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16.05.1997 - 

Gerichtsverfahren um unfaire Geschäftspraktiken

Borland-Chef: Microsoft raubt uns die Mitarbeiter

"Es ist ein Gefühl, als befände man sich in der Wüste und Microsoft nimmt einem die Wasserflasche weg", erzürnt sich der erst vor wenigen Monaten zum Borland-Chef ernannte Delbert Yocam. Das Gates-Imperium werbe seit geraumer Zeit gezielt diejenigen Borland-Mitarbeiter ab, die dem Windows-Hersteller vertrauliche und hochsensible Informationen vor allem zum technologischen Aufbau der Entwicklungs-Tools von Borland besorgen können. Mit diesem Wissen wolle Microsoft anschließend dem finanziell angeschlagenen Toolmaker den Todesstoß versetzen, so Yocam.

Konkret ködere der Redmonder Gigant Borlands beste Software-Architekten, Ingenieure und Marketing-Manager mit maßlos überzogenen Gehältern, überdimensional viel Freizeit und anderen Bonbons. Sämtliche abgeworbenen Angestellten seien mit luxuriösen Limousinen abgeholt worden und bekämen bei Microsoft die gleichen Positionen zugesichert, die sie auch beim Delphi-Anbieter innehatten. Laut Borland habe das Gates-Imperium in den letzen 30 Monaten insgesamt 34 Topleute in den Norden geholt.

Gerüchten zufolge spielte Microsofts Vice-President Brad Silverberg, ein ehemaliger Borland-Mitarbeiter, eine entscheidende Rolle in der Überzeugungsarbeit. Zu den Überläufern gehörten bereits Know-how-Träger wie Paul Gross, Vice-President Forschung und Entwicklung, und Delphi-Chefentwickler Anders Hejlsberg. Beiden sei der Wechsel nach Redmond mit einem Bonus zwischen 1,5 und drei Millionen Dollar schmackhaft gemacht worden. In der Zwischenzeit hätten auch Delphi-Entwickler Ramin Halviatti, C++-Spezialist Jean-Marie Babet sowie die Programmiergrößen Bill Dunlap, Marie Huwe und Roland Fernandez das Lager gewechselt.

Für die Anschuldigungen Borlands hat Microsoft indes nichts übrig: "Menschen zieht es nun einmal zu Plätzen, an denen großartige Produkte entwickelt werden", so die lapidare Stellungnahme von Firmensprecher Greg Shaw. Man respektiere die intellektuellen Rechte seiner Wettbewerber und praktiziere Abwerbungen nur äußerst vorsichtig.

Äußerungen, die für Borland-Boß Yocam wie Hohn klingen. Schließlich habe Yocam bereits vor der Entscheidung, die heikle Situation vor Gericht zu klären, ein Schreiben an Microsoft-CEO Bill Gates gerichtet, um den Streit in einem außergerichtlichen Gespräch beizulegen. Bis dato habe er jedoch keine Antwort aus Redmond erhalten. In der deutschen Microsoft-Dependance liegen bislang keine Informationen zu diesem Thema vor, erklärte Pressereferentin Irene Lenz.