Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

07.12.2001 - 

Warum auch Behörden und Banken ihre Einkaufsprozesse auf eine neue Basis stellen sollten

BME: Web-Technik eröffnet Sparpotenziale

BERLIN (qua) - Viele Banken haben Nachholbedarf in puncto effiziente Beschaffungsprozesse. Dagegen holen die öffentliche Hand und der Mittelstand bislang Versäumtes nach. So das Fazit aus der 36. Jahrestagung des Bundesverbands Materialwirtschaft Einkauf und Logistik e.V. (BME) in Berlin.

Mit seiner Unterstützung für das Projekt "E-Vergabe" feuerte das Ministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) Ende vergangenen Jahres so etwas wie den Startschuss für die elektronische Beschaffung in deutschen Behörden ab. Thema von E-Vergabe ist unter anderem die digitale Erstellung und elektronische Publikation von Ausschreibungsunterlagen sowie die Möglichkeit, online Angebote abzugeben und Aufträge zu erteilen.

Wie Staatssekretär Alfred Tacke auf dem von mehr als tausend Einkaufsexperten besuchten BME-Kongress erläuterte, verspricht sich der öffentliche Sektor vom Einsatz der Internet-Techniken vor allem zweierlei: optimierte Geschäftsprozesse und eine bessere Zusammenarbeit mit externen Partnern. Tackes Vorgänger im BMWi, Klaus von Dohnanyi, bezifferte das jährliche Beschaffungsvolumen von Bund, Ländern und Gemeinden auf insgesamt 250 Milliarden Euro. Viele der Produkt- und Serviceaufträge würden immer noch freihändig vergeben oder beschränkt ausgeschrieben, so der heutige Beiratsvorsitzende des Berliner Beratungsunternehmens Wegweiser GmbH.

Wie Wegweiser gemeinsam mit dem BME und der Kerkhoff Consulting GmbH, Düsseldorf, herausfand, ließen sich durch eine Weiterentwicklung der Internet-basierten elektronischen Beschaffung mehrere Milliarden Euro im Jahr einsparen. Allerdings seien die in der Wirtschaft genutzten E-Procurement-Lösungen nicht eins zu eins auf die öffentliche Hand übertragbar. Hier liegt laut Dohnanyi die Bedeutung von Projekten wie E-Vergabe oder www.beschaffen.de. Unter dieser Bezeichnung entwickeln Wegweiser und BME eine elektronische Plattform, die öffentlichen, aber auch privaten Nutzern aktuelle Lieferanten- und Katalogdaten zur Verfügung stellen soll.

Als zweite neue Zielgruppe hat der BME die Finanzdienstleister ausgemacht. Dort sieht der 5000 Mitglieder starke Fachverband für Einkauf und Logistik eklatante Mängel in puncto Beschaffungsstrategie. Gemeinsam mit Roland Berger Strategy Consultants nahm er diesen Wirtschaftsbereich unter die Lupe.

Es regt sich was im MittelstandDer Untersuchung zufolge verfügen nur zehn Prozent der Flächeninstitute, Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken über strategische Einkaufskonzepte und forcieren eine einheitliche Beschaffungsstruktur. 80 Prozent der untersuchten Finanzdienstleister seien außerstande, konkrete Angaben über die Warengruppenstruktur ihres Einkaufs- und Beschaffungsvolumens zu machen; teilweise wüssten sie nicht einmal über die Höhe des Einkaufsvolumens und die Zahl der Lieferanten Bescheid. Auf diese Weise entgingen ihnen nachhaltige Ergebnisbeiträge, mahnte BME-Vorstand und Roland-Berger-Analyst Andreas Voegele.

Folglich verwundert es kaum, dass Internet-gestützte Business-to-Business-Lösungen - so die Untersuchung weiter - in die Finanzwirtschaft nur langsam Eingang finden. Anders im Mittelstand: Einen Strang der unter dem Motto "Kurs Mehrwert" stehenden Konferenz bestückte der BME mit Erfahrungsberichten mittelständischer Unternehmen. Die Referenten belegten, dass sich auch kleinere Unternehmen Gedanken machen, wie sie ihre Beschaffungsprozesse elektronisch unterstützen können.

So skizzierte Michael Koch-Erpach, Leiter E-Business des Münchner Werkzeugherstellers Hoffmann GmbH, ein unternehmensweites Konzept, das auf einem zentralen Konvertierungs-Hub basiert und ein Bestell-Center für die Kunden umfasst. Auf dieser Plattform habe Hoffmann bereits mehr als hundert Projekte "abgewickelt". Ziel sei es, in fünf Jahren 35 Prozent des Gesamtumsatzes darüber zu erzielen. Koch-Erpach plädierte für einen privaten Marktplatz um nicht "die Ersparnisse an den Betreiber eines öffentlichen Markts weiterreichen" zu müssen.

Wolfgang Grassl und Clemens Dicks von der Vaillant GmbH in Remscheid argumentierten völlig anders: Auf dem Weg über eine historisch gewachsene Einkaufskooperation mit der Bayer AG stieß das Unternehmen auf "CC-Chemplorer". Indem es mit seinen Lieferanten über diese öffentliche Plattform kommuniziert, spart es sich die Entwicklung eigener Katalog-Standards.

Der Heizkesselhersteller aus dem Bergischen bezieht über CC-Chemplorer vor allem Büromaterial und Werkzeuge. Wie Grassl und Dicks einräumten, gab es zunächst eine "massive" Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. So beklagten sich die Anwender, dass der elektronische Katalog die Materialauswahl erschwere, weil er nicht vollständig sei, unterschiedliche Klassifikationen aufweise, keine Synonyme anzeige und Produktvergleiche nur eingeschränkt ermögliche. Probleme gab es auch mit den Lieferanten, von denen nur die Hälfte die Systemvoraussetzungen für das elektronische Geschäft mitbrachten. Last, but not least offenbarte die Lösung in der produktiven Pilotphase einige Haken und Ösen. Beispielsweise ließen sich einmal verschickte Bestellungen nur manuell und mit hohem Aufwand ändern. Trotzdem sind Grassl und Dicks überzeugt, "die Voraussetzungen für eine optimale Prozessabbildung geschaffen" zu haben.

Aus der mittelständischen Wirtschaft stammte schließlich auch der Preisträger des in diesem Jahr erstmals verliehenen "BME-Innovationspreises": Die Miele-Gruppe aus Gütersloh wurde für ihre vernetzte Beschaffung ausgezeichnet. Wie BME-Vorstand Ulrich Fricke erläuterte, zeichnet sich das Miele-Projekt mit Namen "4M" durch Innovation, Übertragbarkeit und Effizienzsteigerung im Unternehmen aus.

Zertifikat via WebUnter der Internet-Adresse www.bme.de hat der Bundesverband Materialwirtschaft Einkauf und Logistik (BME) ein eigenes Internet-Portal freigeschaltet. Konzipiert wurde es, so BME-Hauptgeschäftsführer Holger Hildebrandt, als "integrative Informations-, Kommunikations- und Business-Plattform für Verantwortliche aus Einkauf, Materialwirtschaft, Lagerhaltung, Logistik und Export/Import". Neben Nachrichten und Publikationen zu Fachthemen bietet das personalisierbare Portal eine Plattform für Online-Auktionen und -Ausschreibungen. Darüber hinaus ermöglicht es Lieferanten, auf direktem Weg ihre analog zum Katalogstandard "BME-cat" erstellten Produktverzeichnisse formal und inhaltlich zertifizieren zu lassen. Betrieb und Pflege des Portals wurden in die BME-Net GmbH ausgelagert.