Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

04.06.1993

Bob Palmer ruft neues Rechnerzeitalter aus Digital sucht Marktanteile mit Alpha-PC-Server und Windows NT

MUENCHEN/ATLANTA (wm- Die Show war gut und die Botschaft eindeutig: Digital Equipment (DEC) draengt mit dem PC-Server "DEC-PC AXP-150" in die Gefilde von AST, Compaq und anderen. Bill Gates und Windows NT helfen nach Kraeften, und das Ziel aller Anstrengungen sind die Anwender, deren PC-Netze einen leistungsfaehigeren Server vertragen koennten.

Auf der Fruehjahrs-Comdex in Atlanta praesentierte Bob Palmer, CEO von DEC, den "leistungsstaerksten PC der Welt", der den Anwender zum gelobten Land fuehrt, in dem Informationen tatsaechlich auf Knopfdruck zur Verfuegung stehen und auch Grossunternehmen mit Hilfe solcher Rechner ihre Hierarchien abbauen koennen. Bei der Satellitenuebertragung in Muenchen war denn auch aus DEC-nahen Kreisen zu erfahren, dass die Firma sich mit diesem Server auf das Massengeschaeft im PC-Bereich konzentrieren wird und erst an zweiter Stelle gegen die Workstation-Konkurrenz antreten will.

Im AXP-150 steckt eine Hauptplatine mit dem 64-Bit-RISC-Prozessor Alpha 21064, 32 MB Arbeitsspeicher (maximal 128 MB) und 512 KB Cache. Der Datenfluss laeuft ueber einen EISA-Bus, an den theoretisch sechs Erweiterungskarten angeschlossen werden koennten - da aber bereits drei Adapter (Grafik-, SCSI- und Ethernet-Controller) ab Werk eingebaut sind, bleiben dem Anwender nur noch die drei restlichen Steckplaetze. Auf der Vorderseite des Standgehaeuses sind zwei 5 1/4-Zoll-Einschuebe unterhalb des 3 1/2-Zoll- Diskettenlaufwerks frei, in den zwei bereits belegten Schaechten steckt ein CD-ROM-Laufwerk und eine Festplatte mit einer Kapazitaet von 426 MB.

DEC liefert die Rechner mit der aktuellen Betaversion von Windows NT aus, womit die Zielgruppe der 14 000 Mark teuren Geraete klar wird: Es sind die Softwarehaeuser und Grosskunden, die Applikationen fuer Windows NT entwickeln beziehungsweise vorhandene Windows- oder DOS-Programme auf die Alpha-PCs uebertragen wollen.

Die Auslieferung des neuen Rechners soll beginnen, sobald Windows NT auf den Markt kommt. Fuer deutsche Anwender bedeutet das eine Wartezeit bis mindestens September 1993. Die von Bill Gates genannte Verzoegerung fuer Windows NT und von 90 Tagen fuer den Advanced Server gilt nur fuer die US-Version. Die deutschen Produktvarianten kommen laut Microsoft erst drei bis vier Wochen spaeter auf dem Markt.

DEC mueht sich in der Zwischenzeit redlich, Windows NT den eigenen Kunden durch eine moeglichst grosse Programmvielfalt schmackhaft zu machen. Auf der Windows World gab es eine NT-Version des LAN- und WAN-Produkts "Pathworks" zu sehen. Mit der ebenfalls dort vorgestellten "Excursion"-Software koennen auch grafische X.11- Unix- oder VAX-Anwendungen aufgerufen werden.

Wie entschieden sich DEC an Microsofts Windows NT bindet, wird auch am begleitenden Schulungs- und Supportangebot deutlich. In ganz Deutschland gibt das Unternehmen an acht Standorten eigenen Mitarbeitern und Kunden Kurse zu Windows NT; die Themen reichen vom System-Management ueber die Netzfaehigkeiten bis zur Programmierung. Aehnliche Leistungen werden auch die Firmen NCR, HP und Arthur Anderson anbieten. In Deutschland kommen noch Siemens- Nixdorf und die Krone AG dazu.

Durch derartige Kooperationen schliesst Microsoft seine empfindlichste Know-how-Luecke. Anders als die bisherigen Produkte laesst sich ein Betriebssystem wie Windows NT Advanced Server nicht ohne das Angebot intensiver Dienstleistung verkaufen. Die Bereitschaft von Unternehmen wie DEC und SNI, sich auf solche Vereinbarungen einzulassen, ruehrt vor allem daher, dass sie damit endlich unter Beweis stellen koennen, dass ihr neues Image als Systemintegratoren nicht nur ein von der Hardwarekrise aufgezwungenes Etikett ist, mit dem sich hauseigene Systeme besser verkaufen lassen.