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16.08.1996 - 

Minister Rüttgers will Banken für mehr Risikokapital gewinnen

BMBF-Initiative verspricht jungen Firmen Starthilfe

Es gibt in der Bundesrepublik weder einen Mangel an innovativen Ideen und Projekten noch an Kapital. Dennoch gelangen insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen nicht an die notwendigen Finanzierungsmittel für ihre Vorhaben. Dieses seit vielen Jahren zu beobachtende Defizit an entsprechender Struktur- und Industriepolitik wurde nun erneut von Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) aufs Korn genommen. Junge und kreative Unternehmer gehen, moniert der Minister, ins Ausland, um dort ihre Vorhaben mit entsprechendem Kapital zügig zu verwirklichen sowie ihre Produkte und Verfahren zu vermarkten.

Anlaß der Äußerungen von Rüttgers war die Präsentation eines Positionspapier, in dem ein mehrere Punkte umfassender Maßnahmenkatalog zur Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) angekündigt wird. Unter anderem soll die Forschungsförderung für KMUs 1997 ohne Kürzungen auf dem Niveau von rund 600 Millionen Mark fortgeführt werden. Damit würden kleine aufstrebende Firmen sowie Mittelständler rund ein Drittel der Fördermittel erhalten, die das BMBF an die gewerbliche Wirtschaft vergibt. Gefördert werden, wie eine BMBF-Sprecherin gegenüber der CW erläuterte, in Zukunft vor allem Projekte in den Bereichen Bio- und Gentechnik sowie IT, Multimedia und Telekommunikation.

Besonderes Augenmerk will man auch auf den Zugang zu mehr Innovationskapital, einen schnelleren Technologietransfer sowie die Kooperation zwischen Forschungseinrichtungen und Wirtschaft legen. Allein für letzteres stellt das BMBF im kommenden Jahr 276 Millionen Mark zur Verfügung, was im Vergleich zu 1996 einer Steigerung um 5,2 Prozent entspricht. Wesentliches mittelfristiges Ziel der Initiative ist aber, daß die KMUs in Forschung und Entwicklung eine größere Rolle spielen. Derzeit tragen sie nur rund 14 Prozent zum gesamten F&E-Aufwand der Wirtschaft bei, heißt es weiter. Gerade kleine Firmen könnten aber schneller und damit unter Umständen auch erfolgreicher als große Industrieunternehmen auf Veränderungen und Bedürfnisse im Markt reagieren.

Um den Kontakt zwischen Forschung und Wirtschaft zu intensivieren, ist unter anderem in Kooperation mit Banken und Sparkassen die Einrichtung spezieller Gründerlehrstühle, Honorarprofessuren und Finanzierungsseminare an Universitäten und Hochschulen vorgesehen. Als Schwerpunkt der Ausbildung sollen Studenten lernen, wie marktgerechte Angebote für neue Technologien zu konzipieren und zu finanzieren sind.

Nach Angaben des BMBF arbeitet eine Kommission derzeit ferner Vorschläge aus, um Schüler und Studenten gezielt an die berufliche Selbständigkeit heranzuführen.

Im Zentrum der KMU-Förderung des BMBF steht allerdings mehr denn je die Beteiligung am Innovationsrisiko junger Technologiefirmen. Viele Betriebe könnten, so das Ministerium, die Zeit zwischen der Entwicklung und Marktreife eines Produktes finanziell nicht überbrücken. Rüttgers kündigte daher an, das 1995 aufgelegte Programm "Beteiligungskapital für kleine Technologieunternehmen" (BTU) in Zukunft bedarfsgerecht zu erhöhen. Bis zum Jahr 2001 sind dafür rund 110 Millionen Mark veranschlagt.

Die Fördermaßnahme soll Firmen mit einem Jahresumsatz von maximal zehn Millionen Mark (Westdeutschland) beziehungsweise 40 Millionen Mark (Ostdeutschland) zugute kommen und sieht bei der Gewinnung von Kapitalgebern Teilbürgschaften des Bundes vor. Innerhalb der nächsten 15 Jahre hofft man im BMBF, dadurch rund 900 Millionen Mark an Anschubfinanzierung in die diversen Zukunftsbranchen zu lenken.

Rüttgers rief in diesem Zusammenhang dazu auf, Technologieunternehmen durch eine phasengerechte Finanzierung zu unterstützen. Während der Gründung benötigten die Firmen vor allem Startkapital in der Form von Eigenkapital. Zu einem späteren Zeitpunkt seien dann insbesondere Gelder aus Beteiligungen und Darlehen in größerem Umfang erforderlich, um Marktvorbereitung, Markteintritt und Wachstum realisieren zu können. Deutschland benötige eine Ausweitung des Kapitalvolumens für Innovationsfinanzierungen sowie eine neue "Technologie-Gründerkultur". Hierzu müßten auch die Banken ihre Bewertungskapazitäten für entsprechende Projekte aus- oder sogar erst aufbauen. Anfang September soll zu diesem Zweck auf Einladung von Rüttgers eine hochkarätige Expertenrunde mit Vertretern von Banken und Börsenorganisationen in Bonn zusammenkommen.

Multimedia EU-weit

Was nationalen und in diesem Fall deutschen Regierungsstellen recht ist, ist der Europäischen Union bekanntlich billig. So hat die EU-Kommission im Rahmen eines neuen Förderprogrammes "Info 2000" eine europaweite Mobilisierung von bestehenden Multimedia-Potentialen begonnen. Das Programm läuft bis 1999 und kann sich auf ein Budget von knapp 130 Millionen Mark stützen.

Info 2000 wendet sich besonders an jene Unternehmen, die Konzepte für interaktive multimediale Produkte und Lösungen erarbeiten, diese entwickeln, auf verschiedenen Plattformen umsetzen sowie erfolgreich an diverse Zielgruppen vertreiben. Ebenso wie die Anbieter sollen aber auch die Nutzer - Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung, öffentliche Einrichtungen, Freiberufler und Privatpersonen - in die Förderung einbezogen werden. Zentrale Kategorie sind dabei die Inhalte. Info 2000 soll sicherstellen, daß "die Datenautobahn mit europäischen Produkten bevölkert wird", heißt es in einer EU-Erklärung.

Wer eine zündende Idee für ein Multimedia-Pilotprojekt hat, muß seinen entsprechenden Förderantrag bei der EU-Kommission bis zum 13. September 1996 einreichen. Die Brüsseler Behörde wird im November 1996 entscheiden, welche Projekte in den Genuß von Fördermaßnahmen (40 Prozent Kostenbeteiligung, maximal jedoch 100000 Ecu pro Jahr) kommen. In einer ersten Phase (Januar bis Juni 1997) soll dann mit einem "Prototyp" die technische, organisatorische und wirtschaftliche Machbarkeit des jeweiligen Vorhabens nachgewiesen werden. Für Sieger dieser "Definierungsphase" soll die Förderung 1998 in der "Implementierungsphase" fortgesetzt werden.