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04.07.1986 - 

Wachstumsmärkten erhöht der Roboter die Wettbewerbsfähigkeit:

BMFT-Documentation relativiert Technikfolgen

BONN (lo) - "Roboter vernichten hierzulande auf breiter Front Arbeitsplätze." Von diesem Vorurteil scheint die elektronische Automatisierungstechnik nun rehabilitiert. Denn das Fazit einer Dokumentation über Mikroelektronik und Arbeitsplätze" des Bundesministers für Forschung und Technologie lautet nämlich: Gerade jene Branchen, in denen die meisten Industrieroboter eingesetzt werden, konnten die Zahl der Arbeitsplätze in beachtlichem Umfang erhöhen.

Zu den drei Industriezweigen mit den stärksten Prozeßinnovationen zählen Automobilbau, Elektrotechnik und Maschinenbauindustrie. Zusammen mit der Kunststoffverarbeitung befinden sich bei ihnen rund 90 Prozent aller Industrieroboter der Bundesrepublik im Einsatz. Arbeitssparende Techniken erzeugten laut BMFT, in diesen vier Branchen des verarbeitenden Gewerbes einen Zuwachs von über 100 000 Beschäftigten im vergangenen Jahr. Im einzelnen ergab sich:

- in der Automobilindustrie, in der etwa zwei- Drittel der hierzulande eingesetzten Industrieroboter in Betrieb sind, wurde die Zahl der Arbeitsplätze zwischen 1983 und 1985 um 32 000 oder vier Prozent erhöht. Im Februar 1986 übertraf die Beschäftigtenzahl die des Vorjahresmonats bereits um 26 000, also 3,3 Prozent.

- in der elektronischen Industrie, in der rund zwölf Prozent der elektronischen "Kollegen" installiert sind, stieg die zahl der Arbeitsplätze seit 1983 um 48 000 oder 5,5 Prozent. Auch hier hielt die Tendenz in Lauf des vergangenen Jahres an.

- in der Maschinenbauindustrie, die zirka zehn Prozent der Industrieroboter anwendet konnte der Abwärtstrend nicht nur gestoppt werden; er kehrte sich so das BMFT, um. Zwar, lag in, Jahresdurchschnitt 1985 die Zahl der Arbeitsplätze noch um 6000 unter der von 1983. Allein 1985 wurden jedoch bereits wieder 20 000, also 2,1 Prozent, neue Arbeitsstellen geschaffen. Zwischen den Februarmonaten im vorigen und in diesem Jahr nahm die Zahl der Beschäftigten sogar um über 41 000 zu, das sind 4,4 Prozent.

Diese Werte, so der Bundesminister für Forschung und Technologie, belegen, daß durch Einsatz auf Mikroelektronik basierender neuer Technik Wachstums- und Beschäftigungschancen eröffnet werden könnten.

Eine weitere Aufstellung des BMFT über den Einsatz der "elektronischen Hand des Menschen" relativiert diese Aussagen allerdings. Demnach können - je nach ausgeführter Tätigkeit - zwischen zwei und sechs Arbeitskräfte eingespart werden. Berücksichtigt man dabei neu geschaffene Arbeitsplätze in den Bereichen Wartung und Reparatur, ergibt sich im Schnitt eine Arbeitseinsparung in der Größenordnung von drei bis vier Arbeitsplätzen je Roboter. Nicht mitgezählt sind jene Arbeitsplätze, die bei den Herstellern der elektronischen Automaten wiederum selbst entstehen.

Der arbeitssparende Effekt jedoch werde durch die Erhöhung der Fertigungsflexibilität und der Steigerung der Produktqualität insgesamt überkompensiert: Ermöglichen doch Prozeßinnovationen zunehmend die Produktion kleiner und mittlerer Serien. Auch durch neue Produkte verbessere sich zudem die internationale Wettbewerbsfähigkeit auf wachsenden Märkten. Auf die innovativen Branchen aus der Investitionsgüterindustrie entfielen - neben dem hohen Zuwachs an Arbeitsplätzen auch hohe Exportzuwächse.

Die Automatisierung ließ sich nur allmählich an. Bis 1980 wurden Roboter in der Industrie nur zögernd eingesetzt. Ihre Zahl betrug damals bundesweit 1250. Seit 1980, so das BMFT, hat sich die Verbreitung beschleunigt. Ende vergangenen Jahres "arbeiteten" insgesamt 8800 Roboter in deutschen Werkshallen. Im internationalen Vergleich lag die Bundesrepublik 1984 beim Industrierobotereinsatz - gemessen an der Relation von eingesetzten Robotern zur Zahl der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe - mit knapp 7000 Maschinen und 10 Robotern auf je 10 000 Arbeitnehmer deutlich hinter den beiden führenden Nationen Japan mit 64 000 Geräten, also etwa 45 Robotern auf je 10 000 Beschäftigte, und Schweden mit 2400 Robotern, etwa 40 Maschinen auf je 10 000 Arbeitnehmer, zurück.

Eine entscheidende Bedeutung kommt nach BMFT-Aussagen dem rechtzeitigen und konsequenten Einsatz modernster Technik zu. So stagnierte in innovativ durchschnittlichen Branchen die Beschäftigung, innovativ schwache Branchen mußten ihre Arbeitsplätze sogar reduzieren. Zu gleichen Ergebnissen gelangte das Bonner Ministerium schon in einer Dokumentation aus dem Jahr 1985 über den Zusammenhang von Mikroelektronik und Arbeitsplätzen.

Prozeßinnovationen führen auch zu einer stärkeren Nachfrage nach Fachkräften sowie zu einer Änderung der Qualifikationsstruktur der Beschäftigten. So kam es etwa im Maschinenbau zu personellen Engpässen.

Gestiegen ist auch die Anzahl der Meldungen, die sich über Produktionsbehinderungen durch den Mangel an qualifizierten Kräften beklagen, meldet das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung.

Der Verein Deutscher Maschinen- und Anlagenbau befürchtet, daß sich diese Mangelsituation bis zum Ende des Jahrzehnts noch verschärfen werde. Es fehlten künftig vor allem Kräfte für die Informations- und Regeltechnik sowie Software-Ingenieure. Für das kommende Jahr bezeichnet das Bundesministerium die Zunahme des Beschäftigungsniveaus um etwa 300 000 als "durchaus realistisch".