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09.10.1974

Bonner Zensuren

Mainz - Der Marktanteil der Hersteller von EDV-Systemen mit europäischer Basis wurde durch die EDV-Förderungspolitik der Bundesregierung schnell und wirkungsvoll erhöht. Eine "Buy-German-Policy" hätte bei gleichem Aufwand eine nur halb so starke Wirkung gehabt. Das erklärte Ministerialdirigent Dr. Hans Donth vom Bundesministerium für Forschung und Technologie beim. Internationalen Symposium über "Wirtschaftliche Aspekte der Informatik" am 11. September 1974 in Mainz. Veranstalter, dieser von 350 DV-Fachleuten aus aller Weit besuchten Wochentagung war die UNESCO-Organisation IBI (Intergovernmental Bureau for Informatics), Rom.

Mit einer Schwemme von Zahlen und Ergebnisdaten rechtfertigte Donth den Einsatz von 1,3 Milllarden Mark Steuergeldern für die Förderung von Forschung, Entwicklung und Ausbildung auf dem Gebiet der Datenverarbeitung von 1967 bis 1973 in der BRD.

Für die Entwicklung von DV-Technologie und DV-Systemen waren 747 Millionen Mark (57 Prozent) bestimmt. Davon erhielt Siemens knapp die Hälfte (358 Millionen Mark). Das Ergebnis aus offizieller Sicht: Siemens und seinen Unidata-Partnern sei es 1973 gelungen, ca. 40 Prozent ihrer Kunden von anderen Wettbewerbern (hauptsächlich von IBM) zu gewinnen. Diese Wettbewerbsfähigkeit sei allerdings derzeit nur durch erhebliche Zuschüsse von Mutterfirmen und Regierungen aufrechtzuerhalten. Insbesondere 1971, als RCA das kommerzielle DV-Geschäft aufgab, wäre die Situation für den RCA-Vertragspartner Siemens kritisch geworden, wenn nicht mit öffentlicher Hilfe ein eigenes Forschungs- und Entwicklungspotential aufgebaut worden wäre.

Donth führte aus, daß die Telefunken Computer GmbH 261 Millionen Mark aus Bonner Töpfen erhielt. Dennoch hätte TC für sich allein - vor der Siemens - keine Überlebenschance gehabt. Zwar wurden angeblich die technischen Entwicklungsziele für den Großrechner TR 440 weitgehend erreicht. Daß das geförderte Projekt dennoch für Telefunken zu keinem wirtschaftlichen Erfolg führte (nur 25 Installationen), lag an der verspäteten Auslieferung, dem Nichtzustandekommen der Großrechnerunion. AEG/Telefunken-Siemens und vor allem an der ausschließlich technish-wissenschaftlichen Ausrichtung von Rechner, Software und Vertrieb.

Die Notwendigkeit weiterer Bonner Industrieförderung im DV-Bereich begründete Donth damit, daß die Gewinnschwelle für Unternehmen der DV-Industrie erst bei einem Weltmarktanteil von vier Prozent liegt. Die Lebensfähigkeit ohne Inanspruchnahme von Fremdkapital setzt allerdings einen Wettmarktanteil von acht bis zehn Prozent voraus. Dies kann für die Unidata-Gruppe in einigen Jahren erwartet werden, wenn es gelingt, diese Unternehmensgruppe wie eine einzige Firma zu organisieren. Von Kongreßteilnehmern wurde diese offiziöse Äußerung geradezu als Bonner Warnung an das Unidata-Management gewertet.