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22.01.1988 - 

Politik des "leichten Geldes" in den USA wird 1988 anhalten, aber:

Börsencrash macht DV Aktien-interessant

MÜNCHEN - Das Börsenjahr 1987 steckte voller Überraschungen. Eine Börsenhausse. die die Aktienbewertungen in Wall Street auf - unter fundamentalen Gesichtspunkten - schwindelerregende Höhen trieb, wurde abgelöst durch den größten Börsencrash in der modernen Wirtschaftsgeschichte. CW-Mitarbeiter Arnd Wolpers verdeutlicht die Zusammenhänge.

Verursacht wurde der Börsenboom in Wall Street durch die Politik leichten Geldes, die seit 1984 nicht nur die amerikanische Volkswirtschaft mit scheinbar überreichlicher Liquidität versorgt. Das Geldmengenwachstum (die Zunahme der Menge zur Verfügung stehender Zahlungseinheiten) überstieg das Wirtschaftswachstum um mehrere Prozentpunkte.

Genau betrachtet handelt es sich dabei nicht um überschüssige Liquidität, da die US-Volkswirtschaft heute mit etwa dem Zweifachen des Bruttosozialprodukts binnenländisch verschuldet ist und in großer Menge uneinbringbare Auslandsschulden hinzukommen. Die zur Verfügung gestellte Menge leichten Geldes dient lediglich zum Abfedern der Liquiditätsprobleme im Finanzsystem.

Vorhandene Geldmenge kann drei Zwecke erfüllen: Investition, Konsum oder Spekulation. Aufgrund der mäßigen Kapazitätsauslastung floß die seit l984 überreichlich vorhandene Geldmenge in die Bereiche Konsum und Spekulation. Der Anteil des Privatverbrauchs am US-Bruttosozialprodukt beläuft sich auf 68 Prozent- -beinahe ein Rekordhoch. Die Inflationierung der Wertpapierpreise durch die Politik leichten Geldes führte zu einer Rekordbewertung von US-Aktien. Vor dem Börsencrash waren US-Dividendenpapiere mit dem beinahe 20fachen des durchschnittlichen Gewinns bewertet (Durchschnitt Value Line Index).

Daß die US-Aktienhausse vor allem durch Liquiditätsüberhang ausgelöst wurde, geht aus den Charts hervor. Während bis 1974 der Aktienkursanstieg durch einen Anstieg der Unternehmensgewinne untermauert war, entwickelte sich die Profitabilität des Produktivkapitals seitdem seitwärts. Statt dessen stiegen die durch die US-Notenbank dem Geldsystem zur Verfügung gestellten Mittel seit 1984 dramatisch an und verursachten die Inflationierung der Wertpapierpreise.

Fazit der Vergangenheit: Die US-Volkswirtschaft ist hoffnungslos überschuldet. Deshalb wurde die Politik des leichten Geldes eingeschlagen. Diese Politik wird im Wahljahr 1988 fortgesetzt werden. Die Reagan-Administration kämpft auf der Zielgeraden und versucht, das aufgrund des hohen Privatverbrauchs und der vergleichsweise niedrigen Investitionsquote von der Qualität her schlechte Wachstum des Bruttosozialprodukts ins Wahljahr hinein zu verlängern. Positiv könnte sich die in den vergangenen Monaten deutlich gestiegene Kapazitätsauslastung (jetzt 81,7 Prozent) auswirken. Eine Verstärkung von Ausrüstungsinvestitionen könnte einsetzen.

Wer jetzt Kapitalanlagen ins Auge faßt, sollte folgende Thesen in seine Überlegungen mit einbeziehen:

1. Die Welt-Kapitalmärkte sind in einer labilen Verfassung, wie der jüngste Börsencrash bewiesen hat.

2. Bonität und jederzeitige Übertragbarkeit von Kapitalanlagen müssen deshalb absoluten Vorrang haben.

3. Der Börsencrash hat weltweit künstliche Liquiditätsspritzen ausgelöst. Die dadurch hervorgerufenen Zinssenkungen sind synthetisch, also nicht aufgrund der Angebots-/ Nachfragesituation an den Kapitalmärkten entstanden. Deshalb größte Vorsicht bei Festverzinslichen. Keine langen Laufzeiten, nicht der Verlockung unterliegen, Schwachwährungsanleihen mit hohen Zinssätzen zu kaufen! Die Bonität kann aufgrund des angebotenen hohen Zinssatzes hier nicht gut sein.

4. Verfallen Sie nicht in die Zero-Bond-Hysterie. Was bis zur Einlösung des sich thesaurierenden Zinsversprechens passiert, weiß kein Mensch. Es gibt Zero Bonds, die eine Laufzeit von zwei Generationen haben!

5. Sollte man jetzt Aktien kaufen? An den Hartwährungsbörsen, den Börsen der Exportüberschußländer, kann man nur auf Sondersituationen setzen. Der Trend am deutschen Aktienmarkt wird weiter abwärts gerichtet sein. Während die Hartwährungsbörsen unter dem Dollarverfall leiden, profitiert die US-Wirtschaft in Teilbereichen von der Währungskurzentwicklung. Nicht zuletzt im Datenverarbeitungsbereich ergeben sich interessante Sondersituationen.

Zu den Datenverarbeitungstiteln mit hohem Exportanteil und geringer Auslandsfertigung gehören Honeywell, Hewlett-Packard, Digital Equipment. Ebenfalls aufgrund des Dollarrückgangs profitieren sollten Compaq und Apple.

Im Datenverarbeitungsbereich besitzt die US-Wirtschaft ein funktionierendes Vertriebs- und Servicenetz. Dies ist die Ausnahme! Deswegen wäre es verkehrt, aufgrund des Dollarrückgangs jetzt auf Industriegruppen zu setzen, die die Exportinfrastruktur erst wieder aufbauen müssen. Dies ist eine langwierige und kostspielige Aufgabe.

Neben dem Datenverarbeitungssektor sollte deshalb auf Grundstoffindustrien, wie Chemie (Dow Chemical), Papier (Weyerhaeuser, International Paper, Boise Cascade) gesetzt werden. Erstaunlich stark tendieren Roh- und Grundstoffwerte wie Freeport McMorrang, Falconbridge, aber auch Aluminiumwerte wie Alcan und Alcoa.

Wichtigste Handlungsmaxime bleibt nach dem Börsencrash vom Oktober 1987: Vorsicht! Die Börse löst keinen Wirtschaftszusammenbruch aus. Aber als Instrument für die Verteilung von Finanzierungsbereitschaft in vorderster Front reagiert die Börse sensibler als alle anderen Märkte. Der Börsencrash vom 19. Oktober 1987 macht völlig klar: Hier stimmt etwas nicht! Das böse Erwachen, der Konjunktionscrash, wird aber erst 1989 folgen.