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28.07.2000 - 

Rembold + Holzer und BIW - keine glückliche Verbindung

Brain laboriert an den Folgen der Fusion

MÜNCHEN (hv) - Die angeschlagene Brain International AG, ERP-Anbieter aus Breisach am Rhein, will mit radikalen Sanierungsmaßnahmen auf den Erfolgspfad zurückkehren. Wichtigster Schritt ist eine Zweiteilung des Unternehmens, die im Wesentlichen die Strukturen vor der Fusion wiederherstellt.

"Vieles ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten", blickt Kurt Rembold auf die beiden vergangenen Jahre zurück. Am 20. August 1998 hatte er gemeinsam mit seinem Kompagnon Thomas Holzer die Fusion von Rembold + Holzer mit der Weinstätter BIW AG abgeschlossen - und dabei offenbar Dimension und Folgen falsch eingeschätzt.

Seit Oktober vergangenen Jahres befindet sich Brain nun schon in einem Restrukturierungsprozess, der von einer Management-Beratung begleitet wird. Die angestrebte Zusammenführung der PPS-Produktlinien beider Fusionspartner wurde wegen technischer Schwierigkeiten und veränderter Marktbedingungen wieder verworfen (siehe CW 50/99, Seite 20).

Stattdessen beschloss Brain nun eine Zweiteilung des Unternehmens, die sich an den angestammten Produktlinien von Rembold + Holzer und BIW entlangzieht - also die Fusion in Teilen wieder rückgängig macht. Die so entstehende Brain Automotive Solutions GmbH mit Sitz in Breisach basiert auf dem ehemaligen "XPPS"-Geschäft und zielt auf die Automobilindustrie. Ebenfalls neu gegründet wurde die Brain Industries Solution GmbH mit Sitz am alten BIW-Standort Weinstadt. Sie soll das klassische PPS-Paket "Brain/AS" für verschiedene Branchen vermarkten. Außerdem will die Brain AG künftig weniger selbst entwickeln und stattdessen mehr als OEM-Partner anderer Softwarehäuser auftreten.

So vertreibt Brain künftig die Finanzsoftware der Portolan Commerce Solutions GmbH, Ilsfeld. Das Brain-Management versichert jedoch - wie in solchen Fällen üblich -, Kunden der bisher vermarkteten Finanzapplikationen könnten weiter mit Support rechnen.

Als Partner besser positionierter Unternehmen will Brain auch in anderen Märkten, darunter CAD, Customer-Relationship-Management, Produktdaten-Management und Executive Information Systems, auftreten. "In der jetzigen Struktur können wir kein Geld verdienen", begründet Rembold den Ansatz, die "Fertigungstiefe" zu reduzieren. Der Posten für Softwareentwicklung sei mit rund 20 Prozent der Gesamtkosten zuletzt viel zu hoch gewesen.

Ein Joint Venture strebt Brain im zukunftsträchtigen E-Business an: Bis Ende September soll der Vertrag mit einem namhaften Unternehmen unter Dach und Fach sein, in dem es um Shopping-, E-Procurement-, Marktplatz- und Portallösungen geht.

Auch die Entwicklungs-Tools sollen künftig nicht mehr im Alleingang, sondern gemeinsam mit der PKS GmbH, Weingarten, erstellt werden. PKS wird auch die Werkzeuge von Brain vermarkten. "In vier bis sechs Wochen sind alle Joint Ventures und Beteiligungen unter Dach und Fach", zeigt sich Rembold zuversichtlich.

Die Restrukturierung der vergangenen Monate hatte schwerwiegende personelle Konsequenzen. BIW-Gründer Helmut Polzer verließ bereits zu Jahresbeginn das Unternehmen - von "gegenseitigem Einvernehmen" spricht heute niemand. Entwicklungschef Peter Faßbinder scheidet ebenfalls aus, allerdings in freundschaftlicher Verbundenheit. Ein Nachfolger ist bereits gefunden. Bis er am 1. Oktober 2000 sein Amt antritt will Rembold, inzwischen zum alleinigen Vorstandssprecher aufgestiegen, sein Amt kommissarisch mit übernehmen.

Zum 31. Juli 2000 geht auch Mitgründer Thomas Holzer, der für Finanzen und Investor Relations verantwortlich zeichnete. Rembold steht damit allein an der Spitze eines auf vier Personen geschrumpften Vorstandes, dem außerdem Peter Gagg (Marketing), Eckhard Rein (Finanzen) sowie der noch nicht namentlich genannte Leiter der Softwareentwicklung angehören.

Obwohl sich Brain neu aufgestellt hat, blickt Rembold vorsichtig in die Zukunft. Auf die Aussagen von Analysten, die in der zweiten Jahreshälfte eine starke Wiederbelebung des ERP-Geschäfts erwarten, mag er sich nicht so recht verlassen: "Ich sehe keine explosionsartige Entwicklung. Wachstumsraten von 30, 40 oder gar 50 Prozent werden so schnell nicht mehr erreicht." Daher gelte es, das Unternehmen so aufzustellen, dass es auch magere Jahre solide überstehen könne.

Das ist zuletzt nicht mehr geglückt: Brain setzte im ersten Halbjahr 2000 mit 113,3 Millionen Mark kaum mehr um als in der vergleichbaren Vorjahresperiode (111,3 Millionen) und blieb weit hinter den erhofften 146 Millionen Mark zurück.

Als Ergebnis vor Steuern weist Brain ein Minus von 29,9 Millionen Mark aus. In der Folge mussten die Planzahlen für 2000 revidiert werden: Statt 350 Millionen Mark Umsatz werden nun 280 Millionen erwartet, statt eines Gewinns von sechs Millionen Mark ein Defizit von 24 Millionen.