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08.11.2002 - 

Dritte Übernahme in einem Monat

Borland schluckt Konkurrenten Togethersoft

MÜNCHEN (CW) - Die Konsolidierungswelle im Markt für Entwicklungswerkzeuge rollt. Für 185 Millionen Dollar erwirbt Java-Spezialist Borland seinen Konkurrenten Togethersoft und tätigt damit seine dritte Akquisition in vier Wochen.

Nachdem Togethersoft seit einigen Monaten auf Einkaufstour gewesen war und insbesondere mit der Übernahme des Java-Spezialisten Webgain auf sich aufmerksam gemacht hatte, ist die Softwareschmiede aus Raleigh, North Carolina, nun selbst zum Übernahmeobjekt geworden. Käufer ist Konkurrent Borland, der hierfür 82,5 Millionen Dollar in bar sowie rund neun Millionen Aktien aufbringen muss. Das entspricht einem Gesamtvolumen von 185 Millionen Dollar.

Borland, Anbieter der populären Entwicklungsumgebungen "Jbuilder" und "Delphi", sieht den Deal als Teil seiner neuen Produktstrategie. Der Hersteller will demnach künftig mit seinen Tools nicht nur die Codierung, sondern den kompletten Lebenszyklus einer Software in einer integrierten Umgebung verwalten. Dieses Konzept entspricht dem derzeitigen Trend im Markt für Programmierwerkzeuge, dem auch Borland-Konkurrenten wie IBM, Microsoft, Sun Microsystems oder Rational folgen (siehe CW 32/02, Seite 16). Erst im Oktober hatte Borland den schwedischen Anbieter von Modellierungswerkzeugen für Delphi- und C++-Anwendungen Boldsoft übernommen. Kurz darauf folgte der Kauf des kalifornischen Startup-Unternehmens Starbase, das Tools für das Anforderungs-Management, zur Konfigurations- und Versionsverwaltung sowie Workflow-Lösungen entwickelte.

Borlands Interesse an Togethersoft gilt nun vor allem der grafischen Entwicklungsumgebung "Controlcenter", mit der sich Anwendungen per Unified Modeling Language (UML) modellieren, analysieren und generieren lassen. Der Jbuilder bot diesbezüglich bisher nur begrenzte UML-Features. Zusätzlich sollen laut Borland Controlcenter und weitere Techniken von Togethersoft auch mit den hauseigenen Produktlinien Delphi, "C++Builder" und "Kylix" kombiniert werden und einen wichtigen Platz in Borlands künftiger .NET-Strategie einnehmen. So erlaubt Controlcenter als eines der wenigen Produkte auf dem Markt eine Programmierung sowohl mit Java als auch mit Mircrosofts .NET Framework.

Stärkung gegen Visual Studio.NET

Gegenüber dem Brancheninformationsdienst "Computerwire" sagte Peter Coad, Gründer von Togethersoft und künftig für Strategien bei Borland zuständig, dass der Hersteller mit einer umfassenden und integrierten Entwicklungsumgebung Programmierern entgegenkomme, die "keine Unterbrechungen" bei ihrer Arbeit wünschten. Auch Togethersoft hatte diesen Ansatz verfolgt. Coad hofft nun, dass beide Firmen zusammen ein stärkeres Gegengewicht zu Microsoft und seiner Suite "Visual Studio .NET" oder IBM mit Java-Tools wie "Websphere Studio Application Developer" und dem "Eclipse"-Framework bilden können.

Mit der Übernahme von Togethersoft gelangt Borland auch in den Besitz der Produkte des Anbieters Webgain. Dieser hatte vor allem in den USA mit seinen Java-Entwicklungsumgebungen "Visual Café" und "Webgain Studio" Marktanteile gewinnen können, war aber nach finanziellen Problemen im August von Togethersoft übernommen worden. Borland hatte sich damals ebenfalls für Webgain interessiert, dabei aber zuletzt den Kürzeren gezogen. Was nun mit den Webgain-Produkten, die sich technisch stark mit Jbuilder überlappen, geschieht, ist noch offen. Borland machte aber bereits klar, dass es keine Neuauflage von Visual Café geben werde.

Von der Übernahme, die bis zum ersten Quartal 2003 abgeschlossen sein soll, sind 380 Mitarbeiter betroffen. Ihr Schicksal ist bisher ungewiss. Hinzu kommen Entwicklungsabteilungen in Prag und St. Petersburg, die Borland qualifiziertes Personal bei geringen Kosten garantieren.

Ende einer deutschen Erfolgsstory

Zugleich geht mit dem Deal eine Geschichte zu Ende, die 1994 in Stuttgart begonnen hatte. Die damalige Object International GmbH hatte das UML-Werkzeug "Together" zunächst für C++ entwickelt, später dann mit "Together J" eine erste Version für Java herausgebracht. Im Jahr 2000 folgte in den USA die Gründung des Unternehmens Togethersoft, das nachfolgend die Produktrechte übernahm. (as)