen. Datenbank- und Communicationsanbieter werden gegen IBM und DEC einen harten Kampf führen müssen, damit diese Unternehmen ihre Bundling-Praxis unterlassen und sich dem fairen Wettbewerb stellen.

Was bedeutet das alles für den Anwender? Er mag die gebündelte Software zunächst als (kosten-)"frei" begrüßen; aber auf lange Sicht wird sie alles andere als frei sein.