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30.03.2001 - 

Fusionsgespräche mit Beko Holding bestätigt

Brain Force will nach Konzernumbau durchstarten

MÜNCHEN - Trotz einer massiven Umstrukturierung wartet die Brain Force Software AG mit erfreulichen Zahlen für das Geschäftsjahr 2000 auf. Der Projekt-Dienstleister, der derzeit den Weg zum so genannten Service-orientierten Technologie-unternehmen beschreitet, konnte nicht nur seinen Umsatz deutlich steigern, sondern schreibt nach wie vor schwarze Zahlen. Damit trotzen die Wiener dem Negativtrend am Neuen Markt. Von Beate Kneuse*

Das beste Ergebnis in seiner18-jährigen Firmengeschichte hat Brain Force im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielt. Der Umsatz konnte gegenüber dem Vorjahr um 58,5 Prozent von 38,7 auf rund 61,4 Millionen Euro verbessert werden. Rund elf Millionen Euro steuerten dazu die im vergangenen Jahr akquirierten Unternehmen bei - allen voran der italienische Servicespezialist Tema Studio di Informatica. Beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verzeichnete das Unternehmen ebenfalls einen deutlichen Anstieg um 63,6 Prozent von 2,7 auf rund 4,4 Millionen Euro. Einziger Wermutstropfen ist der unter Plan liegende Profit vor Zinsen und Steuern(Ebit). Er legte nur um elf Prozent von 2,3 auf 2,5 Millionen Euro zu. Die Gründe: höhere Firmenwertabschreibungen und Umstrukturierungskosten als erwartet.

Dies aber will Brain-Force-Chef Helmut Fleischmann im laufenden Jahr ausmerzen. Bei einem geplanten Umsatz von 83,5 Millionen Euro hat er einen Ebit von fünf Millionen Euro im Visier. Einen Strich durch die Rechnung könnte Fleischmann allerdings die im September 2000 gegründete, in Zürich angesiedelte 1Gravity Websolutions AG machen. In ihr wurden der Internet-Geschäftsbereich der 1999 gekauften Schweizer MMI Consulting AG und die schon früher begonnenen eigenen Web-Aktivitäten vereint. Noch bereitet die neue Tochter wenig Freude. "Das Management vor Ort wirtschaftete schlecht, die Kosten liefen aus dem Ruder", erklärt Fleischmann. Bei 1Gravity habe eine typische "Dotcom-Denke" geherrscht. Mittlerweile wurde der Spezialist von Portal-Lösungen und B-to-B-Anwendungen an die kurze Leine genommen. Das Kernprodukt "CMT", das bislang nur für den Schweizer Markt freigegeben ist, wurde mitsamt den Programmierern nach Wien in die Zentrale geholt. Darüber hinaus zog Brain-Force-Vorstandsmitglied Martin Friedrich nach Zürich um, um dem "Ableger" vor Ort auf die Sprünge zu helfen.

Verlustbringer haben keine ChanceDie Marschroute für 1Gravity lautet für dieses Jahr, Ertragskraft unter Beweis zu stellen. Keine leichte Aufgabe, denn der Wettbewerb bei Portal-Lösungen ist stark, zumal einige Internet-Unternehmen laut Fleischmann ihre Strukturen "mittlerweile stabilisiert" haben und gut positioniert sind. Gleichwohl sei durch den zusammengebrochenen Internet-Hype eine gewisse Investitionszurückhaltung zu spüren. Dies alles aber soll für die Internet-Tochter keine Entschuldigung sein. Schafft 1Gravity im laufenden Jahr den Sprung in die Gewinnzone nicht, will Fleischmann hart durchgreifen. "Wir können uns nicht einen Verlustbringer erlauben. Zur Not eliminieren wir die Gesellschaft und führen das Projektteam in die MMI Consulting zurück."

Problemloser, allerdings nicht weniger kostenintensiv verlief der Aufbau des zweiten Geschäftsbereichs One4net, der sich mit TK-Technik sowie System- und Netzwerksicherheit befasst. Grundlage bildet die im März 2000 übernommene GMRS GmbH, die im Dezember in die Brain-Force-Geschäftsräume in Unterschleißheim umzog. Eingegliedert wurde zudem der ehemalige Brain-Force-Geschäftsbereich P&S Products and Services. Zudem bündelten die Wiener ihre angestammten, projektbezogenen Dienstleistungs-Aktivitäten - mit rund 55 Millionen Euro der Umsatzbringer schlechthin - im Geschäftsbereich "BF Classic" und integrierten dort die 1999 gekaufte MMI Consulting sowie die italienische Tema.

Zusammen mit der neuen Konzernstruktur, die im November 2000 in Kraft getreten ist, sah sich Fleischmann zu Beginn dieses Jahres auch genötigt, das Controlling umzustellen. Vormals zentral in Wien angesiedelt, gibt es neuerdings regionale Controller, die konzernweit ein straffes KostenManagement sicherstellen sollen.

Dass der organisatorische Kraftakt nötig war, daran hat der Brain-Force-Lenker keinen Zweifel: "Wir wollen neue Märkte erschließen, mehr technologische Standbeine haben und dadurch unsere Dienstleistungsaktivitäten beschleunigen." Weiterer Grund war, bei den für die Projektarbeit benötigten Produkten nicht in dem Maße wie bisher von Partnern und deren Geschäftsstrategien abhängig zu sein. "Als Service-Technologieunternehmen", ist der Brain-Force-Chef überzeugt, "werden wir für den Kunden auf jeden Fall attraktiver."

Den Beweis dafür müssen die Wiener allerdings erst noch antreten. Denn die Kehrseite der Medaille ist, dass sich die drei Geschäftsbereiche im Markt gegenseitig Konkurrenz machen, da die Produkteinheiten auch im Projektgeschäft agieren. Darüber hinaus könnte der Classic-Abteilung vom Kunden die nötige Neutralität abgesprochen werden, wenn die Brain-Force-Consultants plötzlich mit einem eigenen Produktportfolio aufwarten. Diese seien jedoch, wie Fleischmann betont, nicht gezwungen, "die eigenen Technologien ins Spiel zu bringen".

Für das laufende Jahr ist nach der Rosskur besagter Umstrukturierung eine gewisse Atempause angesagt. Zwar würde der Brain-Force-Frontmann zu gerne den Markteintritt in Großbritannien schaffen, dies aber lässt sich nur durch eine Akquisition realisieren. Und die kann wiederum nur in Form eines Aktientauschs über die Bühne gehen.

Emissionserlös aufgebrauchtEin derzeit schwieriges Unterfangen. "Unser Emissionserlös ist fast aufgezehrt, Kapital an der Börse nachzufassen ist derzeit aussichtslos", gibt sich Fleischmann keinen Illusionen hin. Auch die eigene Aktie kam böse unter die Räder. Nach einem Allzeithoch von 36,50 Euro rangiert das Papier derzeit deutlich unter neun Euro. Möglicherweise können die Wiener aber auf Umwegen die Kriegskasse auffüllen. Seit Wochen halten sich hartnäckig Gerüchte über einen bevorstehenden Zusammenschluss mit der ebenfalls am Neuen Markt notierten österreichischen Beko Holding. Tatsächlich ist Fleischmanns Interesse an dem größten Wettbewerber in der Alpenrepublik groß. "Wir würden gut zusammenpassen", gibt er zu Protokoll. Zum einen spreche für eine Übernahme von Beko, dass das Unternehmen in Osteuropa bereits gut positioniert sei - eine Region, in der auch Brain Force expandieren will. Zum anderen habe Beko bislang seine 1999 im Zuge des Börsengangs erzielten Erlöse in Höhe von 30 Millionen Euro kaum angetastet. Die Gespräche sind, so Fleischmann, "im Gange".

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München

Abb.1: EBIT/EBITDA

Mit den Erträgen soll es bei Brain Force steil nach oben gehen. Quelle: Brain Force Software AG

Abb.2: Umsatzentwicklung

Mehr als 30 Prozent Wachstum ist die Zielmarke für 2001. Quelle: Brain Force Software AG