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BMW-Tochter managt die DV in eigener Regie

02.09.1994

Seit zwei Jahren haben die Bayerischen Motorenwerke wieder eine ostdeutsche Tochterfirma - die BMW Fahrzeugtechnik GmbH in Eisenach. Der Thueringer Werkzeugbauer, der buchstaeblich bei Null anfing, nutzt heute ein speziell auf seine Belange zugeschittenes DV-System, das auch den kaufmaennischen Bereich modernisiert.

Fuer BMW war die Eroeffnung des neuen Unternehmens in Eisenach eine Rueckkehr zu den eigenen Wurzeln.

Der Entwickler fuer Flugmotoren und Motorraeder hatte 1928 in der Lutherstadt mit dem Bau von Automobilen begonnen.

Als erste BMW-Variante verliess Ende der 20er Jahre der modifizierte "Dixi", ein kleiner Zweituerer mit 15 PS und 75 km/h Hoechstgeschwindigkeit fuer etwa 2750 Reichsmark, die Fertigungshallen.

Der Hauptgrund fuer die Neuansiedlung im Thueringischen war fuer den bayerischen Automobilriesen nach der Wende "der traditionsreiche Standort mit seinem hochqualifizierten Facharbeiterpotential", erklaert Bernd Moeller, gebuertiger Hesse und Personalchef des Eisenacher Werkes. Als Pate fuer die neue 100prozentige Tochter der BMW AG machte sich das Digolfinger Werk stark.

Mercedes-Benz und Porsche sind Kunden

In knapp einem Jahr und mit rund 120 Millionen Mark baute man die Eisenacher Grosswerkzeugfirma auf der gruenen Wiese und bildete die vorwiegend aus dem Thueringer Raum stammenden 221 Mitarbeiter aus.

Das ostdeutsche Unternehmen hat sich seit seiner Gruendung einen guten Namen gemacht. Zum Kundenstamm gehoeren unter anderem die Nobelkarossenhersteller Porsche und Mercedes-Benz.

Investiert hat der bayerische Autokonzern vor allem in die Datentechnik seines neuen Werkzeugbetriebes.

Fuer die Realisierung eines flexiblen Zeit- und Kosten-Managements nutzen die Mitarbeiter des kaufmaennischen Bereiches das relationale Datenbanksystem der Firma Progress Software aus Koeln sowie die Programmpakete Fibu II, Kost II, Lohn II und Anbu II der ebenfalls in der Rheinmetropole ansaessigen B&P Computer Programme GmbH.

Fuer die Zeiterfassung waehlten die Thueringer ein System der Hartl Vertrieb GmbH aus Muenchen-Wuppertal. Die technische Basis fuer die komplette DV-Anwendung ist eine RS/6000 mit 800-MB-Festplatte und 32 MB RAM, an der sechs Terminals angeschlossen sind.

Trotz der technischen Betreuung durch die Dingolfinger verlief die Organisation des Verwaltungsbereiches der Thueringer Tochter nicht ohne Probleme, erinnert sich Moeller: "Zuerst gab es die Ueberlegung, die gesamte Lohn- und Gehaltsrechnung auf das bereits vorhandene System der Mutterfirma aufzuspielen." Eine Idee, die man bald wieder verwerfen musste.

"Angesichts der erheblichen Probleme, die durch die unterschiedlichen west- und ostdeutschen Tarife bei der Lohn- und Gehaltsberechnung entstanden, entschlossen wir uns, ein eigenes DV-System einzufuehren", fuegt er hinzu.

Neben Flexibilitaet und Anpassungsfaehigkeit sollte die neue Loesung auch die Eigenstaendigkeit der Thueringer Tochter garantieren.

Begonnen hatten die Eisenacher mit einer einfachen PC- Testinstallation, die sich jedoch als wenig geeignet herausstellte. Die Variante war weder Multiuser-faehig noch schnell genug. Berichtsgenerator und Hilfsmittel fuer den automatischen Zahlungsverkehr fehlten. Hinzu kam die manuelle Ueberpruefung von meterlangen Listen auf Richtigkeit der Daten.

Ein Team aus Dingolfing und Muenchen machte sich somit auf den Weg, um eine passende DV-Loesung aufzutreiben. Neben dem Komfort in der Bedienung und im Berichtswesen sollte das neue System auch die Nutzung einer kapazitaetskraeftigen Datenbank und die Portierbarkeit auf das Betriebssystem Unix ermoeglichen. Gefordert waren ausserdem Passwortsicherheit, variabler Zugriffsschutz via Dialog, Autarkie sowie der schnelle Zugriff auf alle zur Verfuegung stehenden betrieblichen Informationen.

Ein passendes Paket fanden die BMWer beim Koelner Softwarehaus B&P. Die Rheinlaender hatten eine Loesung auf Basis von Database-Engin (Progress Software GmbH) zu einem vernuenftigen Preis-Leistungs- Verhaeltnis anzubieten.

Das Ergebnis sprach nach der Implementierung auf die in Eisenach zur Verfuegung stehende PC- und Workstation-Technik fuer sich, ist man sich im Unternehmen einig: Die Lohn- und Gehaltsabrechnung fuer die ueber 200 Mitarbeiter konnte alleine auf dem PC in etwa der Haelfte der bis dato verwendeten Zeit realisiert werden.

"Allerdings war es ein Start von null auf hundert", beschreibt Moeller den Umstieg auf das neue DV-System. Schliesslich habe man nur einen knappen Monat Zeit gehabt, um mit den Programmen klarzukommen.

Die spaetere Abarbeitung auf der Unix-Maschine brachte einen weiteren Geschwindigskeitgewinn: Die Auswertung von Lohn und Gehalt ist nun in etwa 20 Minuten moeglich.

Eine flexible Software fuer die Verwaltung von Unternehmen ost- westdeutscher Praegung lebt aber nicht nur von ihrer Schnelligkeit. Vor allem sind es bestimmte Sonderfaelle und -regelungen, die erfuellt werden muessen.

Beispiel Ost- und Westtarife: Vom Gesetzgeber wie auch von der bei BMW angewendeten Software wird eine einheitliche Beitragsbemessungsgrenze fuer die Krankenkassen, Arbeitslosen- und Rentenversicherungen sowie die Berufsgenossenschaft verlangt. Zwischen den alten und neuen Bundeslaendern gibt es da jedoch unterschiedliche Abgabenrichtlinien. Moeller dazu: "Da wir nicht nur unsere Arbeiter und Angestellten nach Osttarif entlohnen, sondern auch einige Mitarbeiter nach Westnorm bezahlt werden, war die einheitliche Beitragsberechnung fuer uns nicht brauchbar." Dieses Problem habe der Koelner Softwerker mit einer Update-Version aus der Welt schaffen koennen.

Schwierigkeiten gab es auch bei der mehrfachen kurzfristigen und rueckwirkenden Lohnerhoehung im Osttarif, der Arbeitszeitverkuerzung sowie bei der Urlaubsverlaengerung von anfangs 18 Tagen auf spaeter 27 Tage.

Erst bezahlte man die Beschaeftigten nach dem Thueringer Tarif, dann "nach einem eigenen von uns entwickelten Entgeltsystem". Schliesslich wurde der Entlohnungsmodus der Thueringer an den Tarif des Bundeslandes Hessen angeglichen. Das habe zwar erst einmal bei Rueckrechnungen zu Fehlermeldungen gefuehrt, heisst es, doch einige Updates haetten auch hier fuer Ordnung gesorgt.

Laut Moeller nutzen die Eisenacher bei weitem noch nicht alle Funktionalitaeten des B&P-Programmpakets. Das gelte nicht nur fuer die Lohn-II-Anwendung, eine mit dem AOK-Guetesiegel praemierte Software.

Den groessten Vorteil des kompletten Systems der Koelner sieht man in Thueringen im Zusammenspiel der Module. Damit seien nicht nur verschiedene Berichte abzurufen, sondern auch die Ausgaben je Kostenstelle genau zu ueberpruefen. Der Grund fuer die komfortable Bedienerstruktur der Eisenacher Anwendung scheint einfach: Alle Datensaetze in der Datenbank liegen in strukturierter Form vor. Je nach Wunsch des Bearbeiters greifen die Programme wie Fibu, Kost oder Lohn ueber ihre Module auf die Daten zu und nutzen sie zur Berechnung oder Berichtsgenerierung.

Ob in der Finanzbuchhaltung oder Kostenstellenrechnung - jeder berechtigte Mitarbeiter hat Zugriff auf die Daten und kann sie fuer anwenderspezifische Verknuepfungen nutzen.

Um einen schnellen Ueberblick ueber die betriebliche Situation

zu erhalten, nutzen die Thueringer das Datenabfrage- und Berichts- Tool Query-Report von Progress.

Lob fuer die derzeit in Eisenach eingesetzte DV-Loesung spendet auch Michael Schulz, Leiter des Rechnungswesens. Fuer ihn liegt in der Teilnahme am Clearing-Verfahren "ein grosser Vorteil". Damit entfalle das manuelle Ausschreiben der Belege fuer die taeglichen Bankueberweisungen.

Alle Informationen bekomme das Kreditunternehmen jetzt per Diskette. Auf einem Begleitzettel seien "nur noch die Geldsumme und das Konto vermerkt".

Noch ist nicht alles komplett

Ein Problem hat die ostdeutsche BMW-Tochter derzeit noch mit dem Zeitwirtschaftssystem der Hartl Vertrieb GmbH.

Obwohl die Anwendung den automatischen Zugriff auf die im Werk genutzte Datenbank gestattet, funktioniert das Ganze noch nicht zufriedenstellend, meint Moeller. Doch eine Loesung sei demnaechst in Sicht, ist er zuversichtlich.

Ist der Mangel behoben, so laufe das System perfekt. Dann koenne die Lohn- und Gehaltsbuchhaltung automatisch auf die am Werktor installierten Kartenlesegeraete zugreifen und die Arbeitszeitdaten je Mitarbeiter mit Ueberstunden, Fehlzeiten sowie Wochenend- und Nachtarbeit erfassen und berechnen.

Von Roland Jurgeleit. Der Autor ist Mitarbeiter bei der Agentur Dr. Nenner & Partner, Muenchen.