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Meinungsverschiedenheiten in der Unternehmensspitze


07.01.2000 - 

Brain-Vorstand Polzer wirft das Handtuch

MÜNCHEN (bs) - Helmut Polzer, Vorstandssprecher des Softwareunternehmens Brain International AG, das aus den Softwarehäusern BIW und Rembold + Holzer hervorgegangen war, scheidet überraschend aus dem Unternehmen aus. Er möchte dringend erforderlichen organisatorischen Änderungen nicht im Weg stehen.

"Der Konsolidierungsprozess zwischen den beiden Unternehmen muss beschleunigt werden", kommentiert Peter Gagg, zuständig für Vertrieb und Marketing bei Brain, das Ausscheiden des Vorstandssprechers. Der Konzern entstand im August 1998 durch den Zusammenschluss von BIW und Rembold+Holzer (R+H). Beide Unternehmen sind Anbieter von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware für die AS/400. Seit Frühjahr 1999 ist die Gesellschaft am Neuen Markt notiert.

Polzers Vertrag hatte sowieso eine verkürzte Laufzeit, fügt Gagg hinzu: "Er wollte ursprünglich noch früher aus den Geschäften aussteigen, doch die Führungsmannschaft sollte so lange an Bord bleiben, bis die Ehe nicht nur auf dem Papier, sondern auch in den Köpfen der Mitarbeiter vollzogen ist." Unternehmenszusammenschlüsse dieser Größe seien nicht über Nacht zu bewältigen.

Hier scheint allerdings der wahre Grund für Polzers überraschenden Abgang zu liegen: Während R + H ein dezentral organisiertes Unternehmen war, bei dem die einzelnen Niederlassungen und Geschäftsstellen viel Handlungsspielraum hatten, steuerte Polzer die BIW zentral aus Weinstadt: "Speziell der Vertrieb der beiden Organisationen ist noch nicht optimal aufeinander abgestimmt", erklärt Herbert Noll, Unternehmenssprecher von Brain. Die Reibungsverluste in der Kundenbetreuung durch zwei Vertriebsorganisationen seien noch zu groß.

Tatsächlich konnte sich der Vorstand, der von den ehemaligen R+H-Geschäftsführern Kurt Rembold und Thomas Holzer sowie BIW-Geschäftsführer Polzer besetzt war, nicht darüber einigen, wie das Unternehmen künftig auszusehen habe: "Da gab es sehr viele Diskussionen, die hätten kürzer sein können", sagt Gagg knapp. Ab Januar suche man deshalb gemeinsam mit einer externen Beratung nach Schwachstellen - ohne Polzer.

Dem offiziellen Wortlaut sind die Querelen im Brain-Vorstand nicht zu entnehmen: "Herr Dr. Polzer, Mitglied des Vorstands der Brain International AG, wird im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat zum 31. Dezember 1999 ausscheiden, um sich einer anderen beruflichen Tätigkeit zuzuwenden. Der Aufsichtsrat hat in einer Sitzung vom 16. Dezember 1999 der vorzeitigen Aufhebung der Vorstandsbestellung von Herrn Dr. Polzer zugestimmt und ihm für seine Tätigkeit zum Wohle des Unternehmens und seiner Aktionäre gedankt."

Polzer, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, galt als treibende Kraft für die Entstehung von Brain International. Er brachte sein Unternehmen BIW mit der Software "Brain" sowie rund 400 "MAS-90"-Kunden in die Ehe mit ein. Im September 1997 hatte Polzer die betriebswirtschaftliche Standardsoftware MAS 90 von IBM übernommen. Er zeichnete verantwortlich für die Technik und Entwicklung der Produkte und war an der Verschmelzung von MAS 90, der Brain-Software sowie der R+H-Produkte maßgeblich beteiligt. Polzer positionierte die Brain AG vor allem als Partner für den Mittelstand, wobei seine erklärten Gegner die Großen der Branche wie SAP, Baan und J.D. Edwards waren.

Das Softwarehaus erzielte 1998 einen Umsatz von 170 Millionen Mark, beschäftigt über 1400 Mitarbeiter und hat 2300 Kunden. Der Anbieter von ERP-Systemen hat sich auf den Mittelstand und Unternehmen der Automobil-, Textilindustrie sowie Variantenfertigung konzentriert.