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01.07.1988 - 

Mit dualer Strategie SAAUnix bald über 200 Millionen Mark Umsatz:

Börsenneuling SAP geht auf die Überholspur

WALLDORF - Ein Unternehmen, das noch bei einer Umfrage vor zwei Jahren den meisten deutschen DV - Leitern unbekannt war, schickt sich an, zum absoluten Spitzenreiter im bundesdeutschen Softwaremarkt zu werden - sowohl nach der Zahl der Mitarbeiter als auch nach Geschäftsvolumen: Die SAP AG aus der Kleinstadt Walldorf nahe Heidelberg setzte 1987 (damals noch als GmbH) mit rund 450 Beschäftigten über 150 Millionen Mark um - und verwies damit die wesentlich bekanntere, aber stagnierende Hamburger SCS auf Platz 3 (siehe auch CW Nr. 24 vom 10. Juni 1988)

Jetzt fehlt der frischgebackenen Aktiengesellschaft nur noch ein kleines Stück, auch noch den heutigen Marktführer zu übertrumpfen. Dietmar Hopp, einer der vier SAP-Vorstände, gibt sich dennoch vorsichtig: "Wenn es stimmt, daß die Software AG 1987 nur 20 Millionen zugelegt hat, sind unsere Chancen gut, 1988 zur Nummer eins in Deutschland zu werden." Realistisch sei heuer, sagt Hopp, ein Umsatz von 215 Millionen Mark.

Dies entspräche einer Steigerung um gut ein Drittel, bezogen auf 1987er Einnahmen in Höhe von wahrscheinlich 160 Millionen Mark (im vergangenen Jahr lag das Wachstum bei fast 66 Prozent). Wahrscheinlich - denn so ganz genau kennt nicht einmal Vorstand Hopp seine Zahlen: Die beauftragte Wirtschaftsprüfungsfirma bewerte bestimmte Positionen der Bilanz anders, als dies bei SAP bisher Usus gewesen sei. Nach der neuen Regelung werden also die Umsätze zu einem früheren Zeitpunkt eingebucht, und weil diese Änderung rückwirkend für 1987 gilt, ergibt sich in der Gewinn- und Verlustrechnung eine einmalige Korrektur nach oben. Die neuberechneten Zahlen werden in Kürze veröffentlicht.

Die Publicity, die der wirtschaftliche Erfolg dem Unternehmen nicht nur in der Branche, sondern vor allem in der prosperierenden Wirtschaftsregion am Neckar bringt, will die SAP jetzt für den Gang an die Börse nutzen. Zuerst wird das Stammkapital auf 60 Millionen Mark erhöht, wobei die gleichnamige Schweizer Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Biel in der neuen AG aufgeht. In der zweiten Septemberhälfte soll dann die DG Bank die SAP-Stammaktie an den Finanzplätzen Frankfurt und Zürich in den amtlichen Handel einführen. Zwanzig Prozent des Kapitals stehen im Rahmen der Emission für freie Aktionäre zur Verfügung; einschließlich einer späteren Mitarbeiterbeteiligung wollen die vier Gründer maximal 25 Prozent streuen. Diese Konstruktion soll verhindern, daß "ein Großer den Fuß in die Tür kriegt".

Mehr als nur einen Fuß in der Tür hat allerdings schon ein ganz Großer - sogar ohne sich finanziell zu beteiligen: Gut zwei Drittel des Geschäfts der SAP hängen mittelbar oder unmittelbar von der jeweiligen Marktstrategie von Big Blue ab. Das SAP - Management muß antizipieren, was innerhalb der IBM entwickelt wird, muß versuchen, vorher zu wissen, wohin der IBM-Zug fährt. Diese Politik brachte das Unternehmen - trotz eines starken Standbeins im BS2000 - Markt - in den Ruf, im Windschatten des blauen Riesen zu fahren. Als die SAP im vergangenen Jahr beschloß, neben IBMs neuer Software - Anwendungs - Architektur (SAA) auch die "zweite große Strömung" - nämlich Unix - zu unterstützen, zeigte sich die Geschäftsführung beflissen, dies nicht als Abrücken vom großen Hardwarepartner erscheinen zu lassen.

SAA ist kein Papiertiger, den man wegdiskutieren kann

Heute bemüht sich SAP - Vorstand Hasso Plattner, die damalige Interpretation dieses Schrittes durch die Branche auf ein Mißverständnis zurückzuführen. In Wirklichkeit versuche ja sein Haus nur "SAA und Unix mit einer weitgehend einheitlichen Technologie abzudecken", quasi zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Dieses Vorgehen paßt denn auch in die veränderte DV - Landschaft: Auch die IBM hat Aktivitäten in Richtung Unix angekündigt, und dabei arbeitet sie bekanntlich in der Open Software Foundation (OSF) mit Siemens, DEC und HP zusammen - den drei Hardwarefirmen, auf deren Systemen SAP (neben IBM - Rechnern) Unix - Software entwickeln will.

Wie überzeugt die SAP - Strategen von der Durchschlagskraft derneuen IBM - Anwendungsarchitektur sind, beweist eine Äußerung des Walldorfer Vordenkers Plattner "SAA ist kein Papiertiger, den man wegdiskutieren kann." Man könne deshalb nicht warten, bis bei Big Blue "der letzte Baustein fertig ist". Vielmehr müsse ein Softwarehaus die Entwicklungen der IBM - Labors vorwegnehmen, und dies gelinge der SAP recht gut. So investiert Plattners Truppe derzeit einigen "sportlichen Ehrgeiz" darin, bis zur nächsten CeBIT eine neue Benutzeroberfläche zu entwickeln, die man auf der Messe vorführen kann, "ohne zu türken". Besondere Kennzeichen: objektorientiert und mausgesteuert mit gleichem Look - and - feel bei der Unix - Workstation wie beim intelligenten Terminal - wobei SAP voll auf IBMs PS/2 setzt.

Geschäftlich setzen die Softwerker vom Neckar vor allem auf Expansion im Mittelstandsmarkt und im Ausland. Für ersteres gibt es seit vorigem Jahr die 50 - Prozent - Tochter SAP Consulting, an der die Wirtschaftsprüfungsgruppe Arthur Andersen & Co. die andere Hälfte hält. Das letztere hieß bislang fast nur Schweiz, Österreich und Benelux, doch jetzt forciert das Management den Vorstoß in weitere Markte, auch im Hinblick auf das Binnenhandels-Europa ab 1992.

So entstand in Walldorf in Rekordzeit ein "Internationales Schulungszentrum" mit 10 000 Quadratmetern Nutzfläche. In dem 27 Millionen Mark teuren Gebäudekomplex können jährlich bis zu 28 500 Teilnehmer ausgebildet werden - oder bis zu 980 Personen gleichzeitig. Anwenderausbildung ist ein gutes Geschäft: SAP rechnet damit, daß dieser Bereich heuer 28 Millionen Mark zum Umsatz beitragen wird.

Ein echtes Entree in den amerikanischen Markt

Außerdem sollen dieses Jahr die Ländergesellschaften in Europa und den USA mit der Standardsoftware vom Neckar 60 Millionen Mark umsetzen - 80 Prozent mehr als im Vorjahr. In Amerika, wo von den deutschen Softwarehäusern nur die Software AG bekannt ist, hat die SAP den größten Nachholbedarf. Gab es dort 1987 erst einen einzigen Kunden, scheint dank eines Prestigeauftrags nun ein echtes Entree in den Markt denkbar: Der Ölgigant Mobil setzt neuerdings Walldorfer Programme ein.